Darum gehts
- USA drohen nach Angriff auf Venezuela weiteren Ländern, darunter Mexiko und Iran
- Trump will Fentanyl-Fluss aus Mexiko stoppen, droht militärische Intervention an
- Proteste im Iran bereits 19 Tote, US-Drohungen verschärfen Spannungen weltweit
Nach dem Angriff auf Venezuela in der Nacht zum Samstag fürchtet die Welt weitere militärische Aktionen der USA. Kolumbien, Mexiko, Iran und Grönland sehen sich nach den jüngsten Äusserungen von US-Präsident Donald Trump (79) bedroht.
Die Festnahme und Entmachtung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro (63) findet in der Bevölkerung des Landes überwiegend Zustimmung. International jedoch wird das Eingreifen der USA als Bruch des Völkerrechts verurteilt. Um ihr Handeln zu rechtfertigen, greift die Trump-Regierung im Fall Maduro zu folgendem Mittel: Ihm soll nun wegen Drogendelikten der Prozess gemacht werden.
Doch wie steht es um die anderen von Trump genannten Länder? Welche Begründungen liefert die US-Regierung? Welche Interessen verfolgt sie? Und welche Folgen hätten weitere Angriffe – nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt? Eine Übersicht.
Trump hat angedeutet, dass Kolumbien das nächste Ziel sein könnte. Vor Reportern in der Air Force One bezeichnete er Präsident Gustavo Petro (65) als «kranken Mann», der Kokain herstelle und in die USA verkaufe, und sagte auf Nachfrage: «Operationen in Kolumbien? Klingt gut für mich.»
Die USA argumentieren, Kolumbien sei der weltgrösste Kokainproduzent und werfen Petro vor, nicht ausreichend gegen Kartelle vorzugehen. Petro weist diese Vorwürfe zurück, nennt sie falsch informiert und betont die Fortschritte seiner Regierung bei der Zerschlagung von Laboren und der Beschlagnahmung grosser Mengen Kokain.
Eine mögliche US‑Militäraktion würde die bilateralen Beziehungen massiv belasten. Kolumbien war traditionell ein enger Verbündeter im «War on Drugs», doch direkte Angriffe würden als Verletzung der Souveränität und des Völkerrechts gelten. Petro warnte, ein Angriff würde «den Volks‑Jaguar entfesseln» und die Bevölkerung mobilisieren.
Bereits im November 2025 erklärte Trump, Angriffe auf Mexiko nicht auszuschliessen. Auf die Frage eines Journalisten, ob er Angriffe auf Mexiko starten würde, um Drogen zu stoppen, antwortete er: «Das wäre für mich okay.» Mexiko habe «grosse Probleme» mit dem Rauschgifthandel, so der US-Präsident.
Nun legte er nach: «Mexiko muss sich zusammenreissen.» Nach eigenen Angaben bot Trump der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum (63) wiederholt Unterstützung durch US-Truppen an, doch sie habe gezögert und sei «ein bisschen ängstlich».
Hinter der Rhetorik stehen klare Interessen: Eindämmung des Fentanyl- und Kokainflusses und ein Signal an ganz Lateinamerika, dass Washington bereit ist, Grenzen zu überschreiten. Ein tatsächlicher Angriff auf mexikanischen Boden würde jedoch nicht nur die Beziehungen zu einem der wichtigsten Handelspartner der USA ruinieren, sondern erneut mit dem Völkerrecht brechen.
Angesichts anhaltender Proteste gegen das Regime in Teheran signalisiert Trump Unterstützung für die Demonstranten. Während eines Flugs nach Washington warnte er: «Wenn sie damit anfangen, Leute zu töten, wie sie es in der Vergangenheit getan haben, werden sie von den Vereinigten Staaten sehr hart getroffen werden.» Mindestens 19 Tote und Hunderte Festgenommene meldeten Menschenrechtsgruppen bereits.
Washington verfolgt hier geopolitische Ziele: die Schwächung des iranischen Regimes, das mit Atomambitionen, der Hisbollah und Anti-US-Rhetorik die Region destabilisiert. Zudem will er einen Regimewechsel zugunsten pro-westlicher Kräfte fördern.
Die USA bombardierten den Iran zuletzt im Juni 2025. Ein erneutes militärisches Vorgehen der USA könnte internationale Spannungen, insbesondere mit Russland und China, verschärfen.
«Wir brauchen Grönland absolut», sagte Trump gegenüber dem «Atlantic» und spottete über Dänemarks Verteidigung – sie hätten «einen Hundeschlitten mehr» geschickt. Trump warnte zudem vor russischen und chinesischen Schiffen rings um die Insel: «Dänemark wird das nicht schaffen – die EU weiss, dass die USA es haben sollten.»
Grönlands Regierungschef Jens Frederik Nielsen (34) reagierte darauf scharf: «Das reicht jetzt», erklärte er auf Facebook. «Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexions-Fantasien. Wir sind offen für Dialog. Wir sind offen für Diskussionen.» Dies müsse aber «über die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts geschehen», so Nielsen.
Grönlands Boden birgt seltene Erden für Tech- und Rüstungsindustrie. Schmelzende Eiskappen öffnen zudem neue Seewege. Und Washington will Militärbasen wie Pituffik ausbauen, um seine Stellung in der Arktis gegenüber China und Russland zu festigen.
Ein US-Eingriff oder eine Zwangsübernahme würde die Nato spalten, Europa gegen Washington aufbringen und Handelskonflikte entfachen. Global entstünde ein Präzedenzfall für Annexionen – und die Reaktionen Russlands und Chinas wären nicht absehbar.