Speed-Ass Flury musste Reissleine ziehen
«Ich konnte nicht mehr – egal, was»

Reset statt Durchbeissen: Jasmine Flury hat nach Verletzungen und Schmerzen pausiert – und fühlt sich wieder fit. Die Davoser Abfahrtsweltmeisterin bereitet sich in Nordamerika auf ihren Saisonstart am 11. Dezember vor.
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Darum gehts

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Mathias GermannReporter Sport

Jasmine Flury (32) ist hart im Nehmen. Doch im letzten Frühling ist ihr Fass voll. Mehr noch: Es läuft über. «Ich habe gemerkt, ich brauche jetzt einfach mal eine Pause. Nicht nur vom Skifahren, sondern von allem. Ich konnte nicht mehr – egal, was.» Die Abfahrtsweltmeisterin von 2023 drückt den Reset-Knopf. Sie fliegt nach Madeira (Por), geht wandern. «Eine richtig schöne Insel», sagt sie. Kurz darauf fährt sie in Südspanien mit dem Rennvelo dem Felsen von Gibraltar entgegen. «Diese Auszeit habe ich mir gegeben. Sie war bitter nötig.»

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Jasmine Flury kann wieder lachen: Die Bündnerin zog im Frühling die Reissleine. Nun geht es ihr viel besser als vor einem Jahr.
Foto: URS BUCHER

Was hat Flury so ausgelaugt? Die Antwort liegt im Februar 2024. In Crans-Montana verletzt sie sich, ohne zu stürzen. Ein Stück Knorpel im rechten Knie bricht ab. Eine seltene Verletzung. «Als mir der Arzt sagte, ein Kreuzbandriss wäre einfacher gewesen, war mir sofort klar, wie schwerwiegend meine Situation war.» Flury wird operiert. Heilung und Reha verlaufen zäh. Sie kann kaum Sport treiben. Die Jahreszeiten vergehen, die Schmerzen bleiben.

Olympia verkam zum Desaster

22 Monate nach der Verletzung gibt sie im Dezember 2025 ihr Comeback. In St. Moritz fährt sie überraschend stark: In der zweiten Abfahrt wird die Davoserin elfte. Ein kleiner Lichtblick. Doch der Winter wird mehr und mehr zum Knorz. Es folgt Olympia. Die Tofana-Piste in Cortina zieht ihr den Zahn. Besser gesagt: den Nagel.

17 Sprünge pro Fahrt fordern ihren Tribut. Zuerst verliert sie einen Zehennagel, kurz darauf sticht es im linken Knie. Die Diagnose: Teilriss des Innenbandes und Knochenprellung. Eine Operation ist nicht nötig. Sie fährt weiter. «Ich dachte, ich müsse meine Saison noch retten. Aber weder Leistung noch Resultate passten.»

Traumhaftes Erlebnis auf 2808 Meter

Im Frühling zieht Flury darum die Reissleine. Die Pause zeigt Wirkung. «Mir geht es jetzt viel besser. Ich war sogar auf dem Büelenhorn, gleich bei mir um die Ecke. Wir haben dort den Sonnenaufgang geschaut – traumhaft.» Besonders freut sie der Abstieg vom 2808 Meter hohen Gipfel. «Hinauf ging es immer gut, nun aber auch runter. Eine grosse Erleichterung.»

Ende November fliegt Flury ins Trainingslager nach Nordamerika. Am 11. Dezember beginnt ihre Saison mit der Abfahrt in Beaver Creek (USA). Nach Jahren voller Schmerzen und Rückschläge kann sie wieder nach vorne schauen.

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