Darum gehts
- Führt Josh Holden den HC Davos in seinem dritten Jahr als Trainer in den Final?
- Erfüllt Roger Rönnberg in Fribourg Gottérons Titel-Traum?
- Was passiert mit Marco Bayer, wenn der Titelverteidiger den Final-Einzug verpasst?
Josh Holden, Davos
Der Shitstorm ist selbst bei nachtragenden Davos-Anhängern längst vergessen: Jene, die 2023 die Verpflichtung von Headcoach-Rookie Josh Holden als HCD-Trainer laut kritisiert und ihm keinen grossen Wurf zugetraut haben, sind leise geworden. Denn der Kanada-Schweizer überzeugt seither mit einer kontinuierlichen Leistungssteigerung.
Der HCD liefert sich bereits in Holdens erster Saison einen heroischen Kampf im Viertelfinal und scheitert erst im siebten Spiel gegen ein bissiges Lausanne. Bloss ein Jahr später legen die Davoser als Quali-Fünfte im Viertelfinal gegen Holdens Ex-Klub Zug einen «Sweep» (4:0) hin und verlieren die Halbfinal-Serie gegen den späteren Meister ZSC 2:4. Und wiederum ein Jahr später steht der 48-Jährige nach Quali- und Spengler-Cup-Triumph vor dem erstmaligen Final-Einzug seit 2015, wenn sie gegen ebendiese Lions gewinnen.
Noch Fragen? Natürlich, jene, wie er das bloss angestellt hat. Nun, Holden hat fünf Jahre von EVZ-Meistertrainer Dan Tangnes gelernt. Und das Kredo des Norwegers übernommen, dass die Basis des Erfolgs ist, wenn sich die Mannschaft auf antrainierte, gut eingespielte Gewohnheiten verlassen kann sowie sich gegenseitig und den bewährten Strukturen vertraut. Sein System baut darauf, dass bei einem Fehler der Teamkollege für die Absicherung zur Stelle ist.
Und: Holden legt sich immer einen Plan zurecht. Oder besser gesagt, mehrere. «Meistens Plan A, B, C und noch ein paar weitere», sagte er vor einiger Zeit zu Blick. Er will auf möglichst viele Eventualitäten in einem Spiel vorbereitet sein, um dann nur noch entsprechend reagieren zu können. Statt des befürchteten tobenden Hitzkopfs (der er einst als Spieler gewesen ist) steht ein bestens gewappneter Hockey-Denker an der HCD-Bande. Der es in dieser Saison geschafft hat, ein Team mit beeindruckender Konstanz, hohem Tempo, offensiven Qualitäten und defensivem Gewissen zu formen. Zudem managt er die Rotation seiner sieben Ausländer – allesamt Leistungsträger – umsichtig.
Kann es sein, dass er bereits in seiner dritten Saison als Headcoach die Meister-Mixtur gefunden hat?
Marco Bayer, ZSC Lions
Marco Bayer steht mal wieder vor den wichtigsten Tagen seiner Schaffenszeit als ZSC-Trainer. Schafft er es, seine Mannschaft trotz des 1:3-Rückstands gegen die saisonalen Überflieger aus Davos noch in den Final zu führen, verschafft dies seinem Profil weiteren Glanz. Fliegt sie am Sonntagabend hochkant aus den Playoff-Halbfinals, fliegt er womöglich mit. Zumindest gehen dann die Diskussionen wieder los, ob der 53-jährige Dübendorfer der Richtige ist.
Bayer ist an Weihnachten 2024 für den aus gesundheitlichen Gründen abgetretenen Marc Crawford als Nothelfer eingesprungen und führte den ZSC anschliessend zu zwei Titeln (Champions League, Meistertitel). Dies verschaffte ihm zwar ein gewinnendes Profil, aber dann doch nicht den ultimativen Respekt. Dabei sind Aussagen, wie etwa, dass dies mit dieser Mannschaft jeder gekonnt hätte, Mumpitz.
Bayer hat im Herbst und Spätherbst zwei Krisen überstanden. Gehen nun gegen Davos vorzeitig die Lichter aus, wird sich zeigen, ob sich die Vereinsführung nochmals hinter ihn stellt oder aus seinem bis 2027 laufenden Vertrag entlässt. Es würde sich dann auch zeigen, wie der neue Präsident Lorenz Frey-Hilti bei solchen Fragen als oberste Instanz tickt. Dieser zeigt in den laufenden Playoffs mehr Nähe als zuvor sein Vorgänger und Vater Walter Frey.
- Halbfinal 2025: Lausanne – Fribourg 4:3 nach 1:3
- Viertelfinal 2013: Bern – Servette 4:3 nach 1:3
- Viertelfinal 2013: ZSC Lions – Davos 4:3 nach 1:3
- Final 2012: Bern – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
- Viertelfinal 2010: Servette – Fribourg 4:3 nach 1:3
- Halbfinal 2009: Davos – Fribourg 4:3 nach 1:3
- Viertelfinal 2007: Davos – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
- Halbfinal 2004: Lugano – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
- Final 2001: Lugano – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
Wende nach 0:3
- Final 2022: Zug – ZSC Lions 4:3 nach 0:3
- Viertelfinal 2022: SCRJ Lakers – Davos 3:4 nach 3:0
- Viertelfinal 2008: Zug – Davos 3:4 nach 3:0
- Viertelfinal 2007: Zug – Rapperswil-Jona 4:3 nach 0:3
Viertelfinal 2006: Lugano – Ambri 4:3 nach 0:3
- Halbfinal 2025: Lausanne – Fribourg 4:3 nach 1:3
- Viertelfinal 2013: Bern – Servette 4:3 nach 1:3
- Viertelfinal 2013: ZSC Lions – Davos 4:3 nach 1:3
- Final 2012: Bern – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
- Viertelfinal 2010: Servette – Fribourg 4:3 nach 1:3
- Halbfinal 2009: Davos – Fribourg 4:3 nach 1:3
- Viertelfinal 2007: Davos – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
- Halbfinal 2004: Lugano – ZSC Lions 4:3 nach 1:3
- Final 2001: Lugano – ZSC Lions 3:4 nach 3:1
Wende nach 0:3
- Final 2022: Zug – ZSC Lions 4:3 nach 0:3
- Viertelfinal 2022: SCRJ Lakers – Davos 3:4 nach 3:0
- Viertelfinal 2008: Zug – Davos 3:4 nach 3:0
- Viertelfinal 2007: Zug – Rapperswil-Jona 4:3 nach 0:3
Viertelfinal 2006: Lugano – Ambri 4:3 nach 0:3
Es steht viel auf dem Spiel. Das weiss auch Bayer, der sich stets als Realist gibt. Es ist jedoch beeindruckend, wie er diesen Druck weglächelt, wie locker er sich auch in diesen Playoffs wieder gibt. Wie er es geniesst, sich dieser Aufgabe stellen und diese Mannschaft trainieren zu dürfen. Ihm vorzuhalten, dass er kein herumtobender Hardliner ist, ist ungerecht. Marco Bayer ist, wie er ist, alles andere würde ihm ohnehin keiner abkaufen. Abgesehen davon ist sein Coaching gerade in den Playoffs sehr aktiv.
Aber es gibt auch Kritik an ihm, die etwas mehr Substanz beinhaltet. Etwa, dass die aufstrebenden Jungen wie Gruber, die eigentlich die Zukunft des ZSC sind, bei Bayer in den Playoffs aussen vor sind – er da lieber auf Routine à la Hollenstein baut, obwohl dieser im Spätherbst seiner Karriere an seine Grenzen stösst. Das ist eine Hasenfuss-Taktik, und wenn diese schiefgeht, geht es in letzter Konsequenz womöglich auch für Bayer schief.
Ville Peltonen, Servette
Ein Wundertrainer? Das ist Ville Peltonen (52) wahrscheinlich nicht. Bekannte aus Finnland beschreiben ihn zwar als Hockeyverrückten – aber welchem Trainer wird das nicht nachgesagt? Akribische Arbeiter sind sie alle, und sie alle passen mit ihrem Profil auch wie die Faust aufs Auge zum aktuellen Klub. Peltonen arbeitet viel und gerne mit Videoanalysen, tüftelt an Systemvarianten und soll einem Hang zum Mikrocoaching erlegen sein. Der Finne aus Vantaa nahe Helsinki ist aber auch geduldig und wirft nicht gleich alles über den Haufen, falls sich die Erfolge nicht sofort einstellen. Hinter der Spielerbank ist er ein Stoiker, keiner, der Blicke und Aufmerksamkeit auf sich zieht. Das kann ein Vorteil sein, ist es aber dann nicht, wenn man einen Trainer möchte, der mit seinem Charisma raumfüllend um sich greift.
Im Viertelfinal gegen Lausanne hatte er Erfolg mit seiner stoischen Art, das Super-Trio mit Topskorer Markus Granlund, Mittelstürmer Sakari Manninen und Jesse Puljujärvi liess er unberührt, selbst als man in der Serie gegen den Genfersee-Rivalen mit 1:2- und 2:3-Spielen zurücklag. Die Halbfinal-Serie gegen Gottéron mit dem schwedischen Wundertrainer Roger Rönnberg ist Peltonen nun aber entglitten, Fribourg spielt wie aus einem Guss und mit einer Selbstverständlichkeit, die Servette abgeht.
Genf steht mit dem Rücken zur Wand und Peltonen muss einen Weg finden, den Rhythmus des Gegners zu brechen. Dabei steht nicht nur die Saison des Klubs auf dem Spiel – es geht dabei auch um Peltonens Zukunft. In Genf steht nächste Saison der nächste schwedische Wundertrainer (Sam Hallam) auf der Matte, für Peltonen wäre höchstens noch Platz als Assistenztrainer. Zurück ins zweite Glied? Oder doch der Chefposten in Bern oder beim EV Zug? In Peltonen schlummert mehr, als der erste Blick verrät. In Florida wurde er nach einer Kneipentour mal wegen Sachbeschädigung dingfest gemacht (inklusive Polizeifoto), nachdem er im beschwingten Zustand ein Feuerwehrauto demoliert hatte. Damals war Peltonen allerdings 33 Jahre alt und spielte für die Florida Panthers.
Roger Rönnberg, Fribourg
Seit 1996 und Conny Evensson mit Kloten hat kein schwedischer Trainer mehr den Meistertitel geholt. 30 Jahre danach soll sich das ausgerechnet in Fribourg, wo man die Trophäe noch nie in den Fingern hatte, ändern? Mit dieser Zielsetzung ist Roger Rönnberg (54) an die Saane gekommen. Als er bereits vor seiner Ankunft davon sprach, dass er auf Google Maps den Ort für die Meisterfeier gefunden habe, stiess das manchem sauer auf. Doch warum sollte ein Mann, der in seiner Zeit bei Frölunda zweimal Meister wurde und viermal die Champions League gewann, ein Leisetreter sein?
Rönnberg ist ein Entertainer und hat bereits im ersten Jahr viel bewegt. So ist sein Team nur noch fünf Siege davon entfernt, das vermeintlich Unmögliche zu schaffen und den Pokal nach Fribourg zu holen.
Auch als es sein Team im Viertelfinal gegen die Lakers und seinen ehemaligen Assistenten Johan Lundskog 0:2 und 2:3 zurücklag, strahlte Rönnberg Zuversicht und Entschlossenheit aus. Und jeder seiner Handgriffe sass. Das Team steckte Verletzungen der Teamleader Sörensen, Schmid, Glauser und Sprunger weg und ist inzwischen im Flow. Beleg dafür sind Spieler aus der zweiten Garde wie Gerber, Reber, Jecker oder Seiler, die davor im Schatten der Stars standen und jetzt auch Verantwortung übernehmen.
Rönnberg zieht sein Ding durch. Man kann ihn konsequent oder wie seine Kritiker stur nennen. So lässt er härter trainieren. Zu hart für den Geschmack von Athletiktrainer Simon Holdener, von dem man sich nach sieben Jahren trennt. «Roger dreht komplett durch. Die pushen in jedem Training wie die Obergestörten. Das ist ihre Stärke. Die können 60 Minuten gehen wie die Töffs», sagte MySports-Experte Sven Helfenstein kürzlich. «Die einen Spieler, hört man, haben es nicht so gern, weil er so hart trainieren lässt.» So will der Schwede Wallmark gehen. Dafür kommen Junge wie Reber, Biasca, Johnson und per nächster Saison Taibel, um unter Rönnberg besser zu werden.
In Fribourg träumen sie wieder. Gottéron hat gegen Servette drei Match-Pucks, um erstmals seit 2013 wieder in den Final einzuziehen. Und seinen Wunsch-Meisterplatz bei der St.-Nikolaus-Kathedrale kennt Rönnberg inzwischen nicht nur von Google Maps.



