«Wenig Teams haben diese Qualität»
Bosnien-Trainer Barbarez schwärmt von der Schweiz

Bosnien und Herzegowina holt im ersten WM-Spiel gegen Kanada einen wertvollen ersten Punkt. Baumeister dieses Erfolgs ist der ehemalige Bundesliga-Star Sergej Barbarez. Wie tickt der heutige Hamburger? Wie hat er das Italien-Wunder geschafft? Wie sieht er die Schweiz?
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Darum gehts

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Alain KunzReporter Fussball

Sergej Barbarez, ein 1:1 zum WM-Auftakt gegen Kanada. Ein guter Punkt?
Sergej Barbarez: Ich könnte nicht glücklicher und zufriedener sein. Wie wir ein Spiel auf diesem Level angegangen sind, war exzellent. Der Spirit, der Wille, alles zu geben, waren da. Auch wenn die Balance nicht immer gestimmt hat, auch wenn wir ein bisschen zu passiv waren, haben wir nun die Tür zum Weiterkommen aufgestossen. Allerdings musste ich die Jungs schon ein bisschen aufmuntern, denn sie hatten sich mehr erhofft. Aber nochmals: Ich habe sehr viele junge Spieler ohne viel Erfahrung, es war das erste WM-Spiel seit zwölf Jahren und wir spielen gegen einen Gastgeber, hatten den grössten Teil des Stadions gegen uns. Da war riesiger Druck vorhanden. Spiele, die man nicht gewinnen kann, sollte man nicht verlieren. Das ist uns gelungen und das ist ein grosser Erfolg.

Blicken wir ein bisschen zurück, an diese magische Nacht Ende März in Zenica und Sarajevo, als sich Bosnien das WM-Ticket holte. Was war die WM-Qualifikation? Ein Wunder? Eine Sensation? Das logische Resultat harter Arbeit? Glück, das Italien derzeit ein schwaches Team hat?
Sergej Barbarez: Ich denke, dass dies in erster Linie das Ergebnis von enormer Arbeit, Glauben und Zusammenhalt ist, die wir in den vergangenen zwei Jahren aufgebaut haben. Natürlich braucht man im Fussball immer auch ein wenig Glück, aber man qualifiziert sich nicht zufällig für eine Weltmeisterschaft. Italien in einem Spiel von solcher Bedeutung zu besiegen, ist kein Zufall. Wir haben Charakter, Disziplin und die Mentalität gezeigt, die notwendig waren, um diesen Schritt zu machen. Ich stimme Ihnen auch nicht zu, dass Italien derzeit eine schwache Mannschaft hat, das ist eine grosse Nationalmannschaft. Wir haben ein hervorragendes Spiel gemacht und bestätigt, dass auch wir über grosse Qualität und Talent verfügen.

Was haben Sie ihren Spielern vor dem Elfmeterschiessen gegen Italien gesagt?
Es waren nicht viele Worte nötig. Elfmeterschiessen bedeuten immer Druck, aber genau wegen solcher Momente spielt man diese Spiele. Ich habe Ruhe und Vertrauen in den Augen meiner Spieler gesehen und wusste, dass wir bereit waren.

An der WM 2014 hat Bosnien drei Punkte gemacht. Warum werden es 2026 mehr werden?
Ich glaube, dass es mehr Punkte werden. Es wird nicht einfach, denn niemand qualifiziert sich zufällig für eine Weltmeisterschaft. Jede Mannschaft hat ihre eigenen Ambitionen. Unsere ist es, Bosnien und Herzegowina bestmöglich zu vertreten und in jedem Spiel konkurrenzfähig zu sein. Ich glaube an dieses Team und daran, dass wir auch über das Überstehen der Gruppenphase nachdenken können. Wenn man sich einmal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert hat, fährt man nicht dorthin, nur um dabei zu sein.

Wie haben sie die WM 2014 erlebt?
Für ganz Bosnien und Herzegowina war das ein historischer Moment. Wir alle waren damals stolz, weil unsere Nationalmannschaft zum ersten Mal bei einer Weltmeisterschaft gespielt hat. Die Emotionen waren riesig, und ich glaube, dass damals das ganze Land wie eine Einheit gelebt hat.

Die Schweiz wird meistens immer noch als «kleines» Fussballland wahrgenommen. Obwohl wir uns für die letzten fünf Endrunden qualifiziert haben und dabei viermal die Achtelfinals erreicht haben. Wie erklären sie sich diese allgemeine Wahrnehmung?
Wenn man sich die Resultate und die Kontinuität anschaut, ist die Schweiz schon lange kein kleines Fussballland mehr. Das Team hat ein ernsthaftes System, qualitativ starke Spieler und eine Stabilität, die viele Nationalmannschaften nicht besitzen.

Teilen Sie diese allgemeine Wahrnehmung?
Nein. Die Schweiz ist heute eine ernstzunehmende europäische Nationalmannschaft, die von allen respektiert wird. Kontinuität bei grossen Turnieren ist niemals Zufall.

Haben Sie einen speziellen Bezug zur Schweiz? Ferien etc.?
Die Schweiz ist ein gut organisiertes Land, das ich respektiere, und viele Menschen aus Bosnien und Herzegowina haben dort ein neues Leben und Sicherheit gefunden. Es ist kein Land, in dem ich privat oft Zeit verbringe, aber meine Wahrnehmung über Ihr Land ist sehr positiv.

Welchen Bezug haben Sie zu Murat Yakin?
Wir kennen uns noch aus unserer Zeit als Spieler. Er war ein intelligenter und sehr guter Spieler, und schon damals konnte man sehen, dass er die Eigenschaften besitzt, um auch ein erfolgreicher Trainer zu werden.

Ihre sportliche Einschätzung des aktuellen Schweizer Teams?
Eine sehr starke Nationalmannschaft, die kompakt und diszipliniert wirkt und über Spieler verfügt, die auf hohem Niveau bei grossen europäischen Klubs spielen. Die Schweiz wird mit Sicherheit einer der stärkeren Gegner an diesem Turnier sein.

Sergej Barbarez persönlich

Sergej Barbarez wird am 17. September 1971 in Mostar im damaligen Jugoslawien geboren, das heute die grösste Stadt der Herzegowina und kroatisch geprägt ist. Als er 1992 seinen Onkel in Hannover besucht, bricht in seiner Heimat der Krieg aus. Er bleibt in Deutschland und wird in Hamburg zur Legende. Zum HSV kommt er über die Stationen Hannover 96, Union Berlin, Hansa Rostock und Borussia Dortmund. Er beendet seine Karriere bei Leverkusen nach 95 Toren in 330 Bundesligaspielen. 2000/01 wird er Torschützenkönig und zweimal bosnischer Fussballer des Jahres. Für die Nationalmannschaft läuft er 49 Mal auf, macht 17 Tore. Nach seinem Rücktritt 2008 macht er mehr als Pokerspieler als im Fussball Schlagzeilen, auch an den World Series of Poker. Bis er 2024 Bosnien-Coach wird und das Team mit den Playoff-Siegen im Penaltyschiessen gegen Wales und Italien an die WM bringt.

Getty Images

Sergej Barbarez wird am 17. September 1971 in Mostar im damaligen Jugoslawien geboren, das heute die grösste Stadt der Herzegowina und kroatisch geprägt ist. Als er 1992 seinen Onkel in Hannover besucht, bricht in seiner Heimat der Krieg aus. Er bleibt in Deutschland und wird in Hamburg zur Legende. Zum HSV kommt er über die Stationen Hannover 96, Union Berlin, Hansa Rostock und Borussia Dortmund. Er beendet seine Karriere bei Leverkusen nach 95 Toren in 330 Bundesligaspielen. 2000/01 wird er Torschützenkönig und zweimal bosnischer Fussballer des Jahres. Für die Nationalmannschaft läuft er 49 Mal auf, macht 17 Tore. Nach seinem Rücktritt 2008 macht er mehr als Pokerspieler als im Fussball Schlagzeilen, auch an den World Series of Poker. Bis er 2024 Bosnien-Coach wird und das Team mit den Playoff-Siegen im Penaltyschiessen gegen Wales und Italien an die WM bringt.

Bosnien versucht immer wieder, junge Spieler zu überzeugen, unter ihrer Flagge zu spielen. Wie gross ist ihre Rolle dabei als derjenige, der die Gespräche mit solchen Spielern führt oder gar den Erstkontakt herstellt?
Für uns ist wichtig, dass die Spieler selbst spüren, dass sie hierhergehören und eine emotionale Verbindung zu diesem Land haben, unabhängig davon, ob sie in Bosnien und Herzegowina geboren wurden oder bosnische Wurzeln haben. Wir haben niemanden unter Druck gesetzt. Wer die notwendige Qualität und den Wunsch hatte, für die Nationalmannschaft zu spielen, ist heute bei uns. Unser Direktor Emir Spahic hat vor Kurzem gesagt, dass wir nur unsere Kinder nach Hause zurückholen – und genau so ist es. Wenn man sieht, mit wie viel Leidenschaft sie heute für das Trikot von Bosnien und Herzegowina spielen, dann weiss man, dass man die richtige Entscheidung getroffen hat.

Der Fall Eman Kospo hat in der Schweiz riesige Wellen aufgeworfen. Ein 15-facher Kapitän von Junioren-Nationalmannschaften wechselt nach einem Gespräch mit dem Nationalcoach die Nation. Das gab zu reden! Warum haben Sie das zur Chefsache erklärt?
Weil ich glaube, dass talentierte Spieler mit einer Verbindung zu Bosnien und Herzegowina spüren müssen, dass die Nationalmannschaft sie wirklich will. Ich habe das nicht als einen «Fall» gesehen, sondern als ein Gespräch mit einem jungen Spieler, dem man das Projekt und die Idee der Nationalmannschaft ehrlich präsentieren muss. Er hatte den Wunsch, für Bosnien und Herzegowina zu spielen, und darüber sind wir sehr glücklich. Wir glauben, dass er das Potenzial hat, in Zukunft ein wichtiger Teil unserer Nationalmannschaft zu werden.

Kospos 14-Minuten-Einsatz in der WM-Qualifikation erfolgte dann nur, damit er die Seiten nicht mehr wechseln kann – oder?
Ich betrachte Fussball nicht auf diese Weise. Wenn ich nicht an ihn als Spieler und als Teil der Zukunft unserer Nationalmannschaft geglaubt hätte, hätte ich ihn gar nicht erst nominiert. Er hat damals seine Einsatzminuten bekommen, weil wir der Meinung waren, dass er sie verdient hat.

Warum kam die WM für ihn zu früh?
Er ist immer noch ein sehr junger Spieler und hat noch viel Zeit vor sich. Manchmal ist es für die Entwicklung eines Spielers besser, Schritt für Schritt zu gehen, ohne zu grossen Druck. Ich glaube, dass seine Zukunft sehr vielversprechend ist.

Können sie ihre «Schweizer» kurz charakterisieren? Also Armin Gigovic von YB, den ehemaligen St. Galler Ermedin Demirovic, den Grenchner Haris Tabakovic und den Ex-FCZler Nikola Katic?
Ich möchte nicht einzeln über sie sprechen. Sie alle sind ein wichtiger Teil unserer Mannschaft, und sie kennen sie auch selbst sehr gut, da sie in Ihrer Liga gespielt haben. Jeder von ihnen hat in den vergangenen Qualifikationen eine wichtige Rolle gespielt, und wir sind mit ihren Leistungen sehr zufrieden.

Darf ihr Kapitän Edin Dzeko selber entscheiden, ob er spielt in Anbetracht der überragenden Rolle, die er hat? Hat er selbst entschieden, gegen Kanada nicht aufzulaufen?
Edin hat nur die Hälfte der Trainings mitmachen können. Wir wollten ihn gegen Kanada bringen. Aber als Sead Kolasinac rauswollte, mussten wir das sein lassen. Edin verfügt über enorme Erfahrung, und jede Mannschaft würde sich einen solchen Spieler wünschen. Was die Einsatzzeiten betrifft, werden die Entscheidungen vom Trainerstab im Interesse der Nationalmannschaft getroffen. Das Wichtigste ist, dass Edin ein echter Leader und ein Vorbild für die jüngeren Spieler ist. Er wird nun weitere Trainings absolvieren und ich hoffe, dass er gegen die Schweiz spielen kann.

Gibt es im Team eines Vielvölkerstaates noch ethnische Spannungen oder überhaupt nicht mehr?
In der Nationalmannschaft gibt es so etwas nicht. Wenn die Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina spielt, haben wir alle dasselbe Ziel und tragen dasselbe Wappen. Fussball verbindet uns viel mehr, als uns irgendetwas trennen könnte.

Sie gingen Anfang 1991 von Mostar nach Hannover und sagten einst: «Ich wurde eher geflohen». Weil der Krieg damals noch nicht richtig ausgebrochen war – oder weswegen?
«Geflüchtet» ist in so einer Situation ein passenderer Ausdruck als einfach «weggegangen». Es war damals nicht mein Wunsch, Mostar zu verlassen, aber die Umstände waren so, und mein Lebensweg hat sich dann in Deutschland fortgesetzt.

Fussballtrainer und Pokerspieler: Gibt es da Gemeinsamkeiten?
Fussball ist mein Beruf und etwas, dem ich mein ganzes Leben gewidmet habe, während Poker für mich nichts ist, das ich auf dieselbe Weise betrachte. Deshalb sehe ich auch nicht, wie man diese beiden Dinge überhaupt vergleichen könnte.

(Das Interview mit Sergej Barbarez wurde vor der WM schriftlich geführt. Es wurde mit Zitaten zum ersten Spiel der Bosnier gegen Kanada ergänzt). 

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WM 2026 Gruppe A
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Mexiko
Mexiko
1
2
3
2
Südkorea
Südkorea
1
1
3
3
Tschechien
Tschechien
1
-1
0
4
Südafrika
Südafrika
1
-2
0
K.o.-Phase
Gruppe B
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweiz
Schweiz
1
0
1
2
Kanada
Kanada
1
0
1
3
Katar
Katar
1
0
1
4
Bosnien und Herzegowina
Bosnien und Herzegowina
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe C
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schottland
Schottland
1
1
3
2
Marokko
Marokko
1
0
1
3
Brasilien
Brasilien
1
0
1
4
Haiti
Haiti
1
-1
0
K.o.-Phase
Gruppe D
Mannschaft
SP
TD
PT
1
USA
USA
1
3
3
2
Australien
Australien
1
2
3
3
Türkei
Türkei
1
-2
0
4
Paraguay
Paraguay
1
-3
0
K.o.-Phase
Gruppe E
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Deutschland
Deutschland
1
6
3
2
Elfenbeinküste
Elfenbeinküste
1
1
3
3
Ecuador
Ecuador
1
-1
0
4
Curacao
Curacao
1
-6
0
K.o.-Phase
Gruppe F
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Schweden
Schweden
1
4
3
2
Japan
Japan
1
0
1
3
Niederlande
Niederlande
1
0
1
4
Tunesien
Tunesien
1
-4
0
K.o.-Phase
Gruppe G
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Neuseeland
Neuseeland
1
0
1
2
Iran
Iran
1
0
1
3
Belgien
Belgien
1
0
1
4
Ägypten
Ägypten
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe H
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Uruguay
Uruguay
1
0
1
2
Saudi Arabien
Saudi Arabien
1
0
1
3
Spanien
Spanien
1
0
1
4
Kap Verde
Kap Verde
1
0
1
K.o.-Phase
Gruppe I
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Frankreich
Frankreich
0
0
0
2
Senegal
Senegal
0
0
0
3
Irak
Irak
0
0
0
4
Norwegen
Norwegen
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe J
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Argentinien
Argentinien
0
0
0
2
Algerien
Algerien
0
0
0
3
Österreich
Österreich
0
0
0
4
Jordanien
Jordanien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe K
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Portugal
Portugal
0
0
0
2
Demokratische Republik Kongo
Demokratische Republik Kongo
0
0
0
3
Usbekistan
Usbekistan
0
0
0
4
Kolumbien
Kolumbien
0
0
0
K.o.-Phase
Gruppe L
Mannschaft
SP
TD
PT
1
England
England
0
0
0
2
Kroatien
Kroatien
0
0
0
3
Ghana
Ghana
0
0
0
4
Panama
Panama
0
0
0
K.o.-Phase
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