Darum gehts
Nach monatelangen Überwachungen und Vorbereitungen ging alles sehr schnell: Um 22.46 Uhr (Ortszeit) in der Nacht auf Samstag schlugen die Amerikaner zu, nach nur 2 Stunden und 20 Minuten war die Aktion beendet. Venezuelas Präsidentenbewacher hatten weder Zeit noch Kraft, Diktator Nicolás Maduro (63) zu schützen. Inzwischen wurde er nach New York gebracht, wo er wegen Drogendelikten vor ein Gericht gestellt wird.
Donald Trumps (79) Angriff auf Venezuela war zeitlich und lokal begrenzt, aber mit weitreichenden Auswirkungen. Maduros Sturz und Trumps Einmischung in Venezuelas Politik bringen das ganze Weltgefüge zum Erzittern. In Brüssel wächst sogar die Angst vor einem Angriff auf Europa. Wir zeigen die zu erwartenden Folgen.
Moskau verliert einen Partner, mit dem es auf wirtschaftlicher Ebene, aber auch im militärischen Bereich zusammenarbeitete. Sorgen macht dem Kreml vor allem die von Trump angekündigte verstärkte Förderung von Erdöl. Der Ölpreis dürfte deswegen längerfristig weltweit sinken – von aktuell rund 59 Dollar pro Barrel auf unter 50 Dollar, wie der österreichische Ex-Kanzler Sebastian Kurz (39) auf X schreibt. Kurz sagt über die verstärkte Öl-Offensive in Venezuela: «Sie setzt Moskau stärker unter Druck als alle Sanktionen zuvor.»
Laut der US-Energiebehörde verfügt Venezuela mit 303 Milliarden Barrel über die grössten nachgewiesenen Ölreserven der Welt. Ein Barrel (englisch für Fass) entspricht rund 159 Litern.
Der Kreml braucht die Einnahmen aus seinen eigenen Öl-Verkäufen zu einem grossen Teil dafür, die Kriegskasse für die Aggression gegen die Ukraine zu füllen. Wenn die Einnahmen nun wegen grosser Konkurrenz sinken, könnte der russische Präsident Wladimir Putin (73) eher zu einem Einlenken im Ukraine-Krieg gebracht werden.
Für Peking ist Maduros Festnahme ein schwerer Rückschlag. Denn mit dem Sturz des Diktators verliert auch China seinen wichtigsten Verbündeten in Lateinamerika und somit seinen Einfluss. China hat Venezuela seit den 2000er Jahren über 60 Milliarden Dollar an Krediten und Vorfinanzierung geliefert. Venezuela hatte sich verpflichtet, die Schulden mit Öl-Lieferungen abzustottern. China muss nun mit einem gigantischen Abschreiber rechnen.
Trumps eigenmächtiger Schlag ist auch ein Signal an andere Staaten, dass sich westliche Länder nicht mehr an internationale Abmachungen halten. Taiwan aufgepasst: Trump könnte Peking dazu motivieren und legitimieren, ähnliche Schritte auszuführen und auf militärischen Angriff überzugehen.
Entführung Maduros, Tötung Soleimanis im Irak, Angriff auf Nuklearanlagen im Iran: Die USA beweisen, dass sie auf der ganzen Welt gezielte und wirkungsvolle Schläge ausführen können. Das bringt vor allem das Regime in Kuba ins Zittern. Nach dem Angriff in Venezuela deutete US-Aussenminister Marco Rubio (54) einen möglichen Angriff an: «Als kubanische Regierung würde ich mir jetzt Sorgen machen.»
Marco Rubio, der in Miami geborene Sohn von kubanischen Einwanderern, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Hinterhof der USA aufzuräumen. Mit den Ölfeldern haben die USA nun ein Druckmittel gegen das von venezolanischem Öl abhängige Kuba in der Hand.
Kuba, Nicaragua, Iran, Nordkorea – Länder, die Trump zu seinen Feinden zählt – sehen, wie ernst es Trump mit seinen Drohungen meint. Das könnte zur Folge haben, dass sich die Anti-US-Front verstärkt und sich diese Staaten aus Sicherheitsgründen Grossmächten wie China und Russland weiter annähern.
Nicht nur bei antiwestlich ausgerichteten Ländern steigt die Angst vor Angriffen der USA. Auch westlichen Staaten wird es unwohl. Allen voran Dänemark. Trump hat es schon seit Jahren auf die zum Königreich gehörende Insel Grönland abgesehen. Seine Rhetorik wird immer heftiger. Kurz vor Weihnachten sagte er: «Wir brauchen Grönland für die nationale Sicherheit. Wir müssen es haben.»
Ein beunruhigendes Signal sendet auch Katie Miller (34), die Frau von Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller (40), aus. Auf X postete sie am Samstag eine Karte, die Grönland in den Farben der US-Flagge zeigt. Dazu schreibt sie lediglich vier Buchstaben: «SOON», also bald.
In Brüssel herrscht Alarmstimmung. Für die deutsche FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (67), Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, ist Trumps Vorgehen eine «unmissverständliche Drohbotschaft» an Dänemark und Grönland. Trump zeige in Venezuela, wozu er bereit sei, wenn er seine Ziele nicht auf freiwilligem Wege erreiche.