Darum gehts
Blick: Lenz Hächler, Sie haben die Gesamtwertung im Europacup gewonnen. Haben Sie es nach dem Finale in der berühmt-berüchtigten Tenne-Bar Schladming krachen lassen?
Lenz Hächler: Ich war mit den Riesen-Jungs dort und habe angestossen. Unter der Woche war wenig los, es blieb ruhig. Es war einfach ein schöner Abend.
Sie haben nächsten Winter einen Weltcup-Fixplatz in allen Disziplinen.
Das freut mich riesig. Es ist grossartig. Ich wollte schon diesen Winter im Weltcup Fuss fassen – das klappte leider nicht nach Wunsch. Nächste Saison greife ich wieder an, ausser im Slalom, den werde ich wie bereits in dieser Saison wegen meinen Schienbeinproblemen weglassen. Ich fokussiere mich auf den Riesenslalom und die Speed-Disziplinen.
Seit Jahren nennt man Sie den neuen Marco Odermatt. Stört sie das?
Marco ist Marco, ich bin Lenz. Wer sich im Skisport auskennt, weiss, dass der Vergleich hinkt. Die Erwartungen sind dadurch natürlich gestiegen, man lobte mich in den Himmel. Wenn es läuft, ist das kein Problem. Wenn nicht, dann fängt es im Kopf an zu arbeiten. Ich will mich nicht mit Marco vergleichen. Aber ich schäme mich auch nicht dafür. Marco ist nicht nur ein super Skifahrer, sondern auch ein offener, cooler Teamkollege.
Weniger cool war Ihr Tag nach dem Fondue-Abend in Beaver Creek im letzten Herbst.
Ich war im Blick-Appartement, auch Justin Murisier und Marco waren dabei. Es war lustig. Am nächsten Tag ging es mir schlecht, ich musste mich übergeben. Woran es lag, weiss ich nicht. Ich mag Fondue. Vielleicht war es die Anspannung und der Magen war etwas nervös.
In diesem Winter holten sie im Weltcup einmal Punkte – Platz 19 beim Riesenslalom in Beaver Creek (USA). Hatten sie mehr erwartet?
Ich hätte mir mehr erhofft, klar. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass ich mit meinen Verletzungen keine optimale Vorbereitung hatte. Dadurch brauchte ich länger, bis ich in Schwung kam.
Im Juni stürzten Sie mit dem Mountainbike, erlitten Rippenbrüche und eine Hirnblutung.
Das heilte schnell, auch der Kopf machte nie Probleme. Aber im August riss ein Band im Fuss an, das war ein Riesenseich. Ich verpasste das sehr wichtige Trainingslager in Südamerika. Später blockierte der Rücken. Ich startete mit so gut wie keinen Skitagen in Sölden – da überrascht es nicht, dass ich ausschied.
Sie wechselten vor dem Winter zu Stöckli. Wie war das?
Auf den Ski fühlte ich mich von Anfang an super wohl. Was das Schuh-Set-up betrifft, war ich zwischendurch etwas ratlos. Ein Schuhwechsel brachte dann die Wende. Nun bin ich mit meinem Set-up wirklich happy und so lief auch im Europacup wieder.
Was hätten Sie nächste Saison lieber, wenn Sie wünschen könnten: Einen Abfahrtssieg in Wengen oder einen Riesenslalom-Triumph in Alta Badia?
Alta Badia, denn der Riesenslalom ist meine Basis. Aber ich freue mich auch enorm auf die Speed-Strecken im Weltcup. Ich denke, sie könnten mir im Vergleich sogar besser liegen, weil sie im Durchschnitt technisch schwieriger sind als jene im Europacup. Welche Rennen ich fahre, ist offen. Die Planung wird entscheidend sein. Ich habe gelernt: Weniger ist mehr. Ich muss noch lernen, meine Kräfte besser einzuteilen.
Früher fuhren Sie Skateboard, Sie haben einen lockeren Stil, hatten schon gefärbte Haare – sind Sie ein Freigeist?
Das liegt wohl im Auge des Betrachters (lacht). Ich mag weite Kleider, bin aber nicht speziell an Mode interessiert. Die Frisuren stammen aus der Zeit in Engelberg. Ich versuchte es auch schon mit Pink oder einem Leopardenmuster – was als Nächstes kommt, weiss ich nicht.
Was ist ihr grösster Traum?
An die Weltspitze kommen, um Siege fahren. Der Gesamtweltcup wäre das Grösste, dann bist du wirklich der Beste der Welt. Am Wichtigsten ist mir allerdings, zufrieden zu sein. Das bin ich. Und das Team ist für mich zentral – ein Privatteam käme für mich nie in Frage.
Sieht man ihrem Zimmer daheim an, dass sie Skirennfahrer sind?
Nein. Ich schätze die Auszeichnungen, die Pokale und Medaillen. Aber wichtiger sind mir die Erinnerungen an die Rennen und an jene Dinge, die ich dort erlebt habe.
Wo verbringen sie am liebsten ihre Ferien?
In den Bergen erhole ich mich gut und mag die ruhige Natur. Aber ich gehe auch gerne ans Meer: morgens surfen, nachmittags am Strand liegen und schlafen ist auch cool. Ich würde gerne zwei Wochen komplett abschalten, das hat in den letzten Jahren etwas gefehlt. Und dann hoffe ich auf eine verletzungsfreie Vorbereitung, um dann top vorbereitet in die nächste Saison zu starten.