Konnte als Teenie nicht rennen
Das bewegende Schicksal des National-League-Topskorers

Die Ärzte sagten Kristian Tanus’ Eltern einst, dass sie froh sein sollen, wenn er eines Tages laufen kann. Trotzdem wurde der Finne, der mit zwei Klumpfüssen geboren wurde, Hockey-Profi und Meisterstürmer. Aktuell rockt er mit Ajoie die National League.
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Der Finne Kristian Tanus spielt erstmals ausserhalb seiner Heimat, er ist ein neuer Ajoie-Ausländer.
Foto: Alessandro della Valle

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Zwei Klumpfüsse hinderten ihn nicht daran, Hockey-Profi zu werden
  • Corona-Sommer war Wendepunkt in Tanus’ Karriere
  • Den Ajoie-Finnen plagen auch heute manchmal noch Schmerzen

Wenn ein junger Hockey-Profi sagt, er habe als Teenager über fünf Jahre nicht rennen können, horcht man auf. Das sind die Worte von Ajoies neuem Stürmer-Juwel Kristian Tanus (26). Der Finne (5 Tore, 10 Assists in 9 Spielen) ist aktuell der beste Skorer der Liga. Dies, obwohl er sich seine Hockeykarriere hat hart erkämpfen müssen. Der Grund: Tanus ist mit zwei Klumpfüssen geboren worden.

Bei dieser Fehlstellung sind die Füsse stark nach innen und unten verdreht. Seinen Eltern stellen die Ärzte, als er ein Baby ist, die bittere Prognose, «dass sie froh sein sollen, wenn ihr Sohn eines Tages laufen kann», wie der Angreifer vor einigen Jahren in der finnischen Lokalzeitung «Aamulehti» sagt. Dennoch eifert er seinem fünf Jahre älteren Bruder Jonatan nach, will Hockey spielen.

Als Tanus in seiner Heimatstadt Tampere bei Tapparas Junioren anfängt, startet er als Goalie. «Vielleicht war es wegen meiner Füsse, oder auch einfach weil ich der Kleinste und Jüngste meines Jahrgangs war», versucht sich der Neuzuzug zu erinnern. Eines aber weiss er: Die vier Saisons als Torhüter haben seinen Torriecher geschärft, weil er das Spiel aus einer anderen Perspektive gesehen habe. In den Spielsituationen weiss er genau, wann und wohin er schiessen muss, wenn er aufs Gehäuse loszieht. Sein Vorbild im Klub damals: Ein gewisser Harri Säteri (36), weshalb sich Tanus bereits aufs erste Duell gegen Biels Keeper freut.

«Zwischen 15 und 20 Jahren konnte ich weder rennen noch springen»

Weil ihm die Fehlstellung seiner Füsse immer wieder Probleme und Schmerzen bereitet, bremst es den Stürmer in seiner Entwicklung. Vor allem die im Hockey geforderte Explosivität und Schnelligkeit kann er nicht trainieren. «Zwischen 15- und 20-jährig konnte ich weder rennen noch springen.» Als Ursache macht man damals sein Wachstum und die damit verbundene Gewichtszunahme aus, an die sich seine Füsse und Beine zunächst gewöhnen müssen.

Ein Wendepunkt seiner Karriere ist der Corona-Sommer 2020. Und der damalige Sportdirektor sowie spätere Trainer bei Tappara: Jussi Tapola (52). Der aktuelle Ambri-Headcoach erinnert sich: «Wir hatten einige junge Spieler, die sehr talentiert waren. Wir bildeten eine Gruppe, mit der wir Extra-Trainings machten. Kristians Schwäche war das Schlittschuhlaufen, daran haben wir gearbeitet.» Tanus selbst erzählt, dass er sich in jenem Sommer über die Schmerzen hinweg gepusht habe. An schlimmen Tagen macht er Pause, ansonsten beisst er sich durch. «Tapola trieb mich an und mein Körper gewöhnte sich irgendwann daran.» Mental habe er auch immer besser damit umgehen können.

Manchmal braucht er länger zum Aufwärmen

Auch heute noch beeinträchtigt ihn die Anomalie. «Manchmal gibt es Tage, an denen die Beine einfach nicht funktionieren wollen», beschreibt er, «morgens können die Schmerzen stark sein, wenn sich die Fussgelenke im Schlaf versteift haben.» Dann braucht der vierfache Meisterspieler (2022, 2023, 2024, 2026) etwas länger, bis alles wieder aufgewärmt ist. «Die heutigen Schlittschuhe sind aber so gut, dass sie meine Knöchel unterstützen. Darum bin ich einfach nur glücklich, dass ich heute skaten und laufen kann.»

Benachteiligt habe er sich wegen der Klumpfüsse auch in seiner Jugend nicht gefühlt, sondern stets versucht, das Positive zu sehen. Tapola adelt ihn: «Die Fortschritte verdankt er seiner Einstellung und seinem Willen. Es ist toll zu sehen, wie er sich entwickelt hat. Er ist ein grossartiges Vorbild. Auch für junge, talentierte und kleine Schweizer Spieler.»

National League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
ZSC Lions
ZSC Lions
8
16
23
2
Genève-Servette HC
Genève-Servette HC
10
3
18
3
SCL Tigers
SCL Tigers
9
5
15
4
HC Ambri-Piotta
HC Ambri-Piotta
9
-5
14
5
HC Ajoie
HC Ajoie
9
1
14
6
HC Fribourg-Gottéron
HC Fribourg-Gottéron
9
5
14
7
HC Davos
HC Davos
9
0
13
8
Lausanne HC
Lausanne HC
9
-4
12
9
SC Rapperswil-Jona Lakers
SC Rapperswil-Jona Lakers
9
-8
11
10
EV Zug
EV Zug
6
8
10
11
EHC Biel
EHC Biel
8
-1
10
12
SC Bern
SC Bern
7
-2
9
13
HC Lugano
HC Lugano
7
0
8
14
EHC Kloten
EHC Kloten
9
-18
6
Playoffs
Qualifikationsspiele
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