Darum gehts
- Bosnien-Herzegowina qualifiziert sich erstmals seit 2014 für die WM-Endrunde
- Tausende Fans feiern nachts in Sarajevo
- Über 10'000 Menschen bei Feiern bis in die Morgenstunden
Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation, der erst zweiten in der Geschichte des Landes nach 2014, steht das öffentliche Leben in Bosnien-Herzegowina erst einmal still – bis hin zu den Behörden der Hauptstadt Sarajevo: Die Verwaltung der Verbandsgemeinde Centar öffnet am Mittwoch erst mittags, wie ihr Präsident Srdan Mandic am späten Dienstagabend verkündete.
Der Grund dafür: Der bereits im Voraus geplante Empfang der bosnischen Nationalmannschaft bei der «Ewigen Flamme», einem bedeutenden Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs im Herzen Sarajevos. «Wir werden uns bei der Ewigen Flamme sehen, und ich nutze diese Gelegenheit, um Sie darüber zu informieren, dass die Gemeinde Centar morgen erst um 12 Uhr mittags öffnet. Jetzt lasst uns feiern, denn Bosnien-Herzegowina fährt zur Weltmeisterschaft!», schreibt Mandic auf Facebook.
Tausende Fans feiern mitten in der Nacht
Bis die Mannschaft aus dem rund eine Autostunde entfernten Zenica, wo die entscheidende Playoff-Partie gegen Italien ausgetragen worden ist, in Sarajevo auftauchte, war es tatsächlich mitten in der Nacht: Etwa um 2.50 Uhr in der Früh zeigte sie sich auf einem nahe gelegenen Balkon. Trotz später Stunde hatten gemäss dem TV-Sender N1 Zehntausende von Fans bis dahin ausgehalten, um ihre Mannschaft zu feiern.
Etwa eine halbe Stunde blieb das Team dort – und ging dann mit einem emotionalen Höhepunkt: Zum Abschluss wurde die inoffizielle Hymne des bosnischen Nationalteams «Auf dem Feld verbreitet sich der Lilienduft» von Halid Beslic angestimmt. Der bosnische Sänger ist erst im vergangenen Herbst verstorben, was auch in den anderen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens teils grosse Trauer hervorrief.
Ausnahmezustand herrschte auch in anderen Städten des Landes: Tuzla war kurz nach Mitternacht etwa in eine Mischung aus blau-gelbem Fahnenmeer und rotem Fackellicht gehüllt. Ein intensives Hupkonzert war auch in den Strassen von Mostar und Travnik zu hören. Und die Spieler selbst crashten in ihren Jubelstürmen in Zenica kurzerhand die Pressekonferenz ihres Trainers Sergej Barbarez.
Feuerwerk schon vor dem Spiel
Begonnen hatten die bosnischen Feierlichkeiten aber nicht erst mit der erfolgten Qualifikation. Bereits vor dem Anpfiff des Playoff-Spiels wurde beim Einlauf der Spieler ins Stadion von Zenica auf den umliegenden Häusern intensiv Feuerwerk gezündet. Bosnien, das an der Endrunde in Nordamerika am 18. Juni auch auf die Schweiz trifft, war also heiss auf das Spiel – und dürfte noch einige Zeit im fussballerischen Hochgefühl verbleiben.


