Wann und wie sind Sie von Granit Xhaka über sein gefälschtes Impfzertifikat informiert worden?
Peter Knäbel: Am Sonntag hat mich Granit Xhaka darüber informiert, dass er 2022 eine Impfbestätigung erworben hat, ohne selbst geimpft worden zu sein. Zudem hat er uns mitgeteilt, dass er das am Montag öffentlich machen und dafür die volle Verantwortung übernehmen werde. Daraufhin haben wir gemeinsam entschieden, dass er diesen Zusammenzug auslässt, damit das Team den vollen Fokus auf die Nations-League-Kampagne legen kann. Das war auch Granit ein sehr wichtiges Anliegen.
Wie turbulent waren die letzten 72 Stunden für Sie?
Das ist ein wichtiger Fall für uns. Wir reden über den Rekordnationalspieler der Schweiz. Für uns war wichtig, dass wir die Faktenlage kennen. Diese hat uns Granit zur Verfügung gestellt, auch mit der Absicht, klar zu kommunizieren. So konnten wir unsere Massnahmen gemeinsam definieren. Vom Ablauf her war das sehr viel Druck in kurzer Zeit. Aber wenn man sich gegenseitig kennt, ist das immer ein Vorteil.
Wie hat Granit Xhaka in diesem Gespräch auf Sie gewirkt?
Er hat auf mich reflektiert und sortiert gewirkt. Seine Gedanken waren klar, und er wusste in diesem Moment, was er möchte. Das Gespräch hat mich berührt, trotzdem war es sehr einfach und angenehm, mit ihm darüber zu sprechen. Auch über mögliche Konsequenzen.
Wie sieht die Nati-Zukunft von Xhaka aus?
Wir begrüssen, dass er diese Verantwortung übernimmt. Wir werden nach dem Zusammenzug gemeinsam darüber sprechen, wie wir die Zukunft gestalten werden. Wir haben das bewusst so entschieden, um alle Möglichkeiten offen zu halten. In diesen vertrauensvollen Gesprächen werden wir eine für alle gute Lösung finden.
War ein Nati-Rücktritt von Granit Xhaka Thema?
Nein.
Ist Xhaka als Captain noch tragbar?
Mit seinem Verhalten hat er gezeigt, wie ein Captain auf so etwas reagieren sollte. Alles andere werden wir noch besprechen.
Es ist aber das wiederholte Mal, dass er abseits des Platzes für Negativschlagzeilen sorgt.
Spieler mit Ecken und Kanten sind bei uns ausdrücklich erwünscht. Vor allem wenn sie solche Qualitäten wie Granit Xhaka mitbringen. Selbstverständlich macht sich jemand Gedanken, dessen Körper sein Kapital ist, und versucht, damit sehr vorsichtig umzugehen. Deswegen kann ich seine Gedanken und Zweifel auch irgendwo nachvollziehen. Ich sehe ihn aber nicht als einen undisziplinierten Spieler, der regelmässig über die Stränge haut oder negativ auffällt.
Inwiefern lässt sich für Sie der Xhaka-Fall mit dem gefälschten Impfzertifikat von Patrick Fischer vergleichen?
Ich sehe grosse Unterschiede zwischen diesen Fällen. Granit hat die Impfbestätigung nicht benötigt, um an einem grossen Turnier oder an Länderspielen teilzunehmen. Der SFV hat damals eine Impfempfehlung abgegeben, keine Impfpflicht. Darum ist es ein völlig anderer Fall als bei Patrick Fischer.
Wie hat das Team auf den Vorfall reagiert?
Dazu kann ich noch nichts sagen. Die Spieler sind hier in Belek gerade erst angekommen. Klar ist dieser Vorfall ein Thema, trotzdem freuen sich die Spieler, nach der WM das erste Mal wieder zusammen zu sein.
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