Darum gehts
- Fifa meldet keine Wettmanipulationen bei WM 2026, Expertengruppe widersprechen mit Hinweisen
- Verdächtig: 3,5 Millionen Franken bei «Polymarket» auf Kapverden-Punktgewinn gegen Spanien gesetzt
- Balogun-Sperre am 5. Juli aufgehoben, man konnte schon ab 2. Juli darauf wetten
Ist bei der WM alles mit rechten Dingen zugegangen? Gab es auffällige Wettaktivitäten oder gar mögliche Betrugsversuche?
Die Fifa gibt schon kurz nach dem Finalspiel vom vergangenen Sonntag eine klare Antwort: «Es wurden keine verdächtigen Wettaktivitäten während der WM 2026 festgestellt», so das Verdikt der Arbeitsgruppe für Integrität beim Fussballweltverband am Dienstag.
So weit, so gut. Allerdings sehen das nicht alle so. Am Donnerstag berichtete die «Group of Copenhagen», ein Beratungsgremium des Europarats zur Bekämpfung von Spiel- und Wettbetrug im Sport, von sieben Warnhinweisen bezüglich möglicher Manipulation im Turnierverlauf. Dabei ist die Gruppe selbst Teil der «Fifa Integrity Task Force». Brisant: Einer dieser Hinweise bezieht sich auf die Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun (25), die sich zu einem der grossen Skandale dieser Endrunde entwickelt hatte.
Wieso konnte man auf Balogun-Einsatz wetten?
Auch wenn der vollständige Bericht der «Group of Copenhagen» noch nicht vorliegt, gelangten über Quellen, «die mit dem Bericht vertraut sind», über «The Athletic» bereits vier der angesprochenen Auffälligkeiten an die Öffentlichkeit. Das renommierte Sportportal der «New York Times» erwähnt unter anderem die Rote Karte für Südafrikas Themba Zwane im Eröffnungsspiel, die dreieinhalbminütige Verzögerung durch den VAR bei der Annullierung eines Tores des Spaniers Ferran Torres (26) gegen Saudi-Arabien und ein auffällig hohes Wettvolumen von 4,8 Millionen Dollar (3,5 Millionen Franken) auf einen Punktgewinn der Kapverden gegen Spanien (0:0) auf dem Prognosemarkt Polymarket, der auf Kryptowährungen basiert.
Am dubiosesten scheint jedoch die Passage, die sich um die annullierte Rote Karte gegen den US-Amerikaner Folarin Balogun (25) dreht, die während der WM hohe Wellen schlug. So soll es auf Polymarket bereits am 2. Juli möglich gewesen sein, darauf zu wetten, ob Balogun nach seinem Platzverweis im Sechzehntelfinal im Achtelfinal gegen Belgien spielen werde. Erst am 5. Juli bestätigte die Fifa, dass die Sperre gegen den Stürmer aufgehoben wurde. Bei keiner der anderen 14 Roten Karten im Turnierverlauf soll dies der Fall gewesen sein.
«In solchen Fällen ist das Betrugsrisiko extrem hoch, weil es gut möglich ist, dass Personen mit Insider-Informationen von der Wettoption profitieren», erklärt Christian Kalb, einer der Gründer des Beratungsunternehmens Ethisport mit Fokus auf Integrität und Ethik im Sport, der in der Vergangenheit auch schon mit der «Group of Copenhagen» zusammengearbeitet hat, gegenüber Blick.
«Risikoabsicherung könnte eine Rolle spielen»
Kalb hält aber auch fest, dass die Unregelmässigkeiten auch auf andere Faktoren als Manipulation zurückzuführen sein könnten. «Die Warnhinweise deuten auf Anomalitäten in der Entwicklung der Wettquoten oder verdächtige Wetten hin. Auch Gerüchte, zum Beispiel auf Social Media, werden in die Bewertung miteingezogen.»
Ein Beispiel: «Für traditionelle Buchmacher gibt es Spiele, bei denen fast alle auf einen haushohen Favoriten setzen. Aus Sicht eines Buchmachers könnten daher zu viele Leute auf dieses Ergebnis wetten. Für kleinere Unternehmen stellt dies ein Risiko dar. Sie könnten daher einen Prognosemarkt wie Polymarket nutzen, um dieses Risiko abzusichern.» Dies könnte beim hohen Wettvolumen bei Spanien gegen Kap Verde mitgespielt haben.
Die Fifa verwies auf Anfrage von Blick auf die bereits veröffentlichte Einschätzung und hebt hervor, dass für den Bericht der «Fifa Integrity Task Force» diverse Stakeholder und Experten zusammengearbeitet haben. Die «Group of Copenhagen» hat die Anfrage für eine Stellungnahme zu den widersprüchlich erscheinenden Berichten bisher nicht beantwortet. Es bleibt abzuwarten, wie die «Group of Copenhagen» die identifizierten Auffälligkeiten im vollen Bericht erklären und begründen wird.
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