Das steht in seiner Impfbescheinigung
Neue Ungereimtheiten im Fall Xhaka

Granit Xhaka soll ein gefälschtes Covid-Zertifikat erworben haben. Blick liegt die Impfbescheinigung vor. Das Dokument wirft Fragen auf.
Kommentieren
1/5
Granit Xhaka, porträtiert am 6. November 2022 im Londoner Vorort Radlett.
Foto: Sven Thomann
RMS_Portrait_135 (1).jpg
Robin BäniRedaktor

Die Recherche von Blick hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet: Gegen Granit Xhaka wird ermittelt. Die Luzerner Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet. Der Nati-Captain soll sich gefälschte Covid-Zertifikate erschlichen haben. Anfang Oktober nehmen ihn die Ermittler ins Verhör. Die Causa hat das Potenzial zum Skandal, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.

Nun offenbaren Nachforschungen von Blick neue Ungereimtheiten. Das gefälschte Zertifikat soll eine Ärztin aus Luzern ausgestellt haben. Xhaka selbst äussert sich nicht, dafür sein Sprecher Andreas Bantel. In einer ersten Stellungnahme am Freitagabend sagte er: «Xhaka liegt eine Bestätigung der behandelnden Ärztin vor, dass er am 25. Januar 2022 zum ersten Mal und am 11. November 2022 zum zweiten Mal gegen Covid geimpft wurde.» Nur: Das stimmt so nicht ganz.

Bitte melde dich für eine Teilnahme an.

Blick liegt die mutmasslich gefälschte Impfbescheinigung vor. Die zweite Impfung hat demnach am 8. November stattgefunden, nicht am 11. November, wie Xhakas Sprecher zunächst behauptete. Die erste Impfung dagegen datiert laut den Unterlagen tatsächlich vom 25. Januar 2022.

Auf Nachfrage bestätigt Bantel, dass Xhaka die zweite Impfung am 8. November erhalten haben soll. Der Sprecher sagt: «Ich bitte diesen Lapsus bezüglich Datum, der mir in der Hitze des Gefechts passiert ist, zu verzeihen.»

Wo war Xhaka?

Dabei geht es um mehr als eine Kleinigkeit. Denn der Zeitpunkt der angeblichen Impfungen ist für die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zentral. In der Impfbescheinigung ist vermerkt, dass Xhaka jeweils bei der Ärztin in Luzern vor Ort vorbeikam. Sollte sich herausstellen, dass der Nati-Captain an diesen Daten im Ausland war, ist ein angeblicher Arztbesuch in der Schweiz unglaubwürdig.

Ein Blick in Xhakas Spielhistorie wirft tatsächlich Fragen auf. Anfang November 2022 bestritt er drei Spiele in England, damals für Arsenal. Am 6. November siegten er und sein Team bei Chelsea mit 1:0. Zwei Tage später, am 8. November, soll er in Luzern geimpft worden sein, nur um am 9. November in London schon wieder auf dem Platz zu stehen, gegen Brighton, und am 12. November auswärts gegen die Wolverhampton Wanderers.

Dass Xhaka zwischen zwei so dicht aufeinanderfolgenden Spielen hin- und herfliegt, ist theoretisch möglich, wäre im durchgetakteten Betrieb eines Grossklubs aber sehr unüblich. Zudem hätte ihm Arsenal ohne Probleme einen Impftermin vor Ort organisieren können. Und auch ohne Hilfe des Vereins hätte er sich kurzfristig in London impfen lassen können.

Ein Interview in England

Warum Luzern? Xhaka hat keinen öffentlich bekannten persönlichen Bezug zur Stadt. In einem Interview mit Blick (veröffentlicht am 13. November 2022) sagte er: «Zürich und Luzern sind nicht so mein Ding. Meine Stadt ist Basel!». Das Interview führte Blick am 6. November, nur zwei Tage vor Xhakas angeblicher Impfung, im Restaurant «Storia» im Londoner Vorort Radlett, 15 Minuten vom Arsenal-Campus entfernt. Die damalige Blick-Sportchefin und der damalige Fussballchef flogen dafür extra nach London. Fragt sich wofür, wenn Xhaka kurz darauf in die Schweiz gereist sein soll.

All das beweist noch längst keine Schuld Xhakas. Ohnehin liegt die Beweislast für ein mutmassliches Vergehen bei der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler dürften sich für Zahlungsdaten und allfällige Flugtickets interessieren, um seinen damaligen Aufenthaltsort zu bestimmen. Und vielleicht gibt es für alles eine plausible Erklärung. Noch aber schweigt der Nati-Captain.

Sein Sprecher Bantel lässt ausrichten, Xhaka stehe den Behörden uneingeschränkt und in voller Transparenz zur Verfügung. «Herr Xhaka wird der Staatsanwaltschaft ausführlich Auskunft erteilen. Ich bitte Sie um Verständnis, dass der Staatsanwalt bei diesen Fragen Vorrang hat.»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen