Granit Xhaka gibt zu, dass er ein gefälschtes Impfzertifikat erworben hat. Man darf dem Rekordnationalspieler zugutehalten: Er steht zu seinem Fehler. Spät zwar, aber Einsicht auf den letzten Drücker bleibt Einsicht.
Wahr ist aber auch: Der Druck damals, 2022, mag gross gewesen sein und Xhaka mit der Situation offensichtlich überfordert. Eine Urkunde zu fälschen oder fälschen zu lassen, ist dennoch keine Bagatelle, sondern eine Straftat.
Es folgt nun unweigerlich die Captain-Frage. Xhaka wird bald vorbestraft sein. Ist er so als Captain noch tragbar?
Dazu zwei Punkte:
1. Eine Vorstrafe disqualifiziert einen nicht automatisch.
2. Im Nati-Umfeld weiss jeder: Ist Xhaka dabei, markiert er den Chef. Seine Rolle im Team ist unbestritten, seine Professionalität auch, seine Ansprüche an Kollegen und Betreuer sind sehr hoch. Sein Einfluss auf Gefühlslage und Stimmung im Team genauso. Das wäre auch ohne Kapitänsbinde so. Xhaka ist eh der Boss, egal, ob ers offiziell ist oder nicht. Also muss er der Captain sein, alles andere wäre eine Scharade.
Die Frage vor dem nächsten Zusammenzug im November ist also viel grösser als die Captainfrage. Sie lautet: Mit Xhaka in der Nati oder nicht mehr? Das muss Nati-Coach Murat Yakin zusammen mit Sport-Superboss Jurendic beantworten. Xhaka kann ihnen dabei helfen, wenn er die nötige Demut an den Tag legt und Antworten liefert. Die Nebengeräusche, für die er in der Vergangenheit immer wieder gut war, müssen genau das sein: Vergangenheit.
Das muss er erst noch beweisen. Zuletzt hielt Xhaka es bekanntlich für angebracht, sich auf seinem Instagram-Profil mit dem als Kriegsverbrecher verurteilten Ex-Kosovo-Präsidenten Thaçi solidarisch zu zeigen. Mit einem gut formulierten Instagram-Statement zur Covid-Affäre allein ist es noch nicht getan. Ein guter Captain weiss das.
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