Darum gehts
Das neue Jahr begann mit Schrecken. US-Präsident Donald Trump (79) griff bei Grönland zur Kriegsrhetorik und verlagerte in den vergangenen Tagen seine Armada um den Flugzeugträger «USS Abraham Lincoln» in den Nahen Osten. Die Zeichen standen an mehreren Fronten auf Krieg.
Nun aber krebst Trump zurück. Plötzlich will er von einer militärischen Übernahme Grönlands und von neuen Strafzöllen nichts mehr wissen. Plötzlich könnte es mit dem Iran doch noch eine Lösung geben. Was steckt hinter seinem Sinneswandel?
Hier ist Trump im Januar umgeschwenkt:
ICE-Aggression: Zuerst liess er die ICE-Truppen in Minneapolis hart einfahren und bezeichnete den erschossenen Alex Pretti (37) als «wahnsinnigen Aufrührer». Vergangene Woche liess er den kommandierenden ICE-Scharfmacher Gregory Bovino (55) auswechseln und Truppen abziehen. Das Telefonat mit dem demokratischen Gouverneur Tim Walz (61) bezeichnete Trump als «sehr gute Konversation». Nach fast zwei Wochen mit seinem Vater in Haft, ist auch der erst fünfjährige Liam wieder freigelassen worden.
Annexion Grönland: Zuerst wollte er Grönland «unbedingt» haben und drohte sogar mit einer militärischen Übernahme. Am WEF in Davos sprach er dann von einem Deal und versprach: «Ich werde keine Gewalt anwenden.»
Neue Strafzölle: Zuerst drohte er Ländern, die sich hinter Grönland stellten, mit weiteren Strafzöllen von bis zu 25 Prozent. An einem «sehr produktiven Treffen» mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte (58) am Rande des WEF nahm Trump die Drohung zurück. Grund: Er habe mit Rutte «einen Rahmen für ein zukünftiges Abkommen» zu Grönland vereinbart.
Drohung gegen den Iran: Zuerst drohte Trump dem iranischen Regime mit einem Angriff, der «weitaus schlimmer» sein würde als die Zerstörung der Atomanlagen am 22. Juni 2025. Inzwischen hat er wegen der brutalen Niederschlagung der Demonstrationen eine Kriegsarmada in den Nahen Osten geschickt. In einem Interview mit Fox News am Wochenende sprach Trump nun von einem «akzeptablen» Abkommen, das sich anbahnen könnte. Tatsächlich hat der Iran ein baldiges Treffen bestätigt.
Eskalieren schreckt ab
Von Trump weiss man, dass er maximale Forderungen formuliert, damit er später einen Kompromiss erzielen und als Sieg verkaufen kann. Das hat aber auch seine Kehrseite. Philipp Adorf, USA-Experte an der Universität Bonn, erklärt: «Eine dauerhafte Eskalation mobilisiert zwar den harten Kern seiner Anhängerschaft. Sie wirkt aber auch abschreckend auf moderate Wähler, auf deren Unterstützung die Republikaner für die Zwischenwahlen im November angewiesen sind.»
Trumps durchschnittlicher Zustimmungswert ist seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr von 52 auf 41 Prozent gesunken. Es wäre höchste Zeit, zu reagieren, um die Talfahrt zu stoppen.
Trump nimmt die politische Stimmung stark über das Fernsehen wahr. Nachdem selbst konservative Kanäle zunehmend kritische Berichterstattung betreiben, dürfte dies zu einem gewissen Umdenken beitragen. Adorf: «Militärische Schritte – etwa in Grönland oder im Iran – sind politisch äusserst unpopulär. Und selbst migrationskritische Wähler wollen keine Bilder sehen, in denen Kinder von ICE abgeführt werden.»
Ob sich Trump aber auf die längere Sicht mässigt, steht in den Sternen. Adorf: «Es gehört zu seiner zentralen Strategie, dass er die Gegner immer wieder überrascht.»