Darum gehts
- Granit Xhaka wird vorgeworfen, ein gefälschtes Covid-Zertifikat verwendet zu haben
- Gegen Luzerner Ärztin läuft ebenfalls ein Verfahren
- Xhaka muss am 6. Oktober vor der Luzerner Staatsanwaltschaft erscheinen
Wirbel um Nati-Captain Granit Xhaka (33)! Die charismatische und zeitweise umstrittene Leader-Figur der Schweizer Nationalmannschaft steht unter Verdacht: Er soll sich gefälschte Covid-Zertifikate besorgt haben.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern bestätigt gegenüber Blick, dass nicht nur gegen Xhaka, sondern auch gegen eine Luzerner Ärztin ein Verfahren eingeleitet wurde.
Die Praxis der Luzerner Ärztin wurde 2023 von der Polizei durchsucht. Die Rede ist von einer Vielzahl weiterer Kundinnen und Kunden, die sie mit «falschen Zertifikaten» eingedeckt haben soll. Im Fall von Xhaka soll die Bestätigung erstellt worden sein, dass er sich gegen Corona impfen liess. Die Impfung soll jedoch nie stattgefunden haben.
Bis zu fünf Jahre Gefängnis
Blick fragt beim Strafrechtsexperten André Kuhn nach und will wissen, welche Konsequenzen eine solche Untersuchung für Premier-League-Tschutter Xhaka haben könnte. Denn tatsächlich könnte Xhaka bei einer Verurteilung theoretisch in den Knast wandern. Kuhn sagt: «Urkundenfälschung kann mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden.» Der Straftatbestand der Urkundenfälschung fällt in der Schweiz unter die schwerste der drei Deliktskategorien: Übertretung, Vergehen und – Verbrechen.
Die Staatsanwaltschaft steht zwar erst am Anfang des Verfahrens, um aber hierhin zu kommen, sei schon einiges geschehen, erklärt Kuhn: «Für die Eröffnung eines Strafverfahrens braucht es einen konkreten Anfangsverdacht. Der strafrechtliche Vorwurf muss klar umrissen werden können, und es braucht belastende Indizien.» Das sage aber noch nichts über die Schuldfrage, so Kuhn.
Falls sich der Verdacht gegen den Nati-Captain erhärtet und er für schuldig befunden wird, werde die Strafe unter Einbeziehung verschiedener Faktoren bestimmt, sagt Kuhn: «Wer keine Vorstrafen hat, kann mit einer Geldstrafe rechnen, die auf Bewährung ausgesetzt wird. Dazu wird eine Busse von maximal 10'000 Franken ausgesprochen.»
Ist Sunderland «not amused»?
Abseits des juristischen Parketts könnte es überdies sein, dass Xhaka Konsequenzen auf dem englischen Fussballrasen erwarten, sagt André Kuhn. Strafrechtliche Vorwürfe führten zwar nicht direkt zu Sanktionen durch den Klub oder den Verband. «Wenn aber das Vertrauen in den Spieler nicht mehr vorhanden ist oder das Ansehen des Verbands leidet, kann ein Spieler vom Klub entlassen oder von der Nationalmannschaft nicht mehr aufgeboten werden.» Tatsächlich sehen die Spielerverträge in der Premier League vor, dass Klubs Spieler, die sich «gross misconduct» – also grobes Fehlverhalten – leisten, entlassen können.
Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der Premier-League-Verein Sunderland, bei dem Xhaka seit 2025 unter Vertrag steht, «not amused» ist und es für den Nati-Captain ungemütlich werden könnte.
Bei der Ärztin dürfte die Sache noch einmal deutlich heikler sein, erklärt Kuhn: «Ein Arzt muss neben einer Verurteilung auch mit einer Massnahme der Aufsichtsbehörde rechnen, also einer Verwarnung, einer Busse oder dem Entzug der Berufsausübungsbewilligung.»
Kuhn erklärt, wie es jetzt wahrscheinlich weitergehen könnte: «Die Staatsanwaltschaft sammelt meist zuerst Beweise und befragt Zeugen. Danach werden die Beschuldigten in Einvernahmen mit diesen Beweisen konfrontiert und können dann weitere Beweisanträge stellen.» Gemäss Blick-Informationen muss Granit Xhaka Anfang Oktober bei der Staatsanwaltschaft antraben. Was die Anwälte der beiden dazu sagen, liest du hier.
Für Granit Xhaka und für die Ärztin gilt die Unschuldsvermutung.

