«Sie werden das nicht schaffen»
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Trump kritisiert Dänemark:«Sie werden das nicht schaffen»

Trump will die Insel – notfalls mit Militär
«Es wimmelt in Grönland von chinesischen und russischen Schiffen»

Trump will Grönland unter US-Einfluss bringen – notfalls mit militärischen Mitteln. Für Washington ist die Insel entscheidend, um Russland und China in der Arktis in Schach zu halten. Das sei auch für Europa gut.
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US-Präsident Donald Trump will Grönland – notfalls offenbar mit militärischen Mitteln.
Foto: AFP

Darum gehts

  • uslDonald Trump fordert Grönland für US-Sicherheit, schliesst Militäreinsatz nicht aus
  • US-Aussenminister spricht beschwichtigend von Verhandlungstaktik
  • Grönlands Premier betont Unabhängigkeit, Gespräche nur nach Völkerrecht möglich
  • Strategisch wichtige Arktis-Insel auf für Russland und China
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

US-Präsident Donald Trump (79) zündelt unmissverständlich mit der nächsten geopolitischen Bombe. Beim erneuten Vorstoss, Grönland unter US-Einfluss zu bringen, lässt das Weisse Haus keinen Zweifel: «Alle Optionen liegen auf dem Tisch» – auch das Militär.

Regierungssprecherin Karoline Leavitt (28) erklärte am Dienstag: «Präsident Trump hat unmissverständlich klargemacht, dass der Erwerb Grönlands für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten höchste Priorität hat und von entscheidender Bedeutung ist, um unsere Gegner in der Arktis abzuschrecken. Der Einsatz des US-Militärs ist dabei stets eine Option.»

Die Kontrolle über Grönland sei entscheidend, «um unsere Gegner in der Arktis abzuschrecken».

Blanke Machtpolitik

Trump selbst betont die strategische Bedeutung der Insel. «Grönland ist so wichtig», sagte er Reportern an Bord von Air Force One. «Es wimmelt in Grönland vor chinesischen und russischen Schiffen. Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit – und Dänemark wird dazu nicht in der Lage sein.»

Kritik kontert Trump mit gewohntem Selbstvertrauen: «Niemand kümmert sich so gut um Grönland wie wir. Niemand.» Und weiter: «Wenn wir es nicht machen, machen es andere», sagte er mit Blick auf die Rivalität mit Russland und China in der Arktis.

Trump argumentiert, dass amerikanischer Einfluss auf Grönland nicht nur US-Interessen, sondern auch westlichen Sicherheitsinteressen dient: «Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit – und die Europäische Union braucht es von uns. Das wissen sie.»

Scheckdiplomatie?

Beschwichtigende Töne kommen derweil von US-Aussenminister Marco Rubio (54). Er informierte Abgeordnete laut dem «Wall Street Journal» am Montag hinter verschlossenen Türen über Trumps Absicht, Grönland zu kaufen.

Militärische Schritte spielte Rubio herunter und erklärte, die scharfe Rhetorik diene vor allem dazu, Dänemark zu Verhandlungen zu bewegen.

Alaska an seiner nördlichen Westflanke hatten die USA vor 158 Jahren per Kauf erworben – von Russland. Rubio deutet an, dass die USA auch ihre nördliche Ostflanke auf gleiche Weise als dann wohl 51. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten einverleiben könnten.

Bloss ein weiterer «Hundeschlitten»

Die autonome Insel, die grösste der Welt, gehört zum Nato-Staat Dänemark. Grönlands Premier Jens-Frederik Nielsen (34) stellte klar: «Wir gehören niemandem. Unsere Zukunft entscheiden wir selbst.» Gespräche mit den USA seien möglich, «aber nur auf der Grundlage des Völkerrechts und unseres Selbstbestimmungsrechts».

In einer gemeinsamen Erklärung bekräftigten führende Europa-Politiker – darunter der britische Premier Keir Starmer (63), der französische Präsident Emmanuel Macron (48) und die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni (48) – ihr Bekenntnis zur Verteidigung der «territorialen Integrität» Grönlands.

Auch Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen (48) warnt vor einem historischen Tabubruch, der die Nato erschüttern könnte. Kopenhagen hat in die Sicherheitsinfrastruktur Grönlands investiert und Milliarden für neue Schiffe und Flugzeuge angekündigt. Trump belächelte diese Pläne am Sonntag und sprach spöttisch vom Kauf eines weiteren «Hundeschlittens».

US-Interessen

In Europa schrillen die Alarmglocken. Trump macht seine Grönland-Ansprüche nur wenige Tage nach der umstrittenen Venezuela-Aktion geltend, bei der rund 200 US-Elitetruppen Diktator Nicolás Maduro (63) mitsamt Gattin aus dem nächtlichen Ehebett schnappten und in US-Gewahrsam brachten. Laut der «Washington Post» kamen dabei rund 75 Sicherheitskräfte ums Leben, zumeist kubanische Leibwächter Maduros. Die US-Seite beklagte sieben Verletzte. Trumps Botschaft jetzt ist klar: US- überragen alle anderen Interessen.

Stephen Miller (40), Vizestabschef des Präsidenten, sagte dazu gegenüber CNN: «Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die Vereinigten Staaten kämpfen. Das macht keinen Sinn.»

Vom Scherz zur Ernstlage

Als Trump bereits 2019 während seiner ersten Amtszeit erstmals Interesse an Grönland bekundete, hielten viele Dänen dies für einen Scherz. Inzwischen hat der Präsident seine Forderungen mehrfach erneuert. Vor Weihnachten erklärte Trump, entlang der Küste Grönlands seien russische und chinesische Schiffe zu sehen. Es gehe dabei nicht um Öl oder Mineralien – davon hätten die USA selbst genug.

Grönland war bis 1953 eine dänische Kolonie. Seit 1979 erhielt die Insel schrittweise mehr Selbstverwaltung und ist heute weitgehend autonom. Aussen- und Verteidigungspolitik liegen jedoch weiterhin bei Kopenhagen. Rund 57'000 Einwohner leben auf der Insel, viele von ihnen wünschen sich langfristig die vollständige Unabhängigkeit.

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