Fürs 1000. NHL-Spiel von Star-Verteidiger Josi
Mama Josi über Mensch Roman

Aus ihrem Sohn wurde ein NHL-Star. Doris Josi kennt alle Facetten von Nashville-Captain Roman. Die Bernerin beschreibt den 35-Jährigen zu dessen 1000. NHL-Spiel unter anderem als Bub, Spieler, Vater und Ehemann.
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Darum gehts

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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Das 1000. NHL-Spiel. Ein Meilenstein, den man als Mutter nicht verpassen will. Deshalb weilt Doris Josi (61) zurzeit in Nashville bei ihrem Sohn und dessen Familie. Sie hat diese Reise zum Jubiläumsspiel mit der alljährlichen Fan-Reise verbunden, die sie jeweils vor Ort betreut. Mit dabei in diesem Jahr: die beiden Ex-SCB-Grössen Marco Bührer (46) und Marc Leuenberger (46), Teamkollegen Josis aus dessen Anfangszeit in der National League.

In Nashville hat sich Travis Roche (47) noch überraschend dazugesellt. An seiner Seite ist Josi gereift. Dass der Kanadier seinen ersten Sohn Roman taufte, sagt über das gute Einvernehmen und den gegenseitigen Respekt bezüglich des ehemaligen Teamkollegen alles aus.

Die Handverletzung, die sich Josi Anfang Saison zugezogen hat, verzögerte das Jubiläum um einige Wochen. In der Nacht auf Freitag (Schweizer Zeit 2 Uhr, live auf Mysports) läuft der Berner gegen die Ottawa Senators zu seinem 1000. NHL-Spiel ein. Die offizielle Feier zu diesem Highlight steigt dann beim Spiel gegen Utah am Samstag.

Anlässlich der historischen Marke des Nashville-Captains plaudert seine Mama etwas aus dem Nähkästchen. Denn sie hat den 35-Jährigen von klein auf in all seinen Lebensphasen begleitet.

Und beschreibt Roman als …

… Bub: «Er war immer sehr unbeschwert und kam bei allen gut an. In der Schule war er immer zu Scherzen aufgelegt und hatte viele Freunde. Er machte auch mal Blödsinn, aber wir mussten nie zu einem Elterngespräch antraben. Er war ein Lausbub, der aber die Grenzen kannte. Seine soziale Ader war schon in dieser Phase spürbar. Roman war, wie man so schön sagt, ein Kind, das den Eltern grundsätzlich keine Probleme bereitete.»

… Schüler: «Roman ist weder gerne noch ungerne zur Schule gegangen. Er war kein Streber, hat aber immer alles erledigt, ohne dass man ihn dazu drängen musste. Die Hausaufgaben wurden schnell gelöst, damit er raus zum Spielen gehen konnte. Am liebsten besuchte er sowieso den Turnunterricht. Die Oberstufe wollten wir ihn eigentlich in der öffentlichen Schule absolvieren lassen. Als wir aber vergeblich für etwas Entlastung bei gewissen Fächern angefragt haben, schickten wir ihn an die Feusi-Privatschule in Bern. Denn für Roman stand da schon der Sport im Vordergrund.»

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Roman Josi (r.) spielt seit 2011 für die Nashville Predators in der NHL.
Foto: NHLI via Getty Images

… Junior: «Bis er zehnjährig war, spielte Roman auch Fussball. Als ihn in der Hockey-Schule der Trainer seines Bruders Yannick einmal fragte, ob er auch in die Hockeyschule komme, verneinte er und sagte, er wolle lieber Fussballer werden. Doch sein Talent auf dem Eis blieb nicht lange verborgen, und schon früh trainierte er mit älteren Jahrgängen. Seinem Bambini-Trainer war es wichtig, dass teambildend gute Pässe gespielt werden. Doch wenn er in einem Spiel den Sieg unbedingt wollte, sagte er zu Roman, er solle sich den Puck schnappen und ein Tor schiessen. Lange wurden mannschaftsintern die Positionen gewechselt, doch Roman wollte am liebsten vorne Tore schiessen. Er war lieber Stürmer, wie dies bei den meisten jungen Spielern der Fall ist. Nachdem er aber an einem internationalen Junioren-Turnier in Zell am See (Österreich, die Red.) vom Moskito-Trainer als Verteidiger eingesetzt und danach zum besten Abwehrspieler des Turniers gewählt wurde, lief er nur noch als Verteidiger auf. Als er 14 Jahre alt war, kamen die ersten Agenten und Scouts auf uns zu. Er konnte nachvollziehen, was das bedeutet, und interessierte sich stärker für die NHL. Später wurde Scott Niedermayer zu seinem Vorbild. Mit Skorerpunkten hat er den Kanadier erst kürzlich überholt.»

… Profi-Spieler: «Mit 16 bestritt er mit dem SCB sein erstes Spiel in der National League. Er rief uns Eltern sofort an, als man ihm dies mitteilte, und freute sich riesig auf seinen ersten Einsatz. Mit 17 unterschrieb er den ersten Profivertrag. Da ging für ihn ein Traum in Erfüllung. Mit der NHL rechnete damals noch niemand von uns. Seine Vorbilder waren da noch Martin Steinegger und Mark Streit. Für Roman war es ein Wahnsinns-Erlebnis, als er in Bern vor der Fankurve, in der er auch mal stand, auflaufen durfte. Er war entschlossen und fokussiert. In dieser Phase ging er zwar ab und zu noch mit Freunden in den Ausgang, aber nie lange, und Alkohol war tabu. Dass er schon mit Männern spielen durfte, prägte ihn und machte ihn reifer. Gleichzeitig behielt er auf dem Eis noch seine Unbeschwertheit und dachte nicht zu viel nach. Das änderte sich mit dem Alter und der Verantwortung, die er auch als Captain in Nashville übernehmen musste.»

… Star: «Ich hatte nie das Gefühl, dass ihn sein Star-Status verändert hat. Gegenüber der Familie und Freunden ist er der Gleiche geblieben. Und eigentlich mag Roman den Rummel um seine Person überhaupt nicht. Als ich am Anfang einmal in Nashville war und bei Spielen unzählige Fans mit Trikots von Shea Weber sah, sagte ich: Werden wir dies auch eines Tages erleben, dass hier jemand in einem Josi-Dress herumlaufen würde? Mit dem steigenden Druck veränderte sich auch die Wahrnehmung von Roman. Als ich ihn mal fragte, ob er sich nicht Unterstützung von einem Mentaltrainer holen wolle, sagte er noch nein. Heute arbeitet er regelmässig mit einem Mentaltrainer zusammen. Das hilft ihm sehr. Roman ist in der Öffentlichkeit nahbar geblieben, musste aber lernen, auch mal Nein zu sagen. Das bereitete ihm jeweils grosse Mühe. Denn er hatte immer das Gefühl, allen gerecht werden zu müssen, die irgendwelche Wünsche hatten. Das kostete Energie. Darum war es wichtig für ihn und seine Energiebalance, sich in dieser Beziehung auch Grenzen zu setzen. Er benötigt Zeit für sich und seine Familie.»

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… Vater: «Mit den Kindern blüht Roman auf, er ist liebevoll und hingebungsvoll mit ihnen. Er hat schon früh gewusst, dass er Vater werden möchte. Er fährt Luca und Ivy zur Schule und zum Sport und spielt auch so oft wie möglich mit ihnen. Seine Familie gibt ihm Halt. Negative Emotionen sind nach Niederlagen wie weggeblasen, wenn er seine Kinder zu Hause in die Arme schliesst.»

… Ehemann: «Seine Frau Ellie beschreibt ihn als fürsorglich. Roman achtet auf Zweisamkeit mit ihr, legt Wert auf Date Nights und verlängerte Wochenend-Ausflüge. Er macht alles für sie und seine Familie. Naja, vielleicht könnte er Ellie etwas mehr im Haushalt helfen. Aber er ist sich aus dem Garderoben-Leben gewöhnt, dass alles für ihn gemacht wird. Manchmal ist er ein wenig chaotisch, aber er kann auch ein Romantiker sein. Und er kocht auch immer wieder gerne und gut.»

… Sohn: «Wir haben ein enges Verhältnis und ich kann mit Roman über alles reden. Manchmal ist es hart für mich, dass er so weit weg lebt und die Spontanität für kurze Treffen fehlt. Wenn ich spüre, dass ihn etwas bedrückt, macht es die Distanz noch schwieriger. An die regelmässigen Abschiede werde ich mich nie gewöhnen, und jetzt mit den Enkelkindern habe ich noch mehr Mühe damit. Irgendwann ist es auch normaler für mich geworden, dass die ganze Hockey-Welt meinen Sohn kennt. Als ich ihn am Anfang am TV gesehen habe, war es immer sehr speziell. Jetzt gehört es einfach dazu. Ich freue mich für ihn, dass er seinen NHL-Traum wahr gemacht hat. Aber wir hätten ihn genauso lieb, würde er in der Schweiz spielen. Roman ist sehr einfühlsam. Das Wohlergehen seiner Familie hier und in der Schweiz ist ihm sehr wichtig! Deshalb kommt er auch immer gerne in die Heimat.»

… Mensch: «Im Laufe der Jahre sind ihm tiefe und echte Freundschaften, Gesundheit, Zufriedenheit und Glück immer wichtiger geworden. Ehrlichkeit wird bei ihm grossgeschrieben. Er ist ein empathischer Mensch, der nie schlecht über andere redet und in jedem das Gute sieht. Materielles ist ihm nicht mehr so wichtig wie noch in jüngeren Jahren. Er hat eine Entwicklung vollzogen, die ihn nicht nur zu einem überaus erfolgreichen Sportler hat werden lassen, sondern zu einem Menschen, der seine wertvollen Attribute nicht nur erhalten, sondern auch entwickeln konnte. Wahrscheinlich deshalb wird er überall geschätzt und ist zu einem Vorbild gereift, das auch ausserhalb des Sports Anerkennung bekommt.»

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