Er flog mit EVZ-Chefs heim
Liniger-Schicksal war schon vor seinem letzten Spiel besiegelt

Schon vor dem Champions-League-Rückspiel in Lulea (Sd) beschloss die EVZ-Führung, dass man sich von Headcoach Michael Liniger trennt. Heute Morgen teilte man es ihm und der Mannschaft mit. CEO Patrick Lengwiler nennt die Gründe.
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EVZ-Trainer Michael Liniger ist am Morgen nach dem Halbfinal-Rückspiel im nordschwedischen Lulea entlassen worden. Der Entscheid stand schon vor dem Spiel fest.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

  • Michael Liniger wird nach 41 NL- und 12 CHL-Partien als Headcoach entlassen
  • EVZ verpflichtet Benoît Groulx als neuen Cheftrainer für Krisenbewältigung
  • Mit Erfahrung und Autorität soll der Kanadier die Zuger in die Spur bringen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Seine Debüt-Saison als NL-Cheftrainer ist bereits nach 41 Liga- und zwölf CHL-Partien vorbei: Michael Liniger (46) ist entlassen worden. Im nordschwedischen Lulea teilen die EVZ-Verantwortlichen ihren Entscheid dem Emmentaler am Morgen nach dem Halbfinal-Out mit. Auch die Spieler sind informiert worden. Die ohnehin unangenehme Situation wird dadurch noch ungemütlicher.

Zur Erinnerung: Liniger ist nach dem Match gegen Servette mit der Mannschaft am Sonntag direkt von Genf aus nach Schweden geflogen. Und wäre heute auch wieder mit ihr zurück in die Schweiz gereist. Aber dieser Schmach kann der Emmentaler aus dem Weg gehen. Die Klub-Verantwortlichen bieten Hand und verschiedene Optionen: Die geplante Rückkehr, eine Verlängerung seines Aufenthalts in Schweden – oder der Rückflug mit ihnen. Liniger entscheidet sich für Letzteres.

Denn: VR-Präsident Hans-Peter Strebel, CEO Patrick Lengwiler und Sportchef Reto Kläy sind erst am Dienstag aufs Halbfinal-Rückspiel nach Nordschweden gereist. Lengwiler sagt ehrlich: «Auf diesem Flug hatten wir genügend Zeit, um alles nochmals zu besprechen. Da haben wir bereits entschieden, dass es einen Wechsel an der Bande braucht.» Das Resultat (jeweils 2:3 im Hin- und Rückspiel) ist nicht mehr massgebend gewesen. So erklärt sich auch das Pausen-Interview von Kläy, in dem er zur Trainerfrage kein klares Bekenntnis mehr geäussert hat.

Liniger: Gefasst, aber total enttäuscht

Gemäss Lengwiler reagiert Liniger gefasst, «weil er unseren Entscheid nachvollziehen kann und weiss, dass wir ihn lange gestützt haben. Aber natürlich ist er total enttäuscht». Liniger ist es nicht gelungen, dem Team in dieser Krise Stabilität zu verleihen. Es ist jedoch nicht primär die reine Anzahl der zehn Liga übergreifenden Niederlagen in Serie, die die Zuger zu dieser Reaktion bewogen hat.

In einigen Partien sei man trotz der einschneidenden Verletzten-Situation nahe dran gewesen. «Aber wenn man gegen vermeintlich schwächere Gegner verliert, können die Absenzen nicht der Hauptgrund sein. Diese Niederlagen sind nur der Einstellung geschuldet», so Lengwiler. Damit spricht er auf die Pleiten gegen Kloten (1:2 n.V.), Ambri (0:4) und zuletzt Ajoie (2:4) an. Im Duell gegen die Jurassier wird ein Pflichtsieg erwartet – wie auch am kommenden Wochenende gegen Kloten und die SCL Tigers.

Weil die sportliche Führung vermehrt gespürt hat, dass Liniger bei einer gewissen Ratlosigkeit angelangt ist und vielleicht auch ein wenig das Vertrauen in seine Entscheidungen verloren hat, zieht sie die Reissleine. «Es ist uns nicht leichtgefallen», beteuert der CEO, «wir glaubten an die Wende und an Liniger.» Weil der EVZ diese Krise aber nicht tatenlos akzeptieren will, reagiert er mit der Entlassung. «Doch damit sind nicht einfach alle Probleme gelöst», betont Lengwiler. Das habe er auch der Mannschaft so gesagt, alle seien sich bewusst, dass nicht Liniger alleine die Schuld an der Misere trage. Jetzt brauche es das Team.

«Schrecklich! Es ist extrem frustrierend»
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EVZ-Coach Liniger ratlos:«Schrecklich! Es ist extrem frustrierend»

Schaffen soll den Turnaround mit ihm der bis Saisonende verpflichtete Benoît Groulx. Der 57-Jährige ist im letzten November beim KHL-Klub Traktor Tscheljabinsk nach eineinhalb Saisons entlassen worden. Davor ist er in der AHL bei Syracuse (2016 bis 2023) und Rochester (2008 bis 2010) als Headcoach tätig gewesen. Als Headcoach der kanadischen U20 feiert er 2014/15 den Weltmeister-Titel. Die Bedenken, dass die fehlende Europa-Erfahrung des Kanadiers zum Nachteil werden könnte, wischt Lengwiler weg: «Er hat einst in Europa gespielt (Frankreich, die Red.). Unsere Meinung ist, wenn wir eine Änderung an der Bande vornehmen, dann braucht es ein neues Gesicht und eine frische Stimme.»

Deshalb ist die Übergangslösung mit den Assistenten keine Option gewesen. «Benoît weist viele Jahre Erfahrung als Headcoach auf. Die sowie eine gewisse Autorität braucht es, um der Mannschaft aus diesem Dreck helfen zu können.» Bis zur Olympia-Pause stehen fünf Spiele (Kloten, Langnau, Davos, Lausanne, Zürich) an, «da müssen wir das Beste rausholen».

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