Nati-Captain Granit Xhaka (33) hat sich gefälschte Corona-Zertifikate besorgt. Am Montag um 10.25 Uhr gibt der Sunderland-Star auf Instagram zu: «Es war ein Fehler. Das tut mir leid. Ich übernehme die Verantwortung für diese Entscheidung, stelle mich der Aufarbeitung des Sachverhalts und kooperiere vollumfänglich mit den zuständigen Behörden.» Ein Geständnis.
Die dreiwöchige Länderspielpause mit vier Nations-League-Partien lässt er aus. Blick weiss: Der Vorschlag kam von Xhaka, der SFV hat das Angebot angenommen.
Xhakas Lüge
Dabei klang das am Freitag alles noch ganz anders. Blick berichtete exklusiv, dass die Luzerner Behörden gegen Xhaka ermitteln. Er soll sich bei einer Ärztin im Kanton Luzern gefälschte Zertifikate besorgt haben. Die erste Reaktion aus seinem Camp: «Es liegt ihm eine Bestätigung der behandelnden Ärztin vor, dass er am 25. Januar 2022 zum ersten Mal und am 8. November 2022 zum zweiten Mal gegen Covid geimpft wurde.» Xhaka bestreitet alles. So wie im Frühjahr 2022, als er den Tamedia-Zeitungen sagte: «Ja, ich bin geimpft, damit ihr nichts mehr zum Schreiben habt.» Auch das war offenbar gelogen.
Schon die Daten warfen Fragen auf. Der zweite Termin zum Beispiel fiel zwischen zwei eng getaktete Arsenal-Spiele. In dieser Zeit London–Luzern und zurück? Futter für die Ermittler, auch wenn das kein Beweis ist.
Am Samstag sind aus der SFV-Zentrale in Muri BE erste Bedenken zu hören. «Wir müssen den Zusammenzug schützen», sagt ein hochrangiger Funktionär mit Blick auf das Nati-Camp ab Montag in der Türkei. Eine Bestätigung ist das noch nicht, aber es ist klar: Einfach zur Tagesordnung übergehen wird man bei der Nati nicht können.
Am Sonntag spielt Xhaka mit Sunderland bei ManCity (3:5). In der Mixed Zone fängt ihn ein «NZZ»-Journalist ab. «Dazu gibt es keinen Kommentar. Ich habe heute Fussball gespielt. Und das zählt für mich momentan.» Ob ihn die Sache beeinträchtige? «Überhaupt nicht, ich hatte schon schlimmere Sachen.» Ob er da eigentlich am liebsten schon etwas anderes gesagt hätte?
Nur ein enger Kreis wusste Bescheid
Im Verlauf des Sonntags eröffnet Xhaka jedenfalls seinem Beraterteam den Entschluss, reinen Tisch zu machen. Alarmstufe Rot. Auch beim SFV. Nur ein kleiner Kreis, bestehend aus Präsident Peter Knäbel, Generalsekretär Robert Breiter und Chief Sports Officer Marinko Jurendic, weiss Bescheid von der neuen Entwicklung. Nichts soll durchsickern. Die SFV-Taskforce ist im ständigen Austausch mit Xhaka. Auch in Bezug auf die Frage, was das für die nähere und mittelfristige Zukunft bedeutet. Aus Xhakas Umfeld sickert durch: Er sieht ein, dass er der Nati im Moment mehr schadet als nützt. Deshalb sein Angebot, die Länderspielpause auszulassen, damit die Kollegen in Ruhe arbeiten können. Bei den Verbandsbossen rennt er damit offene Türen ein.
Die Captain-Frage
Klar ist aber auch: Xhaka will Nati-Captain bleiben, wie ein Vertrauter zu Blick sagt. Es gehe ihm nun darum, diese persönliche Angelegenheit in Ordnung zu bringen – als Führungsspieler könne er das nicht anders lösen, als dieses Thema eben keine Auswirkungen auf die Nationalmannschaft haben zu lassen.
Eine abschliessende Antwort darauf, warum sich Xhaka überhaupt dazu hat hinreissen lassen, eine gefälschte Impfbescheinigung aufzutreiben, fehlt weiterhin. «Im Zusammenhang mit der Covid-19-Impfung war ich damals persönlich stark verunsichert und hatte grosse Bedenken», schreibt er in seinem Statement vom Montag zwar. «Ich empfand tiefes Misstrauen gegenüber dem Impfstoff und war von Ängsten und Verunsicherung geprägt. In dieser aufgewühlten Gefühlslage habe ich eine Impfbestätigung erworben, anstatt meine offenen Fragen auf dem vorgesehenen Weg zu klären.»
Holte er das Zertifikat für die WM in Katar?
Nur: In der englischen Liga, in der Xhaka damals für Arsenal spielte, brauchte er keinen Impfnachweis. In den meisten Ländern wurden 2022 die Massnahmen und Vorschriften gelockert. Die Antwort liegt vermutlich bei der WM in Katar: Erst kurz vor WM-Beginn wurde endgültig klar, dass für die Teilnehmer keine Impfpflicht besteht. Wäre dieser Entscheid anders ausgefallen, hätte Xhaka wohl mit dem gefälschten Zertifikat einreisen wollen, obwohl er ungeimpft geblieben war.
Wie es bei der Nati nun weitergeht? Hört man den SFV-Chefs zu, scheint die Türe offen zu stehen. «Mit seinem Verhalten hat er gezeigt, wie ein Captain auf so etwas reagieren sollte», sagt Verbandspräsident Peter Knäbel. «Alles andere werden wir noch besprechen.»
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