Darum gehts
- Gemeinde Savièse fordert Selbstkontrolle des Brandschutzes von Betrieben bis Februar.
- Géraldine P. lehnt ab: «Ich bin keine Brandschutzexpertin!»
- Im Brief wird mit Kontrollen gedroht, Gemeinde reagiert nicht auf Anfragen.
Géraldine P.* traute ihre Augen nicht, als vor einigen Tagen ein Brief der Gemeinde Savièse VS, nur wenige Kilometer von Crans-Montana entfernt, in ihrem Briefkasten landete. «Die wollen ihre Verantwortung einfach abwälzen», sagt P. zu Blick. Sie ist sichtlich verärgert über das Vorgehen der Gemeinde.
Grund dafür: Der Brief macht P. zu ihrer eigenen Brandschutzbeauftragten. Sie soll ihren Betrieb mittels einer Checkliste kontrollieren. Und das bitte dalli! Die Liste soll sie bis Ende Februar zurück an die Gemeinde schicken. «Kommt gar nicht infrage», so P. weiter.
Noch nie kontrolliert worden
Aber warum die plötzliche Eile? Die Erklärung steht gleich zu Beginn des Briefes. «Die Tragödie in Crans-Montana erinnert mit Nachdruck an die Notwendigkeit einer strengen Prävention sowie einer einwandfreien Funktionalität der Sicherheitseinrichtungen in allen öffentlich zugänglichen Einrichtungen», heisst es dort.
In diesem besonders schmerzlichen Kontext und angesichts der Umstände sei es erforderlich, dass alle Betriebe in kürzester Frist ihr Sicherheitskonzept im Bereich des Brandschutzes überprüfen würden, so die Gemeinde weiter.
Ihr Geschäft in Savièse betreibt P. schon seit mehreren Jahren. Was genau sie macht, will sie aus Persönlichkeitsschutzgründen aber geheim halten. Bislang war aber Brandschutz kein Thema für die Gemeinde. P. zu Blick: «Bislang hat sich noch kein Kontrolleur zu uns verirrt. Nicht ein Mal!» Und weiter: «Nach dem Inferno von Crans-Montana erinnert man sich aber plötzlich daran, dass man ja eigentlich noch was wie Brandschutz betreiben sollte.»
Wer trägt die Verantwortung?
Was die Geschäftsfrau besonders stört: die Abwälzung der Verantwortung. Sie sagt: «Ich soll jetzt Kontrollen machen, die eigentlich Experten vornehmen sollten. Ich bin keine Brandschutzexpertin!»
Auf der umfangreichen Checkliste ist zum Beispiel vermerkt, dass Materialien auf ihre Entflammbarkeit hin überprüft werden sollen. «Dafür bin ich doch überhaupt nicht qualifiziert», so die Walliserin.
Sie stellt sich zudem die Frage, was das Ausfüllen der Checkliste für rechtliche Konsequenzen hätte. «Angenommen ich fülle diese Liste aus, unterschreibe und dann passiert etwas. Ist die Gemeinde dann fein raus?» Deshalb ist für P. klar: Sie wird nicht unterschreiben.
Das im Brief mit Kontrollen durch Polizei oder Behörden gedroht wird, stört Géraldine P. nicht. Im Gegenteil. «Die sollen kommen. Ich bitte darum. Dann wird es wenigsten ordentlich gemacht.»
Gemeinde schweigt
P. hegt den Verdacht, dass die Gemeinde es sich leicht machen will. «Klar der Druck ist nun hoch, aber man kann doch jetzt nicht einfach die Verantwortung auf die Betriebe abwälzen. Zumal die Qualität solcher Selbstkontrollen sehr fraglich ist. Wer gibt schon freiwillig an, dass sein Geschäft nicht den Vorgaben entspricht?»
Die Geschäftsfrau verlangt, dass die Gemeinde selbst kontrolliert. Die Gemeinde Savièse um Präsidentin Marie Zuchuat und dem Sicherheitsverantwortlichem Christophe Praz, beide sind Unterzeichner des Briefes, hat auf mehrfache Anfragen von Blick nicht reagiert. So bleibt neben der Frage nach der juristischen Belastbarkeit der Selbstkontrollen auch offen, warum P. als Mieterin ihre Geschäftsräume kontrollieren soll, und nicht der Inhaber der Liegenschaft.
Géraldine P. will abwarten: «Mal schauen, was passiert, wenn wir die Checkliste nicht zurückschicken. Hoffentlich gibt es eine Kontrolle. Das meine ich ernst.»
* Name geändert