«Ich war schon etwas überrascht»
Schweizer Rad-Ass winkt Millionenvertrag

Das Schweizer Rad-Ass Mauro Schmid jagt an der Tour de France nicht nur Etappensiege, er könnte auch einen Millionenvertrag beim Team Pinarello Q36.5 abschliessen – ein Lohn für harte Arbeit.
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Mathias GermannReporter Sport

Wo ist Mauro Schmid (26)? Zwei Jahre lang war die Antwort einfach. Das weisse Kreuz auf dem roten Trikot machte den Schweizer Meister im Peloton unverwechselbar.

Seit zwei Wochen ist das vorbei. «Schade, dass ich das Trikot nicht mehr habe. Aber es hat auch Vorteile, weil ich eher unentdeckt bleibe», sagt Schmid. An der Tour de France fährt er nun im lila Dress von Jayco AlUla – und jagt den Etappensieg.

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Mauro Schmid hat lange für seinen Traum geschuftet. Nun ist er der begehrteste Schweizer Radprofi.
Foto: Benjamin Soland

Ganz übersehen wird der Zürcher trotzdem nicht. Im Gegenteil. Sieben Siege in den vergangenen zwei Jahren machen ihn zum erfolgreichsten Schweizer Radprofi. «Ich hatte einen Traumstart ins Jahr und habe einen Schritt vorwärts gemacht. Das gab mir viel Selbstvertrauen.» In der UCI-Weltrangliste schoss Schmid von Rang 61 auf Platz 16. «Diesen Schwung will ich mitnehmen.»

Steht ein Wechsel bevor?

An der Tour lässt der Exploit noch auf sich warten. Auf der dritten Etappe griff Schmid an, fuhr 68 Kilometer in der Flucht – und wurde doch eingeholt. Seine Zukunft sieht dagegen rosig aus. Schmids Vertrag bei Jayco AlUla läuft Ende Jahr aus. Im australischen Team fühlt er sich wohl, geniesst viele Freiheiten. Doch finanzstark ist die Equipe nicht.

Genau das könnte sich auszahlen. Radinsider Daniel Benson berichtet, das Schweizer Team Pinarello Q36.5 habe Schmid einen Dreijahresvertrag über insgesamt sechs Millionen Euro angeboten. Macht zwei Millionen pro Saison. «Dazu kann ich mich nicht äussern», sagt Schmid.

2000 Punkte? 2 Millionen Euro!

Offiziell bestätigen darf ohnehin niemand etwas. Transfers sind erst ab 1. August erlaubt. Und was dachte Schmid, als er von dem Millionenangebot las? «Ich war schon etwas überrascht.»

In der Szene sorgt die Summe allerdings kaum für Staunen. Die Löhne im Profiradsport sind in den vergangenen Jahren explodiert. «2000 UCI-Punkte sind heute etwa zwei Millionen Euro wert», sagt ein Insider zu Blick. Schmid bringt derzeit 2529 Punkte mit. Seine Resultate rechtfertigen den Preis.

Wie viel Geld inzwischen im Radsport fliesst, zeigt ein weiteres Beispiel: Pinarello Q36.5 soll das französische Supertalent Paul Seixas (19) mit 13 Millionen Euro Jahreslohn locken. Möglich macht das Teambesitzer Ivan Glasenberg, der frühere Glencore-Chef und Multimilliardär.

Schmid schuftete als Automechaniker

Für Schmid wäre der Millionenvertrag kein Zufallstreffer. Sondern der Lohn für jahrelange Knochenarbeit.

Während andere Talente früh alles auf die Karte Radsport setzten, absolvierte Schmid eine Lehre als Kfz-Mechaniker im Garagenbetrieb seiner Eltern in Bachenbülach ZH. «Ich arbeitete jeden Tag acht Stunden, danach trainierte ich. Am Freitagabend fuhren wir oft nach Belgien zu den Rennen am Sonntag. Und am Montagmorgen stand ich um sieben Uhr wieder in der Werkstatt.»

Ferien? Gab es praktisch keine. Jeden freien Tag investierte Schmid in seine Karriere. «Ich habe das gern gemacht. Ich musste unten durch, aber ich wollte es so. Und wer weiss, ob es gut gewesen wäre, wenn ich mehr Freizeit gehabt hätte.»

Heute zahlt sich dieser Weg aus. Mit Siegen. Mit Renommee. Und womöglich bald auch mit einem Millionenvertrag.

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