Es klingt zu gut, um wahr zu sein. Plötzlich soll sie weg sein, die Kluft zwischen Europa und den USA. Wer Marco Rubio an der Münchner Sicherheitskonferenz zugehört hatte, konnte für einen Moment glauben, das transatlantische Band sei fester denn je. Der US-Aussenminister beschwor am Samstag pathetisch die gemeinsame Geschichte – Amerika, das auf europäische Seefahrer zurückgeht. Der Westen, Schulter an Schulter, im Zweiten Weltkrieg, im Kalten Krieg, im grossen Ringen mit der Sowjetunion.
Auf den ersten Blick war es eine Liebeserklärung am Valentinstag. Rubio hat rhetorisch deeskaliert. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der US-Chefdiplomat die Gemeinsamkeiten im Gestern sucht. Denn heute gibt es immer weniger davon.
Altes neu verpackt
Nichts bedroht Europas Sicherheit mehr als Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Und doch verlor Rubio in seiner Rede an der wichtigsten Sicherheitskonferenz Europas kaum ein Wort darüber. Stattdessen wetterte er gegen Massenmigration, tadelte Europas Überregulierung und forderte höhere Militärausgaben. Man kennt die Kritik. Rubio hat sie auf der Konferenz nur höflich verpackt, verglichen mit Vizepräsident J. D. Vance, der im Vorjahr mit der Abrissbirne auftrat.
Europas Entscheidungsträger sollten sich nicht von warmen Worten einlullen lassen. Entscheidend sind Taten. Und was Donald Trump von der Nato hält, sollte mittlerweile allen klar sein. Noch vor wenigen Wochen drohte er einem Nato-Mitglied offen mit militärischen Mitteln, sollte man ihm Grönland nicht auf dem Silbertablett servieren.
Kein MAGA in Europa
Das ist kein diplomatischer Ausrutscher. Auch nicht, dass Rubio nach seiner Rede in München direkt nach Ungarn zu Viktor Orban und in die Slowakei zu Robert Fico, den beiden grössten EU-Kritikern, weiterreist. Das ist ein Signal. Trumps Regierung wünscht sich ein Europa, in dem radikale rechtspopulistische Kräfte den Ton angeben. Einen Kontinent, der sich an der MAGA-Ideologie orientiert, nicht an liberaler Demokratie.
Zum Glück hat die europäische Elite erkannt, dass sie auf eigenen Beinen stehen muss, dass auf Trumps Amerika kein Verlass ist. An diesem Kurs gilt es festzuhalten.