Zadinas Stupser
Dem Gegner unter die Haut zu fahren, das gehört zu den Playoffs wie die Kufe an den Schlittschuh. Das will auch Davos-Stürmer Filip Zadina tun, als er in Unterzahl der Scheibe und ZSC-Verteidiger Dean Kukan nachjagt. Denn er kurvt an Lions-Keeper und Landsmann Simon Hrubec vorbei und berührt ihn mit der Stockschaufel hinten an der Wade. Als Mysports-Kommentator Jann Billeter eine Strafe für den HCD-Tschechen fordert, bremst ihn sein Experte Sven Helfenstein umgehend: «Das würde ich nicht unterschreiben. Ein kleiner Zwick in die Wade, ein kleiner Gruss, so sagt man in Tschechien Hallo.» Bei Zadina nach dem 5:2-Sieg nachgefragt, bestätigt er mit einem breiten Grinsen, dass er Hrubec nur kurz habe nerven wollen, «ich habe ihn nur ein kleines bisschen berührt. Wir kennen uns gut». Darüber nachgedacht, dass ihm deswegen ein paar Zürcher auf die Pelle rücken könnten, habe er in diesem Moment nicht. «Ich wollte einfach schnell wechseln, wir waren ja im Boxplay.»
Fragezeichen um Fora
Als seine Mitspieler jubelnd und happy in die Kabine schreiten, steht Michael Fora an deren Eingang und klatscht alle ab. Der HCD-Verteidiger fiel nach wenigen Einsätzen und einer unglücklichen Szene aus (5. Minute): Nach einem Bully kollidiert Fora mit Mitspieler Simon Knak, schüttelt sein linkes Bein und verschwindet in den Katakomben. Eine Vorsichtsmassnahme? Oder ist der wichtige Abwehrspieler tatsächlich am Knie verletzt? Wenige Minuten nach dem Sieg weiss HCD-Trainer Josh Holden noch nicht mehr. Am Samstag lässt sich Fora genauer untersuchen. Der Natispieler ist jedoch bekannt für seine Vorsicht und dafür, in solchen Momenten keine unnötigen Risiken einzugehen.
Andrighetto vor Comeback?
Die ZSC Lions stehen mit dem Rücken zur Wand und natürlich vermissen sie ihren Leitwolf Sven Andrighetto. Der letztjährige Playoff-MVP ist seit dem heftigen Crash mit Teamkollege Rudolfs Balcers im dritten Viertelfinalspiel gegen Lugano out, es dürfte eine Verletzung im Kopf-Nacken-Bereich sein. Doch Andrighetto soll kurz vor dem Comeback stehen, gemäss ZSC-Trainer Marco Bayer war erst am Freitagvormittag klar, dass der Stürmer am Abend (noch) nicht spielen kann. Dies schürt natürlich die Hoffnung, dass Andrighetto für das Spiel der letzten Chance am Sonntag in Davos wieder auf der Matte steht. Fraglich ist aber auch erneut Jesper Frödén. Der zweifache Meisterschütze gab zwar am Freitag sein Comeback nach einem verletzungsbedingten Spiel Pause, beendete dieses aber nach zwei Dritteln bereits wieder.
Bayer hat noch nicht fertig
Ob mit oder ohne Sven Andrighetto und Jesper Frödén. An das Aufgeben denkt bei den ZSC Lions trotz des 1:3-Rückstandes und des bevorstehenden Auswärtsspiels in Davos natürlich keiner. Schon gar nicht Trainer Marco Bayer: «Es ist erst fertig, wenn es wirklich fertig ist. Wir wissen, was für Qualitäten wir haben, und haben auch in Davos schon gezeigt, dass wir dort bestehen und sie schlagen können.» Kämpferisch sagt er: «Wir werden nochmals aufstehen und alles geben, damit die Serie weitergeht. Die Jungs wissen, wie man Spiele gewinnt. Wenn wir so spielen wie in den ersten 20 Minuten am Freitag, haben wir gute Chancen, in Davos zu gewinnen.»
ZSC-Problemzone Eigenfehler
Tödlich waren für die ZSC Lions am Freitag die vielen Eigenfehler. Beim 1:1 patzte Harrison Schreiber, beim 1:2 Dario Trutmann und Jesper Frödén, die sich nicht fanden. Beim dritten Gegentreffer sah Derek Grant schlecht aus. Trainer Marco Bayer zu dieser Kette von Eigenfehlern: «Das ist das Schlimmste, Davos musste seine Tore nicht auf unglaubliche Weise herausspielen. Da müssen wir ein klares Commitment von allen haben, dass sie in beide Richtungen arbeiten.» Er gibt sich aber auch bei dieser Problemzone zuversichtlich: «Das werden wir auf den Sonntag hinbekommen.»
Ryfors ist abgetaucht
Simon Ryfors hat den Viertelfinal gegen Zug gerockt. Gegen Zürich aber ist der HCD-Schwede noch auf Tauchstation. Neun Skorerpunkte (4 Tore/5 Assists) verbucht der Center gegen den EVZ – gegen den ZSC steht er nach vier Duellen noch bei Null. Zwischen den aufsässig agierenden Matej Stransky und Brendan Lemieux hat Ryfors derzeit wohl anderes zu tun.
Turbulenzen um HCD-Namenssponsor
Die Kryptobörse Zondacrypto, Namenssponsor der Davoser Eishalle, steckt gemäss einem Artikel von «Tippinpoint» in grossen Schwierigkeiten: Berichte sprechen von massiven Liquiditätsproblemen, fast leeren Bitcoin-Reserven und blockierten Kundenauszahlungen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück, kann diese aber kaum entkräften. Gleichzeitig läuft in Polen eine politische Debatte, sogar Ermittlungen wurden aufgenommen. Für den HC Davos hat die Krise bisher noch keine direkten Folgen. «Wir sind nicht in Kenntnis einer Liquiditätsproblematik bei unserem Partner. Den Verpflichtungen ist er immer nachgekommen», wird HCD-CEO Marc Gianola im Artikel zitiert.


