Darum gehts
- Granit Xhaka gab 2026 zu, ein gefälschtes Covid-Zertifikat erworben zu haben
- Ärztin Andrea L. widerspricht: «Ich habe ihn tatsächlich geimpft, Zeugen bestätigen es»
- Polizei durchsuchte 2023 ihre Praxis und sicherte Xhaka-bezogene Covid-Dokumente
Blick konnte mit Andrea L.* (54) reden – der Ärztin, die Granit Xhaka das umstrittene Impfzertifikat ausgestellt hat. Sie erklärt: «Ich habe ihn korrekt geimpft.» Diese Aussage überrascht im brisanten Fall des Schweizer Nati-Captains.
Am Freitag machte Blick bekannt, dass gegen Xhaka ermittelt wird. Ihm wird vorgeworfen, dass er sich im Jahr 2022 ein falsches Covid-Zertifikat erworben haben soll. Strafrechtlich geht es dabei um mögliche Urkundenfälschung und die Frage, ob sich Xhaka eine falsche Urkunde «erschlichen haben könnte».
Xhaka gesteht Zertifikats-Kauf
Zuerst stritt das Umfeld von Xhaka die Vorwürfe ab. Sein Sprecher Andreas Bantel erklärte: «Es liegt ihm eine Bestätigung der behandelnden Ärztin vor, dass er am 25. Januar 2022 zum ersten Mal und am 11. November 2022 zum zweiten Mal gegen Covid geimpft wurde.» Später korrigierte Bantel den zweiten Impftermin auf den 8. November.
Am Montag liess Xhaka die Bombe platzen: Er gab zu, die Impfbestätigung erworben zu haben. Er erklärte: «Ich empfand tiefes Misstrauen gegenüber dem Impfstoff und war von Ängsten und Verunsicherung geprägt. In dieser aufgewühlten Gefühlslage habe ich eine Impfbestätigung erworben, anstatt meine offenen Fragen auf dem vorgesehenen Weg zu klären. Heute sehe ich klar, dass dieser Weg nicht richtig war. Es war ein Fehler. Das tut mir leid.»
Ärztin beharrt auf korrekter Impfung
Nun die nächste Entwicklung im Fall: Trotz des Geständnisses erklärt die Ärztin Andrea L.: «Ich habe Xhaka korrekt geimpft!» Das Zertifikat, das sie dem Fussballspieler ausgestellt habe, entspreche der vollen Wahrheit.
Blick trifft die Ärztin am Dienstag in ihrer Praxis in Luzern, die weiterhin geöffnet und in normalem Betrieb ist. L. empfängt Blick zu einem kurzen Gespräch im Behandlungszimmer. An der Wand hängen ihre Diplome. Die Ärztin sieht gestresst und müde aus. Sie erlaubt Blick, ihr Klarbild zu zeigen, bittet aber darum, ihren Nachnamen abzukürzen.
«Das Geschehen der letzten Tage ist überraschend und gleichzeitig belastend», sagt sie. «Ich hoffe, dass sich das Ganze bald zum Positiven löst.» Sie betont, dass das Gerücht über die Schliessung der Praxis nicht stimmt. «Ich bin weiterhin für die Patienten da, die Praxis ist selbstverständlich geöffnet.»
Die Ärztin nimmt laufend Telefonanrufe von Patienten entgegen und macht auch gleich Notfalltermine ab. Seit 15 Jahren arbeite sie ohne Ferienunterbrüche in dieser Praxis, sagt sie. «Auch über Mittag.»
Erste Impfung als Booster
Die dreifache, alleinerziehende Mutter berichtet über ihre Erfahrungen aus der Zeit der Corona-Pandemie. Sie habe 2021 gemeinsam mit einem namhaften Apotheker begonnen, gegen Covid zu impfen. «Granit Xhaka hat sich Anfang 2022 an uns gewendet, um ein Covid-Zertifikat zu bekommen.»
Der Fussballspieler habe berichtet, dass er Anfang 2021 bereits an Covid erkrankt war. «Weil er ja bereits Antikörper besass, war die erste Impfung als Booster vorgesehen», erklärt die Ärztin. Es sei nur eine Impfung nötig gewesen. Sie habe ihm darauf das Zertifikat ausgestellt.
Gemäss Andrea L. habe es für das Zertifikat also nur eine Impfung gebraucht – die aber tatsächlich stattgefunden habe.
Granit Xhaka bleibt derweil bei seinem Geständnis, in dem er zugab, eine Impfbestätigung erworben zu haben. Auf Anfrage von Blick erklärte sein Sprecher Andreas Bantel: «Granit hat seinem Statement nichts hinzuzufügen.»
«Ich war keine Impf-Skeptikerin»
Ärztin Andrea L. betont im Gespräch ihre Kompetenz in Sachen Covid: «Meine Heilungs- und Überlebensquote bei Covid-Patienten war 100 Prozent. Ich habe die ganze Zeit während der Pandemie gearbeitet. Viele Praxen waren damals geschlossen.»
Die Ärztin betont, dass ihre Praxis während der Covid-Zeit regelmässig von Kantonsarzt und Kantonsapotheker überprüft und gutheissen wurden.
Sie distanziert sich auch von der impfkritischen Szene: «Ich war in Luzern eine der ersten Personen, die geimpft wurden. Ich habe Covid mit viel Respekt behandelt. Ich war keine Impf-Skeptikerin», sagt sie.
Gemäss Blick-Informationen durchsuchte die Polizei 2023 ihre Praxis und sicherte Beweise. Dabei ging es zunächst um die Strafanzeige einer Krankenkasse – wegen des Verdachts, dass die Ärztin zu viele Medikamente an Patienten verkauft habe. Dabei stiess die Polizei auf verschiedene Covid-Dossiers. Eines davon trug den Namen von Granit Xhaka.
Es gilt die Unschuldsvermutung.
* Name bekannt