Verhandlung über Ukraine und Iran in der Schweiz
Krisengipfel in Genf – drei Thesen, die trotz allem Hoffnung machen

Die Schweiz rückt ins Rampenlicht: In Genf wird diese Woche an zwei Top-Treffen über die Ukraine und über den Iran verhandelt. Wir sagen, was die Gespräche so hoffnungsvoll macht.
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Genf international: Diese Woche finden gleich zwei Top-Meetings statt.
Foto: Getty Images

Darum gehts

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Guido FelderAusland-Redaktor

Es begann am Samstag mit einer überraschend konstruktiven Rede von Trumps Aussenminister. «Die USA und Europa gehören zusammen», sagte Marco Rubio (54) an der Münchner Sicherheitskonferenz vor vielen Zuhörerinnen und Zuhörern, darunter EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67). Sie zeigte sich «sehr erleichtert».

Auch in den kommenden Tagen stehen die Zeichen auf Entspannung. In Genf finden zwei Gipfeltreffen zu den beiden explosivsten Konflikten statt: der Ukraine und dem Iran. Wir erklären in drei Thesen, warum Grund zur Hoffnung besteht.

Als US-Aussenminister Marco Rubio auftrat, sass den Besuchern noch die Münchner Rede von US-Vize J. D. Vance (41) von 2025 in den Knochen. Vance war mit der Dampfwalze eingefahren und hatte die europäische Politik an allen Ecken und Enden kritisiert. Europa war schockiert.

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US-Aussenminister Marco Rubio machte in München auf Versöhnung.
Foto: keystone-sda.ch

Wird Rubio Trumps Nachfolger?

Daher waren Rubios Worte Balsam für die verwundeten Seelen der Europäer. Mit Aussagen wie «Unser Schicksal ist und bleibt untrennbar mit Ihrem verbunden» und «Wir werden immer Kinder Europas bleiben» unterstrich er die enge Partnerschaft zwischen den beiden Kontinenten. Von internationalen Organisationen fordert er eine Reform – und nicht eine Abkehr wie Trump.

Nach diesem Satz gibts für Rubio Applaus
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Rede an Sicherheitskonferenz:Nach diesem Satz gibts für Rubio Applaus

Auch wenn Rubio in der Sache noch immer hart bleibt, kann man hoffen. Er ist in Trumps Regierung jener Mann, mit dem man reden kann. Zudem hat er laut Jackson James vom German Marshall Fund die besten Chancen, Präsidentschaftskandidat der Republikaner 2028 zu werden. Der Grund: Rubio spricht im Gegensatz zu Vance nicht nur die MAGA-Bewegung, sondern auch die gemässigten Kreise der Republikaner an.

Top-Gipfel in Genf

Grund zur Hoffnung gibt es diese Woche in Genf, wo gleich zwei Top-Gipfel stattfinden. Am Dienstag und Mittwoch kommt es unter Vermittlung der USA zu Gesprächen zwischen der Ukraine und Russland. Aus der Ukraine nehmen Wolodimir Selenskis (48) Sicherheitsberater Rustem Umjerov (43) und Präsidialamtschef Kyrylo Budanow (40) teil. Aus Russland reisen Putin-Berater Wladimir Medinski (55), Vize-Aussenminister Michail Galuzin (65) sowie mindestens 15 Delegierte an.

Ebenfalls am Dienstag werden in Genf Gespräche zur Krise im Iran geführt. Erwartet werden aus den USA der Sondergesandte Steve Witkoff (68) und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (45), der als Berater amtet. Aus dem Iran reist eine Delegation unter der Führung von Aussenminister Abbas Araghtschi (63) an. Als Vermittler agiert der Oman.

Was uns hoffen lässt – 3 Thesen

1. Delegierte verraten Strategie

Dass Trump seine engsten Vertrauten Witkoff und Kushner an beide Gipfel schickt, zeigt, dass er sich ernsthaft als globaler Dealmaker positionieren und Ergebnisse sehen will.

Interessant ist die Personalie bei den Russen: Der Kreml schickt diesmal Medinski statt Militärgeheimdienstchef Igor Kostjukow (64). Das bedeutet, dass Putin verstärkt auf Verhandlungen auf politischer Ebene setzt.

Das ist zwar auf der einen Seite schlecht. Denn mit Medinski schickt Putin ausgerechnet jenen Verhandlungsführer, der bei den Istanbul-Gesprächen keinen Schritt von Moskaus Maximalforderungen abgewichen war. Auf der anderen Seite könnte Medinski die auf Militärebene festgefahrenen Verhandlungen nun auf politischer Ebene wieder zum Laufen bringen.

2. Kleine Schritte bremsen Eskalation

Selenski zeigt sich kompromissbereit wie noch nie. Er ist bereit, in zwei Monaten Neuwahlen in der Ukraine einzuleiten. Bedingung: eine Waffenruhe. Zudem scheinen sich auch bei zwei weiteren Knacknüssen Kompromisse abzuzeichnen: bei den Sicherheitsgarantien durch die USA, bei denen noch die Dauer geklärt werden muss, und beim Gefangenenaustausch, wo noch über die Anzahl verhandelt werden muss.

3. Genf wird zum Testfeld

Nein, mit grossen Durchbrüchen ist in Genf nicht zu rechnen. Im Ukraine-Krieg ist Selenski zwar kompromissbereit, doch die Positionen in Territorialfragen liegen noch weit auseinander.

Beim Iran bleibt die US-Forderung nach vollständiger Kontrolle der Urananreicherung für Teheran inakzeptabel. Wenn Teheran nicht nachgibt, könnte es zu einem weiteren Militärschlag kommen. Ein zweiter US-Flugzeugträger ist bereits Richtung Naher Osten unterwegs.

Der Wert der Gespräche in Genf liegt darin, rote Linie abzustecken und institutionalisierte Kanäle für weitere Verhandlungen zu schaffen. Auch wenn vielleicht keine greifbaren Ergebnisse vorliegen werden, ist die Fortsetzung der Gespräche selbst ein strategischer Gewinn, der mindestens hoffen lässt.

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