Während Nico Williams in der Verlängerung des WM-Finals per Kopf den Ball zurück auf Ferran Torres legt, sitzt Giuliano Simeone auf einem Stuhl an der Strafraumgrenze – und ist dabei, seine Stulpen zu bügeln. Klar, hierbei handelt es sich um eine Fotomontage auf X. Aber sie zeigt: Der argentinische Nationalspieler muss derzeit so einiges über sich ergehen lassen.
Der Grund: Der in der 70. Minute eingewechselte Simeone muss als Sündenbock herhalten. Dafür, dass Torres Spanien mit seinem 1:0 in der 106. Minute zum WM-Titel geschossen hat und die Gauchos an der Mission Titelverteidigung gescheitert sind. Simeone hätte Torres decken und ihn am erfolgreichen Torabschluss hindern sollen. So lautet der Tenor. Tatsächlich: Simeone bleibt an der Strafraumgrenze, als der Angriff der Iberer noch andauert, einfach stehen und greift sich, so scheint es, an den rechten Knöchel, während Torres zielstrebig weiterläuft und den Ball nach dem Zuspiel von Williams wuchtig ins Netz hämmert.
«Ich weiss nicht, warum er dort stehenbleibt. Dieses Anhalten ist ihn teuer zu stehen gekommen. Er weiss es, sein Vater (Diego Simeone, Anm. der Redaktion) wird es wissen, jeder wird wissen, dass man einfach noch die paar Meter weiterlaufen muss», sagt die irische Fussballlegende Roy Keane bei ITV.
Viele werfen Simeone vor, lieber seinen Stulpen gerichtet zu haben, statt seinen defensiven Aufgaben nachgekommen zu sein. Deswegen auch die Fotomontage in den Sozialen Medien. Nur, womöglich hat sich der Offensivakteur einfach an den rechten Fuss gegriffen, weil er sich diesen kurz zuvor ohne Fremdeinwirkung vertreten hat – und gar nicht an seiner Kleidung herumhantiert hat. Dafür spricht auch, dass unmittelbar nach dem entscheidenden spanischen Tor erneut ein Griff an den vielleicht schmerzenden rechten Knöchel erfolgt ist.
Simeones Entschuldigung
«Es gibt keine Worte, um den Schmerz zu beschreiben, den ich gerade empfinde. Nur eine Entschuldigung dafür, dass ich euch den Pokal nicht bringen kann», meldet sich Simeone, der in der 121. Minute nach einem Corner den ultraspäten argentinischen Ausgleich verpasst hat, am Dienstag auf Instagram an die Öffentlichkeit. Er schreibt von einem «traurigen Moment», aber er sei «zuversichtlich, dass wir uns mit der Zeit voller Stolz an alles erinnern werden, was wir gemeinsam bei diesem Turnier erlebt haben». Auf den Hohn und Spott, der auf ihn einprasselt, geht der 23-Jährige nicht ein.

