Darum gehts
- Schweizer in Nahost wegen eskalierender Lage gestrandet, Flüge gestrichen, Chaos herrscht
- Hannah Menzel floh aus Dubai, hörte Explosionen in Ferne
- Seit Samstag keine Flüge: Tausende Reisende betroffen, darunter viele Schweizer
Die Situation im Nahen Osten eskaliert zunehmend. Anhaltende Explosionen und gesperrte Lufträume sind seit Samstag die Realität für die Menschen vor Ort. Darunter befinden sich auch viele Schweizerinnen und Schweizer.
Junges Paar erlebte Chaos am Flughafen
Hannah Menzel (19) aus Bottenwil AG und ihr Freund Mike Egli (22) wollten am Samstag zurück in die Schweiz reisen, doch ihr Rückflug wurde gestrichen. «Wir packten im Hotel hastig unsere Sachen und fuhren zum Flughafen. Doch dort herrschte Chaos: lange Schlangen, verunsicherte Reisende, keine klaren Informationen.»
Da ihnen niemand weiterhelfen konnte, haben sie entschieden, Richtung Oman zu flüchten. «Wir verliessen Dubai und fuhren rund 100 Kilometer ins Landesinnere. Dort stellten wir den Antrag für ein Visum, um über die Grenze in den Oman zu gelangen», so die 19-Jährige. «Während wir warten, hören wir immer wieder Explosionen in der Ferne. Die angespannte Lage ist spürbar, selbst ausserhalb der Stadt.»
Am Sonntag haben sich ihre Pläne wieder geändert: «Der Oman soll doch nicht mehr so sicher sein.» Wie es nun weitergeht, wissen die beiden noch nicht. «Wir sind maximal überfordert und warten jetzt erst einmal ab.»
Schweizer Auswanderin filmt Rakete über Dubai
Die Schweizer Auswanderin Daniela Baumann (59) schildert dramatische Szenen, die sie am Samstag erlebt hat. Am Himmel seien plötzlich Lichtkörper erschienen. «Dann ist neben uns eine Rakete heruntergekracht. Wir wussten nicht, was wir machen sollten. Wir haben so etwas noch nie erlebt.»
Irgendwann hätten sie einen extrem lauten Handyalarm erhalten, der sie anwies, sich in Sicherheit zu bringen. «Wir stehen alle unter Schock. Damit hat keiner gerechnet. Es ist wie ein Albtraum!»
Influencerin Elena Miras steckt in Abu Dhabi fest
Der Schweizer Reality-Star Elena Miras (33) war auf der Heimreise von Phuket (Thailand). An ihrem Zwischenstopp in Abu Dhabi hatte sie bereits das Gate gewechselt, um ihren Anschlussflug nach Zürich zu erwischen. Als sie auf ihrem Handy laufend Flugverschiebungen sah, sprach sie Flughafenmitarbeiter an. Die erklärten ihr, dass alle Flüge gestrichen seien.
«Kurze Zeit später sah ich, wie ein Kampfjet vom Flughafen aus gestartet ist», so Miras. «Plötzlich sind am Flughafen Sirenen losgegangen, und alle Handys haben angefangen zu klingeln», schildert die 33-Jährige. Die Menschen am Flughafen seien in Panik geraten. «Es war ein grosser Schock für mich, auch weil ich mit meiner Tochter hier bin. Ich hatte Angst, dass ihr etwas passiert.»
Sie habe ein Hotel gebucht, das sich nicht in der Nähe des Flughafens befinde. «Wir sind in der Nähe des Königshauses und warten ab, was passiert», so das TV-Sternchen. Aktuell gehe es ihnen gut, doch am Samstagabend hätten sie am Himmel gesehen, wie mehrere Raketen abgewehrt wurden. «Man fühlt sich hilflos. Niemand hilft einem, niemand gibt einem Informationen», so Miras. Sie hofft, dass sich die Lage bald entspannt und ihre Tochter und sie spätestens am Montag zurück nach Hause fliegen können.
Schweizer auf Kreuzfahrtschiff gestrandet
René Pfau (57) ist mit seiner Frau und zwei weiteren Paaren am Freitagabend nach Dubai geflogen. Am Samstagmorgen erreichten sie das Kreuzfahrtschiff MSC Euribia und konnten ihr Kajüten beziehen. Doch die Orient-Kreuzfahrt startete nicht wie geplant. «Wir sind noch immer am Hafen in Dubai», sagt Pfau. «Wir werden zweimal pro Tag vom Kapitän informiert, aber die Ungewissheit ist gross.»
Die drei Schweizer Paare haben eine unruhige Nacht hinter sich. «Wir erhielten drei Alarme auf dem Handy, und in der Ferne sehen wir Rauch.»
Die Laune lassen sie sich trotzdem nicht verderben. «Wir beschäftigen uns mit Barbesuchen und hoffen, dass sich die Situation bald entspannt», so der 57-Jährige. Wie und ob die Kreuzfahrt weitergeht, wisse er aktuell noch nicht. Am Sonntagabend sollen weitere Infos von der Schiffscrew folgen.
Zürcher überbrückt die Zeit am Strand
Daniel Kägi (47) aus Zürich ist seit 25. Februar mit seiner Partnerin in Dubai. Am Samstagabend wären sie weiter nach Bangkok (Thailand) gereist. Weil alle Flüge gestrichen wurden, haben sie ihren Dubai-Aufenthalt nun verlängert. Die letzte Nacht sei unruhig gewesen: «Um 1 Uhr gab es einen Alarm direkt auf unsere Handys. Wir mussten in die Lobby.» Nach rund einer Stunde konnten sie in ihre Zimmer zurückkehren.
«Die Situation ist ernst, und man merkt, dass alle etwas angespannt sind», sagt Kägi. Panik herrsche aber nicht, auch das Hotelpersonal wirke nicht nervös. «Es ist alles gut organisiert.»
Kägi nimmts gelassen: «Ein Teil des Strandes und der Pool wurden aus Vorsicht geschlossen. Wir liegen nun einfach 200 Meter daneben und warten, bis der Flugbetrieb wieder aufgenommen wird.» Sofern sich die Situation nicht dramatisch verändere, wollen sie an ihren Reiseplänen festhalten.
Schweizer erlebte Angriffe in Abu Dhabi
Marc Müller (45) hält sich aktuell geschäftlich in Abu Dhabi auf. Als er am Samstagmittag draussen war, habe er gesehen, wie Raketen durch das Flugabwehr-System abgefangen wurden. Er berichtet von «lauten Knallen» und «Rauchwolken am Himmel». «Uns war sofort klar, dass etwas nicht stimmt», sagt der 45-Jährige, der daraufhin zurück ins Hotel gegangen ist.
«Wir hörten ununterbrochen dumpfes Donnern. Immer wieder flogen Objekte über uns hinweg, es war extrem laut.» Später habe er erfahren, dass in der Nähe seines Hotels eine Rakete eingeschlagen sein soll. Sein Hotel liege rund 40 Kilometer von einem amerikanischen Stützpunkt entfernt. Nach einen Handy-Alarm seien die Hotelgäste an einen sicheren Ort innerhalb des Gebäudes gebracht worden. Die Schweizer Botschaft in Abu Dhabi habe er telefonisch nicht erreicht.
Unterdessen befindet er sich an einem Ort im Norden, der weit von amerikanischen Stützpunkten entfernt sei. «Es fühlte sich an wie ein schlechter Film», so Müller.
Keine Swiss-Flüge zurzeit
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran wirkt sich auf den Flugverkehr aus. Wie die Fluggesellschaft Swiss am Sonntag mitteilt, streicht sie alle Flüge von und nach Dubai bis und mit dem 4. März.