Darum gehts
- Benoît Groulx übernimmt EV Zug nach zehn Niederlagen und feiert 2:1-Sieg
- Grösste Herausforderung für den Kanadier: Spielernamen und Nummern merken
- Vertrag bis Saisonende, vielleicht nur elf Spiele für den 57-jährigen Trainer
Ein Team übernehmen, das tief im Schlamassel steckt und zehn Niederlagen in Folge kassiert hat? Für Benoît Groulx nichts Neues. Als der Kanadier 2002 in seiner Heimatstadt Gatineau den ersten Headcoach-Job seiner Karriere übernimmt, hat Hull Olympiques in der Junioren-Liga QMJHL auch zehnmal hintereinander verloren. «Ich startete mit drei weiteren Pleiten», erzählt der neue EVZ-Trainer, «und die Zuschauer haben geschrien, «Groulx, geh heim!» Meine Antwort war, dass ich schon zuhause bin.»
Der 57-Jährige ist gut gelaunt nach dem 2:1-Sieg in Kloten. Genau: Er kam, sah – und stoppt die Zuger Negativspirale. Und dies nur 34 Stunden, nachdem er die Mannschaft kennengelernt hat. Der Pflichtsieg bei den Zürcher Unterländern ist jedoch nicht die grösste Herausforderung von Groulx gewesen. Sondern? Die Namen und Rückennummern aller Spieler auf die Reihe zu kriegen. Einen Spickzettel hat der Gold-Coach von Kanadas U20-Junioren (2015) an der Bande natürlich dabei. Bei der Aufstellung stehen die Namen bei den Nummern, bei den Special Teams jedoch nicht. «Mein grösstes Problem war deshalb, wo meine Lesebrille ist», sagt er mit einem Schmunzeln.
Klar gesehen hat er jedoch den Auftritt seiner neuen Truppe. «Er war noch weit weg von perfekt. Aber wir waren engagiert und haben gespielt, um zu gewinnen.» Und nicht, um nicht zu verlieren. «Am Ende fanden wir einen Weg, um den Unterschied zu machen.» Er streicht das starke Boxplay heraus, an dessen Basis Torhüter Leonardo Genoni stehe. Apropos: Den Namen des Meistergoalies hat Groulx schon gekannt, aber ihm ist nicht bewusst gewesen, dass er in jenem Team spielt, das er neu übernimmt. Kollegen machen ihn in Nachrichten darauf aufmerksam.
Der Kanadier, der 2025 mit dem KHL-Klub Tscheljabinsk im Playoff-Final gestanden und im letzten November dort entlassen worden ist, hat sich vom Kurz-Engagement nicht abschrecken lassen. Der EVZ bietet ihm einen Vertrag bis Saisonende an, was im schlimmsten Fall bloss für elf Spiele sein könnte. Die Frage, warum er sich das antue, muss sich der im New Yorker Stadtteil Queens lebende Groulx von Berufskollegen gefallen lassen. Seine Antwort? «In der NHL würde ich es auch tun.» Was er damit sagen will: Die National League zählt für ihn nach der NHL, AHL und KHL zu den attraktivsten vier Ligen auf diesem Planeten. «In der KHL war ich gerade, in der AHL coachte ich zehn Jahre, aus der NHL gabs kein Angebot. Logisch, sagte ich Ja zum Angebot der Zuger.»
Die nächste Hürde ist der nächste Pflichtsieg am Samstag zuhause gegen die SCL Tigers. Oberste Priorität ist für den neuen EVZ-Headcoach jedoch, dass seine Mannschaft nach dem intensiven Spielplan der letzten Wochen wieder zu (mentalen) Kräften kommt – für den Schlussspurt seiner angepeilten Aufholjagd auf einen Playoff-Platz.

