Darum gehts
- Maduro und seine Frau am 2. Januar ausser Landes gebracht
- Vizepräsidentin Rodríguez soll Neuwahlen innerhalb 30 Tagen organisieren
- Venezuela: 31 Millionen Einwohner warten auf demokratischen Übergang
«Der Tyrann ist gestürzt!» Mit diesen Worten äusserte sich US-Vizeaussenminister Christopher Landau (62) zur Entmachtung des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro (63). Zuvor gab Präsident Donald Trump bekannt (79), dass Maduro und seine Frau Cilia Flores (69) in der Nacht auf Samstag festgenommen und ausser Landes gebracht worden seien.
Nun stellt sich die Frage: Wer wird das 31-Millionen-Einwohner-Land in Zukunft regieren? Denn darauf hatten die USA weder vor noch nach ihrem Angriff in der Nacht auf Samstag einen Vorschlag gemacht. Doch die Zeit drängt.
Denn während Venezolanerinnen und Venezolaner den Sturz ihres Machthabers im Land und im Exil bereits feiern, kündigte der Verteidigungsminister des Landes militärischen Widerstand an. Deshalb gilt es, so schnell wie möglich Stabilität zu schaffen.
Mehrere Kandidaten möglich
Laut Verfassung müsste Vizepräsidentin Delcy Rodríguez (56) die Amtsgeschäfte übernehmen und binnen 30 Tagen Neuwahlen ansetzen. Doch ihre zögerlichen Auftritte in den vergangenen Tagen offenbaren vor allem eines: Das Machtzentrum von Caracas ist ins Wanken geraten.
Rodríguez erklärte am Samstagmorgen, die Regierung wisse nicht, wo sich Maduro und die First Lady aktuell befinden. Diese Unsicherheit unterstreicht, wie tief die Strukturen des Regimes erschüttert sind. Für die Opposition öffnet sich nun ein historisches Fenster. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Edmundo González Urrutia (76), langjähriger Diplomat und derzeit im spanischen Exil, gilt als aussichtsreichster Kandidat für einen demokratischen Übergang.
Nobelpreisträgerin als Nachfolgerin?
Unterstützt wird er von María Corina Machado (58), Friedensnobelpreisträgerin und Symbolfigur des Widerstands gegen Maduro. Sie kündigte an, ihre Bewegung bereite sich auf einen «geordneten und friedlichen Übergang» vor.
Machados Team behauptet, ein Grossteil der Sicherheitskräfte sei bereit, die Legitimität einer neuen Übergangsregierung anzuerkennen – ein entscheidender Faktor in einem Land, in dem das Militär seit Jahrzehnten die politische Stabilität bestimmt. Doch Verteidigungsminister Vladimir Padrino López (62) stellte sich demonstrativ gegen jede ausländische Einmischung und kündigte an, «die Souveränität der Nation» zu verteidigen. Beobachter werten seine Haltung als Versuch, den Einfluss des Militärs zu sichern – oder gar, selbst die Macht zu übernehmen.
Eine traurige Ära geht zu Ende
Damit steht Venezuela an einer zerbrechlichen Schwelle: Zwischen einem verfassungsmässigen Übergang, der dem Land neue Stabilität bringen könnte, und einem Machtkampf, der es tiefer ins Chaos stürzen würde. Internationale Akteure, darunter die USA und die Europäische Union, rufen zu freien und fairen Wahlen auf – doch hinter den Kulissen ist der politische Poker längst im Gange.
Ob Edmundo González tatsächlich die Autorität findet, eine Übergangsregierung zu bilden, oder ob die Streitkräfte eigene Wege gehen, hängt von den kommenden Tagen ab. Sicher ist nur: Mit Maduros Abgang geht eine Ära zu Ende – aber der Kampf um Venezuelas Zukunft hat gerade erst begonnen.