Darum gehts
- Heftige Explosionen in Caracas am Samstag, Rauchwolken und Flugzeuge gemeldet
- USA-Venezuela-Spannungen, Trump droht mit Einsätzen auf Festland
- Anwohner berichten von mehreren Detonationen seit 2.00 Uhr MEZ
Ein Überblick
In der Nacht auf Samstag haben die USA Venezuela angegriffen – US-Präsident Trump bestätigte den Angriff
Venezuelas Präsident Nicolas Maduro ist von den USA verhaftet und ausgeflogen worden. Dies meldet US-Präsident Donald Trump am Samstagmorgen.
Venezuela verurteilte die Angriffe in einer ersten Reaktion als Aggression; Kolumbiens Präsident spricht von Raketenangriffen.
Venezuela berichtet vom toten Soldaten und Beamten – USA melden keine Opfer
Hintergrund für die Eskalation: Spannungen um US-Truppen, Drogenboote und sanktionierte Öltanker.
Justizministerin Bondi gibt Maduro-Anklage bekannt
US-Justizministerin Pamela Bondi teilt mit, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores seien im Southern District of New York angeklagt worden. Maduro werde u. a. «wegen Verschwörung zum narco-terroristischen Handeln, Verschwörung zur Einfuhr von Kokain sowie wegen Waffenbesitzes gegen die Vereinigten Staaten» beschuldigt.
Beide würden sich «bald der vollen Härte der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden» stellen. Bondi dankt Präsident Trump und dem US-Militär für die «hoch erfolgreiche Mission zur Festnahme» der beiden.
Venezuelas Innenminister: «Wir werden siegen»
Venezuelas Innenminister Diosdado Cabello hat sich trotz des US-Militärangriffs und der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro siegesgewiss gezeigt. «Am Ende dieser Angriffe werden wir siegen», sagte Cabello, der als einer der mächtigsten Männer des Landes gilt, am Samstag im staatlichen Fernsehen.
Es sei «nicht der erste Kampf gegen unser Volk», sagte der Innenminister weiter und fügte hinzu: «Es lebe das Vaterland! Es lebe! Immer loyal! Niemals Verräter!» Das venezolanische Volk wisse, wie es «unter allen Umständen überlebt». Auf Online-Plattformen hatte es Gerüchte über eine Festnahme oder den Tod Cabellos gegeben.
Argentinien Milei feiert Maduros Festnahme
Argentiniens Präsident Javier Milei feiert die von den USA verkündete Festsetzung von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro. «DIE FREIHEIT SCHREITET VORAN, ES LEBE DIE FREIHEIT VERDAMMT NOCHMAL», schrieb der ultraliberale Politiker auf X in Versalien zu einem Nachrichtenbericht, den er auf der Plattform teilte.
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag (Ortszeit) Ziele in Venezuela angegriffen und nach Angaben von Präsident Donald Trump auch den autoritären Staatschef Maduro gefasst und ausser Landes gebracht.
Milei ist ein vehementer Gegner der bisherigen venezolanischen Führung unter Maduro. Argentinien hatte dessen umstrittene Wiederwahl 2024 nicht anerkannt.
Schweiz ruft zur Einhaltung des Völkerrechts auf
Die Schweiz ruft angesichts des US-Angriffs auf Venezuela zu Deeskalation, Mässigung und zur Einhaltung des internationalen Rechts auf. Dem Aussendepartement lagen am frühen Samstagnachmittag keine Informationen über betroffene Schweizer vor.
Die Einhaltung des internationalen Rechts beinhalte auch die Respektierung des völkerrechtlichen Gewaltverbots und der territorialen Integrität souveräner Staaten, schrieb Nicolas Bideau, der Kommunikationschef des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), am Samstag auf der Plattform X.
Die Schweizer Botschaft in Venezuela beobachte die Situation genau, hiess es in dem Post weiter. Ähnlich wie Bideau hatte sich zuvor auch schon die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas geäussert.
Venezuelas Innenminister: USA haben Ziel nur teilweise erreicht
Die USA haben mit ihrem Angriff auf Venezuela und mit der Gefangennahme des autoritären Präsidenten Nicolás Maduro ihr Ziel nach Einschätzung der Regierung in Caracas nur teilweise erreicht.
«Das Land ist ganz ruhig. Was sie mit ihren Bomben und Raketen erreichen wollten, ist ihnen nur teilweise gelungen», sagte Innenminister Diosdado Cabello mit Militärhelm und taktischer Weste umgeben von Bewaffneten im Staatsfernsehen. «Sie haben erwartet, dass das Volk feige die Flucht ergreift. Das ist nicht geschehen. Die Zeit der Feiglinge ist vorbei.»
Venezuelaner freuen sich über die Entmachtung Maduros
Venezuela beantragt Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats
Venezuela hat angesichts des US-Angriffs auf das Land eine dringende Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen beantragt, sagte Aussenminister Yván Gil Pinto.
«Kein feiger Angriff wird gegen die Stärke dieses Volkes Erfolg haben, das am Ende siegreich hervorgehen wird», sagte er auf Telegram und teilte den an die UN gerichteten Brief.
Laut Rubio keine weiteren Angriffe geplant
US-Aussenminister Marco Rubio soll nach Angaben des republikanischen Senators von Utah, Mike Lee, angekündigt haben, dass Maduro in den USA vor Gericht gestellt werden soll. Die Militärschläge wurden demnach «zum Schutz und zur Verteidigung» derer ausgeführt, die den Haftbefehl vollstreckten.
Lee, der zunächst Zweifel an der Rechtmässigkeit des US-Vorgehens geäussert hatte, zeigte sich damit zufrieden. Das falle wohl unter Artikel zwei der US-Verfassung, wonach US-Militärangehörige vor Angriffen oder bevorstehenden Angriffen geschützt werden dürfen, so Lee nach einem entsprechenden Telefonat mit Rubio. Rubio habe zudem gesagt, dass es keine weiteren Angriffe auf Venezuela geben werde.
Irans Führer ruft zu Härte gegen «Unruhestifter» auf
Irans oberster Führer hat erstmals auf die politischen Unruhen der vergangenen Woche reagiert und strenge Massnahmen gegen «Unruhestifter» gefordert. Ajatollah Ali Chamenei sagte im Staatsfernsehen, dies sei eine Verschwörung der in- und ausländischen Feinde Irans und müsse konsequent unterbunden werden.
Russland verurteilt US-Angriff als «verwerflich»
Russland hat den US-Militärangriff auf Venezuela mit deutlichen Worten verurteilt. Das Vorgehen sei «zutiefst beunruhigend und verwerflich», erklärte das russische Aussenministerium in Moskau am Samstag. Es gebe keine Rechtfertigung für diese «bewaffnete Aggression». «Ideologische Feindseligkeit hat über sachlichen Pragmatismus gesiegt», hiess es in der Mitteilung des Ministeriums aus Moskau weiter.
Wichtig sei jetzt, eine weitere Eskalation zu verhindern und den Dialog zu suchen. Russland sei zur Unterstützung bereit. «Lateinamerika sollte eine Friedenszone bleiben», hiess es in der Mitteilung weiter. Venezuela habe das Recht, «seine eigene Zukunft ohne destruktive, geschweige denn militärische Einmischung von aussen zu bestimmen».
Russland unterstütze Venezuelas Behörden auch bei der Forderung, unverzüglich eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates einzuberufen. «Die russische Botschaft in Caracas arbeitet unter Berücksichtigung der Situation normal», teilte das Ministerium mit.
Russische Staatsbürger seien nicht betroffen. Kremlchef Wladimir Putin hatte dem autoritären venezolanischen Staatschef, Nicolás Maduro, im Dezember angesichts wachsender Spannungen mit den USA seine Unterstützung zugesichert.
In der venezolanischen Hauptstadt Caracas haben sich Medienberichten zufolge in der Nacht auf Samstag mehrere Explosionen ereignet. Über der Stadt war mindestens eine grosse Rauchwolke zu sehen, Flugzeuge waren zu hören, und zahlreiche laute Knallgeräusche wurden registriert.
Wie eine Reporterin des Senders CBS am Samstag auf X unter Berufung auf US-Vertreter berichtete, soll US-Präsident Donald Trump (79) Angriffe auf Venezuela angeordnet haben. Ziel sollten unter anderem Militäreinrichtungen sein, hiess es.
Die Regierung Venezuelas warf den Vereinigten Staaten eine militärische Aggression gegen zivile und militärische Ziele vor. Dies stelle eine Verletzung der UN-Charta dar, hiess es in einer Mitteilung der venezolanischen Regierung.
Passanten fliehen vor Explosionen
Betroffen waren offenbar der Süden und Osten der Hauptstadt, unweit einer grossen Militärbasis, darunter der Stützpunkt der venezolanischen Luftwaffe in La Carlota. In Teilen des südlichen Caracas fiel infolge der Explosionen der Strom aus.
Auf Videos des Senders VPItv und in Online-Netzwerken waren mehrere Hubschrauber über der nächtlichen Stadt zu sehen, während grosse Brände Rauchsäulen in den Himmel schickten. Passanten flohen nach den Explosionen von den Strassen.
«Venezuela wurde angegriffen»
Der Auslöser der Explosionen blieb zunächst unklar. Das US-Verteidigungsministerium war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
Der Präsident des Nachbarlandes Kolumbien hat von einem Angriff auf Venezuela gesprochen. «In diesem Moment wird Caracas bombardiert. Alarm an alle: Venezuela wurde angegriffen. Sie beschiessen es mit Raketen», schrieb Staatschef Gustavo Petro auf der Plattform X. «Die Organisation Amerikanischer Staaten und die Vereinten Nationen sollten sofort zusammentreten», forderte er.
Lage noch unklar
Im Raum steht die Frage, ob es sich um US-Militäraktionen handeln könnte. Der Konflikt zwischen den USA und Venezuela hatte sich zuletzt zugespitzt: US-Truppen und Kriegsschiffe wurden vor der venezolanischen Küste zusammengezogen, mehrfach griff das Militär angebliche Drogenboote an, die Küstenwache beschlagnahmte sanktionierte Öltanker.
US-Präsident Trump sprach zuletzt von der Möglichkeit von US-Einsätzen auf dem venezolanischen Festland und bestätigte zuvor Angriffe auf Hafengebiete in dem südamerikanischen Land.
Venezuelas autoritärer Präsident Nicolás Maduro (63) wirft dem Weissen Haus vor, einen Machtwechsel in Caracas erzwingen zu wollen. Er vermutet, die USA wollten sich die riesigen Erdölvorkommen Venezuelas sichern. Im Staatsfernsehen zeigte sich Maduro zuletzt dennoch gesprächsbereit: «Wo immer sie wollen und wann immer sie wollen», könne man über Drogenhandel, Öl und Migration diskutieren.
Gleichzeitig betonte er die Wehrhaftigkeit seines Landes: «Das nationale Verteidigungssystem hat die nationale Integrität, den Frieden des Landes und die Nutzung unserer Territorien garantiert und garantiert dies weiterhin.»