Ein Onetimer, wie er ihn schon Tausende Male abgefeuert hat in seiner Karriere. Eine solche Direktabnahme wurde Lino Martschini am 28. Oktober 2025 zum Verhängnis und sorgte dafür, dass er seit jenem Spiel gegen die SCL Tigers keinen Match mehr bestritten hat. Der Zuger erinnert sich ein Jahr später noch bestens an die Szene. Auch, weil er sie sich mehrfach angeschaut hat. «Der Puck war leicht hinter mir, ich wollte direkt schiessen und spürte es sofort», erzählt der 33-Jährige. Im Knie zwickts.
Diagnose überraschte Martschini
Er fährt mit Mühe zur Spielerbank, bleibt dort während des Startdrittels. «Es war für mich unverständlich. Diese Schussbewegung mache ich täglich. Ich muss irgendwie mit der Kufe hängen geblieben sein.» Es verdreht ihm das rechte Knie. In jenem Moment ist Martschini das Ausmass seiner Verletzung noch nicht bewusst. Auch am nächsten Tag auf dem Weg zum MRI bleibt er zuversichtlich. «Ich hatte ein positives Gefühl, dachte nicht, dass die Verletzung so gravierend ist, und rechnete mit einem Ausfall von sechs bis acht Wochen.»
Der Hammer kommt mit der Diagnose: Kreuzbandriss und Meniskus-Läsion – Saisonende. «Mit den Knie-Spezialisten besprach ich die verschiedenen Optionen. Meine einzige Frage war dabei, ob ich wieder zu einhundert Prozent fit werde für ein Comeback.» Die Antwort der Ärzte lautet: Ja. Aber der EVZ-Stürmer hätte auch bei einer gegenteiligen Prophezeiung versucht, aufs Eis zurückzukehren. Er nickt bestätigend. «Ich hätte nichts unversucht gelassen.»
Bis zur Operation am 11. November gibt er sich die Zeit, mit dem Schicksal zu hadern. Dass es genau dabei passiert ist, was er auf dem Eis am liebsten tut: Schiessen. Und dann noch ohne gegnerische Einwirkung. Es ist erst die zweite langwierige Verletzung seiner Karriere. Die erste forderte ihn damals mental: Im Februar 2022 plagten ihn Rückenprobleme, kurz vor den Playoffs fiel Martschini aus, ein Eingriff wurde nötig. Die Titelverteidigung des EVZ verfolgte er als Zuschauer. Jetzt setzt ihn das Knie schon bald ein Jahr schachmatt. Er muss verspätet in jene Saison starten, nach der sein Vertrag beim EVZ ausläuft.
Vor allem zu Beginn seines Ausfalls gibt es schwierige Tage für den agilen Offensivspieler. Während der zwei Monate, in denen er Krücken braucht, nicht selbst Auto fahren kann und auf Hilfe angewiesen ist. Und dann, als der EVZ Anfang 2026 in eine massive Krise schlittert mit zehn Pleiten in Serie (National League und Champions Hockey League). Auf den entlassenen Headcoach Michael Liniger (46) folgt Benoît Groulx (58). Und Martschini wird bewusst, dass er mit dem Kanadier nichts zu tun haben wird. Und Groulx, dass er sich den Namen jenes Typen, der in der Garderobe Gast und bei den Meetings dabei ist, nicht merken muss, weil er nicht für ihn spielen wird. Auch die spürbare Playoff-Vorfreude macht dem zweifachen Familienvater im Frühjahr erneut bewusst, was er alles verpasst.
Die Familie als Stütze
Seine unterstützende Familie ist es, die ihn in diesen Phasen ablenkt und aufheitert. Tochter Riley (7) muss ins Kunstturnen gebracht werden, Sohn Elliot (5) ins Hockeytraining der U9. Als Martschini ihm in der EVZ-Garderobe beim Anziehen hilft, «da suchte er nach meinem Platz. Doch mein Name fehlte, ein anderer stand dort». Den Grund dafür hat er seinen Kids erklärt. Die grösste Herausforderung für den Meisterstürmer (2021) und Cupsieger (2019) in dieser Verletzungspause? «Die Geduld. Das Warten auf die Fortschritte», gesteht er. «Aber an Motivation fehlte es mir nie, ich war nie niedergeschlagen. Darauf bin ich stolz.»
In den Sommermonaten freut er sich aufs Eis, startet Anfang August zeitgleich mit der Mannschaft ins Training. Seither steht er aber noch mit dem roten Tenü auf dem Eis. Ein Zeichen, dass er Zweikämpfen noch aus dem Weg gehen muss. Es sind dennoch herausfordernde Monate. Einerseits, weil die Fortschritte nicht mehr so extrem wahrnehmbar sind. «Und weil ich den Physios und Ärzten vertrauen muss, die meine Pläne machen und somit entscheiden, wie es weitergeht.» Forcieren und riskieren will man nichts.
Geduld ist gefragt
Deshalb ist Martschini am Anfang seines Weges zurück auch schon ausgebremst worden. Weil das Kraftverhältnis der Beine noch ungleich gewesen ist und ein Oberschenkel-Muskel einen längeren Aufbau gebraucht hat, sind Sehnenreizungen eingetreten. Das Training muss wieder angepasst werden. «Seither haben wir die Belastung Schritt für Schritt erhöht», so der Zuger, «die letzten Wochen brauchten enorm Geduld.» Aber rückblickend sei es die richtige Massnahme gewesen. Mittlerweile fühlt sich Martschini fit und bereit: «Meine Testergebnisse im Kraftbereich sind besser als vor der Verletzung.» Als nächster Schritt muss er sich des roten Trainingstenues entledigen und das physische Element sowie die Zweikämpfe um den Puck integrieren, um zu sehen, wie das Knie auf diese Belastung reagiert. Doch das Comeback steht bevor, ein fixes Datum aber hat der Stürmerstar und Scharfschütze nicht im Kopf.
Apropos, wie hat es sich angefühlt, als er erstmals wieder auf den Puck gehauen hat? Als er Onetimer, sein Markenzeichen, abgefeuert hat? «Ich wollte nicht zulassen, dass es mental ein Thema wird», betont er, «es hätte mich nervös gemacht, wenn ich realisiert hätte, dass ich verhalten bin.» Deshalb habe er seinem Körper blind vertraut und einfach draufgehauen. Wie es dann sein wird im Match mit Gegenspielern, die ihn unter Druck setzen, wird er auf sich zukommen lassen.
Zukunft ist offen
Wie auch die Situation mit seinem auslaufenden Vertrag. «Vorfreude und Fokus auf mein Comeback sind dominanter als die offene Zukunft.» Mit dem neuen Sportchef Ted Suihkonen (49, USA) hat Martschini bereits lose Gespräche geführt, von Seite des Klubs spürt er jedoch keinen Druck. «Als Familienvater hätte ich natürlich lieber heute schon Gewissheit als erst in vier Monaten.» Trotzdem bleibt er entspannt, «weil ich weiss, was ich kann und dass ich es wieder kann». Vorstellen, dass er in der Schweiz erstmals für einen anderen Klub als den EVZ spielt, kann er und man sich ohnehin nicht.
Folge jetzt deinem Lieblingsklub in der National League. So erhältst du auf dich zugeschnittene Inhalte, jedes Spiel live aufs Handy und verpasst keine Story mehr. Jetzt followen!
Folge jetzt deinem Lieblingsklub in der National League. So erhältst du auf dich zugeschnittene Inhalte, jedes Spiel live aufs Handy und verpasst keine Story mehr. Jetzt followen!
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | ZSC Lions | 10 | 18 | 27 | |
2 | Genève-Servette HC | 11 | 4 | 21 | |
3 | SCL Tigers | 11 | 7 | 19 | |
4 | HC Fribourg-Gottéron | 11 | 9 | 18 | |
5 | HC Ajoie | 11 | -3 | 16 | |
6 | HC Ambri-Piotta | 10 | -6 | 15 | |
7 | HC Lugano | 10 | 3 | 15 | |
8 | Lausanne HC | 11 | -4 | 15 | |
9 | SC Bern | 9 | 1 | 14 | |
10 | EV Zug | 7 | 10 | 13 | |
11 | HC Davos | 11 | -4 | 13 | |
12 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 11 | -14 | 11 | |
13 | EHC Biel | 10 | -4 | 10 | |
14 | EHC Kloten | 11 | -17 | 9 |