«Es wurden mehrere Personen befragt»
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Staatsanwältin Pilloud:«Es wurden mehrere Personen befragt»

Béatrice Pilloud zieht nach neuen Vorwürfen Konsequenzen
Filz-Alarm um Walliser Staatsanwältin!

Bei den Ermittlungen zum Crans-Montana-Drama gerät Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud weiter unter Druck. Ihre Nähe zu Gemeindevertretern und ein abgesagtes Patronat bei einer Weinbruderschaft werfen einmal mehr Fragen zu ihrer Unabhängigkeit auf. Eine Analyse.
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Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud muss sich erneut Fragen nach ihrer professionellen Distanz gefallen lassen.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Generalstaatsanwältin Pilloud sagt Teilnahme an Weinbruderschaftstreffen in Siders ab
  • Überraschung: Mitgliedschaft von Nicolas Féraud erst durch NZZ erfahren
  • Weinorden seit 1957 mit etwa 600 Mitgliedern, darunter prominente Persönlichkeiten
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Martin MeulReporter News

Die Walliser Generalstaatsanwältin ist seit Wochen auf Tauchstation. Trotz weltweitem Medieninteresse am Inferno von Crans-Montana gibt es von der Walliser Chefermittlerin keine Interviews, keine Auskunft auf konkrete Anfragen. Obwohl sie im Team, das den Fall untersucht, für die Kommunikation zuständig ist. 

Nun hat sich Pilloud gegenüber der «NZZ» wieder einmal zu Wort gemeldet, wenn auch nur kurz und gezwungenermassen wohl, denn einmal mehr steht die Frage nach der Unabhängigkeit der Walliser Generalstaatsanwältin im Raum. Dieses Mal geht es um eine Weinbruderschaft und die Rolle, die Pilloud dabei zu spielen vorhatte. 

Der Wein und die Generalstaatsanwältin

Es wird ein feuchtfröhliches Fest werden. Am 28. März trifft sich der «Ordre de la Channe» in Siders VS zur Generalversammlung. Dabei handelt es sich um den ältesten Weinorden im Wallis, gegründet 1957, geschätzte Mitgliederzahl gut 600. Ziel der Bruderschaft: den Walliser Wein feiern und fördern, wie es auf ihrer Webseite heisst. 

Wie es sich für eine Bruderschaft gehört, sind viele der Mitglieder hochkarätige Persönlichkeiten. Der Walliser Regierungsrat Christophe Darbellay (54) ist nach eigenen Angaben seit Jahren dabei. Der Walliser Nationalrat Sidney Kamerzin (50) gehört dazu und – besonders brisant: auch Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud (55). 

Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud (50) und ihr Mann, ein Winzer aus Sitten, sind ebenso Mitglieder. Für die GV war Pilloud sogar als Schirmherrin vorgesehen. Vorsteher der Bruderschaft, Patrick Bérod, erklärte am Dienstag gegenüber Blick: «Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat Frau Pilloud dieses Patronat angenommen, da das Leben im Wallis weitergeht. Es war nicht vorgesehen, dass Frau Pilloud bei dieser Gelegenheit eine Ansprache hält. Ihre Anwesenheit wäre rein ehrenhalber gewesen.»

Nun doch ein Rückzieher

Das mit der Schirmherrschaft bei der GV ist nun aber vom Tisch. Denn Pilloud hat ihre Teilnahme abgesagt, wie die NZZ am Dienstagabend berichtete. «Um meine Familie zu schützen, habe ich abgesagt», erklärt Pilloud auch gegenüber Blick. Weiter werde sie sich nicht äussern. 

Zunächst hatte sie gegenüber der NZZ die Angelegenheit noch als «Privatsache» verteidigt, ihr Rückzieher kam erst, als sie erfahren habe, dass Nicolas Féraud ebenfalls Mitglied ist. Ein Umstand, den sie ihren Angaben nach erst durch die «NZZ» erfahren hat. 

Eine Aussage, die überrascht. Mehrere Unterwalliser Medien berichteten ausführlich über die Aufnahme von Féraud in den Orden im Jahr 2021. Zudem waren die «NZZ» wie auch Blick auf den Umstand hingewiesen worden. Und auch wenn sich die Untersuchung zum Inferno von Crans-Montana noch nicht gegen Vertreter der Gemeinde richtet, wäre ein Hintergrundcheck möglicher Beteiligter über einen Monat nach dem Ereignis als Vorsichtsmassnahme geboten.

Händchenhalten an der Pressekonferenz

Es ist nicht das erste Mal, dass das Verhalten von Beatrice Pilloud und das Fehlen von professioneller Distanz Anlass für Diskussionen gibt.

Schon am Tag des Unglücks kamen Fragen auf, als die Generalstaatsanwältin eine Pressekonferenz zusammen mit Vertretern der Gemeinde und des Kantons Wallis abhielt. Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass Mitglieder des Gemeinderates oder Vertreter des Kantons in die Strafuntersuchung hineingezogen werden – gegen die Sicherheitsbeauftragten von Crans-Montana wird schliesslich bereits ermittelt.

Noch seltsamer wurde es am Tag danach, als Regierungsrat Mathias Reynard (38) und Beatrice Pilloud während der Pressekonferenz unter dem Tisch kurz Händchen hielten. Einer Juristin, die 1999 ihren Abschluss gemacht hat, musste klar sein, dass dies bei aller Trauer unschicklich ist – und den Anschein der Gewaltentrennung untergräbt.

Mit den handwerklichen Fehlern (hier geht es zur Liste), die Pilloud bei den Ermittlungen zugelassen hat, macht dies keinen guten Eindruck. Oder wie ein Opferanwalt am Mittwoch zu Blick sagt: «Einmal mehr stellt sich die Frage nach der professionellen Distanz der Generalstaatsanwältin. Einer seriösen Untersuchung der Vorgänge im Le Constellation hilft das überhaupt nicht!»

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