Darum gehts
In Spitälern und Hallen stapeln sich Leichen: Der Kampf des iranischen Regimes gegen den Widerstand artet in ein grausames Gemetzel aus. Gegen die Demonstranten, die ursprünglich wegen wirtschaftlicher Probleme auf die Strasse gegangen waren, kennen die unbarmherzigen Mullahs keine Gnade.
Die Lage dürfte sich weiter zuspitzen und die ganze Region erfassen, wenn auch US-Präsident Donald Trump (79) eingreifen wird. Die «New York Times» meldete, Trump erwäge ernsthaft, seine Drohung wahr zu machen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste anzugreifen. Kann er das Regime stürzen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.
Es sind wohl die brutalsten internen Auseinandersetzungen, seit die Mullahs 1979 die Macht übernommen haben. Laut dem mehrfach ausgezeichneten Portal «Iran International» sind innerhalb von 48 Stunden mindestens 2000 Menschen – auch Kinder – getötet worden. Und das seien konservative Schätzungen.
Gegenüber CNN berichtet eine Augenzeugin, dass sie in einem Spital «aufeinandergestapelte Leichen» gesehen habe. Auch in Industriehallen würden Leichen aufgebahrt.
Die Iraner gehen seit dem 28. Dezember auf die Strasse, um gegen die Inflation zu protestieren. Die Demonstrationen haben sich inzwischen auf über hundert Städte ausgeweitet. Um eine Kommunikation zu verhindern, hat das Regime seit einigen Tagen das Internet lahmgelegt.
Trumps Signal an Teheran scheint klar zu sein. Auf Truth Social schreibt er: «Die USA sind bereit zu helfen!!!» Laut Medienberichten hat er sich über Optionen für Militärschläge informieren lassen.
Wenn es zu einem militärischen Einsatz kommt, dürften wohl, wie schon im Juni 2025 gegen die iranischen Atomanlagen und am 3. Januar in Venezuela, gezielte Luft- und Raketenangriffe im Vordergrund stehen. Ins Visier dürften die USA am ehesten militärische Infrastruktur wie Raketenstellungen, Waffenfabriken und Flugplätze nehmen. Dass sich Trump auf einen Bodenkrieg gegen die fitten iranischen Einheiten einlässt, ist nicht zu erwarten.
Es gibt aber auch Anzeichen für eine friedliche Lösung. Da US-Vize J. D. Vance (41) immer noch von möglichen Verhandlungen spricht, könnte Trump sich am Ende sogar auf einen Deal mit dem Regime einlassen. Zum Beispiel: Wir lockern die Sanktionen, dafür lasst ihr die Demonstranten und Israel in Ruhe.
Ali Safavi, Mitglied des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten beim Nationalen Widerstandsrat des Irans (NCRI), sagt gegenüber Blick: «Eine Hilfe der USA sowie auch der Internationalen Gemeinschaft nützt nur, wenn alle Lebensadern des Regimes durchtrennt werden: Einstellung des Ölverkaufs, Verweigerung des Zugangs zum internationalen Bankensystem, umfassende diplomatische Isolation und Ausschluss aus allen globalen Organisationen.»
Die Entwicklungen der letzten Monate zeigten, dass das iranische Regime zwar geschwächt sei, aber weder von selbst noch allein durch ausländische Intervention zusammenbrechen würde. «Eine echte Veränderung muss von innen kommen – angetrieben von einer disziplinierten, landesweiten Bewegung, die in der Lage ist, einer gnadenlosen Diktatur frontal entgegenzutreten», sagt Safavi.
Das Regime in Teheran hat bei einem Angriff Konsequenzen angedroht. Iran selbst, aber auch Verbündete im Irak, in Syrien und im Libanon dürften Israel und US-Stellungen unter Feuer nehmen. Asymmetrische Vergeltung könnte Iran auch in der Strasse von Hormus ausüben, etwa mit Angriffen auf westliche Schiffe oder der Schliessung des wichtigen, engen Seeweges. Die Folge wäre ein weltweiter Anstieg der Energiepreise.
Ein Sturz der herrschenden Theokratie im Iran würde zu den tiefgreifendsten geopolitischen Veränderungen des letzten halben Jahrhunderts zählen, meint Safavi. «Sollte das Regime zusammenbrechen, würde ein ganzes Netzwerk von Milizen und Stellvertreterkräften in der Region ihres Hauptquartiers, ihrer Finanzierung und ihrer stragetischen Führung beraubt.» Mit anderen Worten: Eine solche Transformation würde die Tür zu einem friedlicheren Nahen Osten öffnen.
Als ältester Sohn des gestürzten Schahs Reza Pahlavi (1919–1980) ist Reza Pahlavi junior (65) der Kronprinz. Von seinem Exil in den USA unterstützt er die Opposition und hat zu landesweiten Streiks aufgerufen.
Immer wieder hört man in den Kundgebungen seinen Namen. Auch im Ausland rufen Demonstranten mit Plakaten wie «Demokratie nur mit Pahlavi» nach ihm. Er selber teilte über Medien mit: «Verlasst die Strassen nicht. Mein Herz ist bei euch. Ich weiss, dass ich bald an eurer Seite sein werde.»
Dass Pahlavi bei einem Regimesturz an die Macht käme, ist eher unwahrscheinlich. Nach all den Jahren im Ausland fehlt ihm der nötige Machtapparat in Teheran. Jene, die seinen Namen rufen, sind Nostalgiker, die von der angeblich guten alten Zeit schwärmen. Doch unter seinen Eltern herrschte ein autoritärer Führungsstil, den viele fürchteten.
Aber: Pahlavi könnte eine wichtige Rolle in einem Umbruch spielen: als Vermittler und somit als Geburtshelfer einer neuen Regierung.
Ein Blick-Interview mit Pahlavi von 2025 liest du hier.