Darum gehts
- Mindestens 192 Tote bei Massenprotesten im Iran, bestätigen Menschenrechtsorganisationen
- Augenzeugen berichten von gezielten Schüssen auf Köpfe und Herzen
- Berichten zufolge 2000 Tote innerhalb von 48 Stunden, 2600 Festnahmen
Menschenrechtsorganisationen sprechen von mindestens 420 bestätigten Todesopfern bei den aktuellen Massenprotesten im Iran. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA. Diese Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Das regimekritische Netzwerk HRANA mit Sitz in den USA meldete zuvor 116 Tote und mehr als 2600 Festnahmen seit Beginn der Proteste vor knapp zwei Wochen. Trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre habe es Demonstrationen in mindestens 185 Städten gegeben.
Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte jedoch deutlich höher liegen. Nach Berichten des exiliranischen Senders «Iran International» sollen innerhalb von 48 Stunden konservativen Schätzungen zufolge mindestens 2000 Menschen getötet worden sein. Das Portal veröffentlichte Videomaterial aus Kahrisak, einem teilweise unterirdischen Gefängnis südlich von Teheran, in dem zahlreiche Leichen in Leichensäcken zu sehen sein sollen. Augenzeugen berichteten von über 400 Toten vor Ort.
Gezielte Schüsse auf Demonstrierende
Internationale Medien berichten von dramatischen Zuständen. Ein iranischer Arzt sagte CNN, Sicherheitskräfte hätten auf Menschen geschossen, mindestens 30 seien getötet worden, darunter auch Kinder. «Ein fünfjähriges Kind wurde in den Armen seiner Mutter erschossen», so der Mediziner. In den Krankenhäusern herrsche extremes Chaos, viele Verletzte hätten Angst, behandelt zu werden, aus Sorge, von den Behörden identifiziert zu werden.
Augenzeugen berichteten, dass Sicherheitskräfte gezielt auf Köpfe und Herzen schossen. Krankenhauspersonal sprach von «übereinandergestapelten Leichen», da nicht genügend Platz in den Leichenhallen vorhanden sei. Eine Sanitäterin beschrieb «schreckliche Szenen», bei denen Dutzende Menschen starben.
Aus nächster Nähe erschossen
In sozialen Medien berichten Nutzer von massenhaften Tötungen. «Die Massaker sind von grösserem Ausmass als alle Morde früherer Aufstände», schrieb ein User auf X. Ein anderer berichtete, die Zahl der Leichen sei so hoch, dass sie in Innenhöfen aufgereiht und in Kühlcontainern gelagert würden, während Angehörige die Toten identifizierten.
Der iranische Polizeichef behauptete, die Getöteten seien aus nächster Nähe erschossen oder erstochen worden, um die Verantwortung von den Sicherheitskräften abzulenken. Press TV meldete hingegen, in der Stadt Isfahan seien 30 Sicherheitskräfte bei Protesten getötet worden.
Alle Angaben aus dem Iran können derzeit nicht unabhängig überprüft werden.