Darum gehts
US-Jets werden verlegt, Flugzeugträger nehmen Kurs, im Weissen Haus tagt der Situation Room im Dauermodus. Laut US-Medien wäre das Militär schon am Wochenende bereit für einen Schlag gegen den Iran. Noch hat Donald Trump (79) nicht entschieden – wir erklären, welche Faktoren ihn jetzt leiten.
Die militärische Kulisse steht
Die Faktenlage ist klar – und brisant. Zwei Flugzeugträger-Gruppen, darunter die modernste der US-Marine, stehen bereit. Dutzende zusätzliche F-35- und F-16-Jets wurden Richtung Naher Osten verschoben. Patriot- und THAAD-Abwehrsysteme schützen US-Stützpunkte. 30’000 bis 40’000 amerikanische Soldaten sind im erweiterten Einsatzgebiet stationiert. Wer so aufrüstet, will entweder abschrecken – oder zuschlagen.
Offiziell betont das Weisse Haus, Diplomatie sei «immer die erste Option». Gleichzeitig warnen Regierungssprecher, der Iran wäre «sehr klug», sich mit Trump zu einigen. In Genf verhandelten Unterhändler am Dienstag noch indirekt über das iranische Atomprogramm. Teheran signalisiert Bereitschaft zu Begrenzungen – verlangt im Gegenzug Sanktionslockerungen. Die Kernforderung der USA, gar keine Anreicherung auf iranischem Boden, ist für Teheran praktisch unannehmbar. Die Iraner boten aber an, innerhalb von zwei Wochen mit detaillierten Vorschlägen zurückzukommen.
Doch parallel zeigen Satellitenbilder, die von amerikanischen Medien ausgewertet wurden: Atomanlagen werden mit Erde und Beton verstärkt. Misstrauen herrscht auf beiden Seiten.
Ramadan, Olympia, State of the Union
Warum gerade jetzt? Der Zeitpunkt wirkt kalkuliert. Der Ramadan hat begonnen – ein Angriff in dieser Phase könnte in der islamischen Welt als Provokation wahrgenommen werden. Die Winterspiele enden am Sonntag – ein symbolischer Moment globaler Aufmerksamkeit. Und kommende Woche hält Trump seine grosse Rede zur Lage der Nation. Ein militärischer Schlag davor würde den Ton setzen. Ein Rückzieher ebenso.
Die oft zitierte 48-Stunden-Frist ist dabei kein offizielles Ultimatum. Sie ergibt sich aus internen Lagebriefings: Das Pentagon soll dem Weissen Haus signalisiert haben, dass die Streitkräfte «bereits dieses Wochenende» einsatzbereit wären. Heisst konkret: Flugzeugträger, Kampfjets und Tankflugzeuge sind so positioniert, dass ein Angriff kurzfristig autorisiert werden könnte. Zielpakete und Einsatzpläne liegen offenbar bereit. Seit diesem Moment tickt weniger eine militärische Uhr als eine politische.
Timing mit politischem Kalkül
Innenpolitisch bewegt sich der US-Präsident auf schmalem Grat. Er gewann Wahlen mit dem Versprechen, «keine endlosen Kriege» mehr zu führen. Ein Angriff auf den Iran – nach den bereits erfolgten Schlägen im vergangenen Jahr – wäre eine deutliche Eskalation. Gleichzeitig passt maximale Härte zu seinem Image. Trump operiert mit Druck, Drohkulissen, Ultimaten. Seine Strategie ist oft: Erst die Eskalation – dann der Deal.
Doch der Iran ist nicht Venezuela, wo diese Strategie zuletzt Erfolge brachte. Denn Teheran verfügt über ein dichtes Netz regionaler Verbündeter: Milizen im Irak, Hisbollah im Libanon, Verbundene in Syrien und im Jemen. Allerdings sind Irans Verbündete so schwach wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Raketen auf Israel, Angriffe auf US-Basen, Störungen der Schifffahrt im Persischen Golf – all das wären dennoch realistische Gegenschläge für den Iran. Der Ölpreis würde reagieren. Die Region könnte in eine neue Instabilität kippen.
Das Risiko einer Kettenreaktion
Politisch noch riskanter wäre ein US-amerikanischer Versuch, das Regime nachhaltig zu schwächen. Ein Machtvakuum in Teheran würde nicht automatisch zur Etablierung einer Demokratie führen. Wahrscheinlicher wäre ein Aufstieg noch radikalerer Kräfte innerhalb der Revolutionsgarden.
Trump steht damit vor seinem bislang heikelsten aussenpolitischen Entscheid in der zweiten Amtszeit. Je mehr er militärisch aufbaut, desto enger wird sein Handlungsspielraum. Ein Rückzieher könnte als Schwäche gelesen werden, was Trump vermeiden will.
Ob die USA zuschlagen, hängt weniger an der militärischen Bereitschaft als an Trumps politischem Kalkül. Drei Faktoren zählen: der Stand der Verhandlungen, das innenpolitische Risiko und sein eigenes Image als harter Dealmaker. Zeigt der Iran weitgehende Zugeständnisse, kann Trump dies als Erfolg verkaufen. Bleibt Teheran stur, wächst der Druck, die Drohung umzusetzen. Gleichzeitig darf der Einsatz nicht zum «endlosen Krieg» werden – das würde seiner eigenen Erzählung widersprechen.
Militärisch ist Washington bereit. Ob es wirklich nur noch 48 Stunden oder wenige Tage bis zum Krieg sind, entscheidet nun stark eine Person: Donald Trump.