Der Iran ist nicht wehrlos
Mit dieser Strategie könnten die Mullahs Trump hart treffen

Ein US-Angriff auf den Iran würde kaum unbeantwortet bleiben. Teheran hat verschiedene Möglichkeiten, um die USA unter Druck zu setzen. Cyberattacken, Drohnen und Stellvertreter-Milizen könnten reichen, um den Konflikt gefährlich eskalieren zu lassen.
Kommentieren
Militärmanöver in der Strasse von Hormus: Iran demonstriert Stärke an einem der empfindlichsten Nadelöhre der Weltwirtschaft.
Foto: SEPAHNEWS HANDOUT

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
BlickMitarbeiter06.JPG
Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Die Spannungen zwischen Washington und Teheran nehmen seit Wochen gefährlich zu. Während in Genf noch Diplomaten über eine letzte politische Lösung im Streit um Irans Atomprogramm verhandeln, bereiten sich beide Seiten sichtbar auf ein Scheitern der Gespräche vor. Die USA verlegen zusätzliche Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge in den Nahen Osten, zugleich fordert Washington amerikanische Staatsbürger auf, Israel vorsorglich zu verlassen. US-Präsident Donald Trump (79) droht offen mit militärischen Konsequenzen.

Viele Beobachter gehen dabei von einem klaren Kräfteverhältnis aus: Die USA verfügen über eine militärische Dominanz, mit der Irans konventionelle Streitkräfte nicht mithalten können. Die Schlussfolgerung scheint offensichtlich – ein amerikanischer Angriff würde Teheran kaum Handlungsspielraum lassen. Doch sobald die ersten Bomben fallen, wird sich der Iran auf mehreren Ebenen zur Wehr setzen.

Irans Krieg beginnt im Verborgenen

Nicht primär mit Kampfjets oder einer grossen Offensive. Analysten des US-Thinktanks Center for Strategic and International Studies erwarten vielmehr eine abgestufte Vergeltung: Cyberangriffe auf Finanzsysteme, Drohnenoperationen im Persischen Golf und Raketenangriffe durch verbündete Milizen. Ein US-Angriff auf Teheran wäre der Start in eine Phase kalkulierter Nadelstiche.

1/7
US-Präsident Donald Trump spricht im Weissen Haus in Washington – während die Spannungen mit dem Iran weiter zunehmen.
Foto: imago/ZUMA Press

Für Teheran steht dabei weniger ein militärischer Sieg im Zentrum. Dafür das Überleben des Regimes und der Schutz seines Atomprogramms. Genau deshalb setzt Iran seit Jahrzehnten auf asymmetrische Abschreckung. Gewalt wird dabei zum Signal: Der Krieg soll für den Gegner teuer werden, ohne ausser Kontrolle zu geraten.

Die unsichtbare Front im Cyberspace

So verfügt Iran über ein grosses Arsenal an Drohnen und ballistischen Raketen. Bereits im Juni 2025 reagierte Teheran auf israelische Angriffe mit einer Welle ballistischer Raketen – weniger mit dem Ziel maximaler Zerstörung als zur Demonstration regionaler Reichweite und Abschreckung. Ein ähnliches Muster wäre auch im Fall eines offenen Kriegs mit den USA zu erwarten. Auch nach der Tötung von General Qassem Soleimani im Januar 2020 reagierte Iran mit gezielten Raketenangriffen auf US-Stützpunkte im Irak.

Eine der wahrscheinlichsten iranischen Antworten liegt im Cyberspace. Iranische Hacker haben bereits Banken, Energieunternehmen und staatliche Systeme westlicher Staaten attackiert. Solche Angriffe lassen sich schnell skalieren: von Propaganda und Desinformation bis hin zu Störungen kritischer Infrastruktur.

Das Druckmittel Öl

Besonders wirkungsvoll könnte Iran im Persischen Golf agieren. Schon kleinere Angriffe auf Handelsschiffe oder Begleitschiffe könnten die Strasse von Hormus destabilisieren – jenes Nadelöhr, durch das rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels verläuft. Iran müsste den Seeweg nicht blockieren. Es reicht, Zweifel an seiner Sicherheit zu sähen, um Energiepreise weltweit nach oben zu treiben.

Und sogar amerikanische Flugzeugträger könnten von Iran ins Visier genommen werden. Dessen Führung droht regelmässig damit, eines der schwimmenden Symbole amerikanischer Macht anzugreifen. Zwar gelten die milliardenteuren Trägerverbände als extrem widerstandsfähig. Ein einzelner erfolgreicher Treffer hätte aber enorme politische Wirkung.

Hinzu kommt Teherans Netzwerk aus Stellvertreter-Milizen. Von der Hisbollah im Libanon über schiitische Gruppen im Irak bis zu den Huthi-Rebellen im Jemen kann Iran Angriffe indirekt ausführen lassen. Zwar sind einige dieser Gruppen durch den Gaza-Krieg und israelische Gegenschläge geschwächt, doch sie bleiben weiterhin handlungsfähig.

Genau diese indirekte Kriegsführung zwingt die USA in ein Dilemma: Sie wissen, wer hinter den Angriffen steckt – können aber kaum direkt zurückschlagen, ohne den Krieg massiv auszuweiten.

Viele kleine Schläge statt eines grossen Kriegs

Entscheidend ist: Iran verfügt nicht über die eine grosse Vergeltungsoption, sondern über mehrere kleine. Cyberattacken, Drohnen, Raketen, Milizen und maritime Störaktionen bilden ein flexibles Eskalationsmenu. Sobald ein Krieg begonnen hat, könnte Teheran dieses Instrumentarium schrittweise einsetzen – nicht um schnell zu gewinnen, sondern um den Konflikt zu verlängern und die Kosten für Washington stetig zu erhöhen. Historisch reagierte Iran meist proportional, um Abschreckung zu demonstrieren und gleichzeitig politischen Handlungsspielraum zu bewahren.

Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen