Wer ist Italo-Ermittler Francesco Lo Voi?
Dieser Star-Mafiajäger soll jetzt in Crans-Montana aufräumen

Staatsanwalt Francesco Lo Voi wird die italienischen Crans-Montana-Ermittlungen leiten. Obwohl er mit Meloni zerstritten war, ziehen sie jetzt an einem Strang. Wer ist der Mann, der sich als gewiefter Mafiajäger einen Namen gemacht hat?
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Der oberste Ankläger aus Rom: Staatsanwalt Francesco Lo Voi.
Foto: Dukas

Darum gehts

  • Strapazierte Beziehungen zwischen Giorgia Meloni und der Justiz
  • Ermittler Francesco Lo Voi leitete Verfahren gegen Meloni wegen libyscher Generalfreilassung 2025
  • Erstes Treffen der Staatsanwaltschaften in Bern auf 19. Februar 2026 angesetzt
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni (49) hält einen Zettel in die Kamera. «Mit freundlichen Grüssen», steht darauf handschriftlich, darunter die Unterschrift von Francesco Lo Voi (68), dem römischen Staatsanwalt. Die Geste ist demonstrativ. Die Premierministerin zeichnet das Bild einer Justiz, die ihre Regierung ins Visier nimmt – und stilisiert Lo Voi zu ihrem Gegenspieler.

Lo Voi, der oberste römische Ankläger, hatte wegen der Freilassung eines libyschen Foltergenerals ein Verfahren gegen Meloni eröffnet. Ziemlich unverblümt unterstellt sie der Justiz politische Absichten, der Fall dominierte die italienischen Schlagzeilen.

Jetzt, ein Jahr später, nimmt Meloni eine andere Staatsanwaltschaft ins Visier – jene des Kantons Wallis. Ausgerechnet Lo Voi wird dabei zu einer der wichtigsten Figuren für Meloni! Er leitet die italienischen Ermittlungen im Fall Crans-Montana.

Meloni hatte diese mit einem diplomatischen Angriff gefordert: Sie zog ihren Botschafter aus Bern ab und stellte ein Ultimatum. Er werde erst zurückgeschickt, wenn ihre Leute an den Ermittlungen mitwirken dürfen. Am nächsten Donnerstag kommt es zum ersten Treffen der Staatsanwaltschaften in der Schweiz. Auch Lo Voi dürfte dabei sein. 

Im Kampf gegen die Mafia

Wer ist Lo Voi, der seit 2021 der Staatsanwaltschaft Rom vorsteht? Obwohl der Sizilianer in die Kritik der Regierung geriet, gehört er eigentlich selbst eher ins konservative Lager. Er gilt als konziliant, Unterstützung genoss er in allen politischen Lagern – so verschaffte ihm etwa der frühere Premier Silvio Berlusconi (1936–2023) den Posten der italienischen Vertretung bei der EU-Justizbehörde Eurojust in Den Haag.

Vor seiner Zeit in Rom leitete Lo Voi die Staatsanwaltschaft von Palermo. Er setzte sich bei der Wahl gegen zwei prominente Kandidaten durch – seine Fähigkeiten waren unbestritten. Er hatte sich als einer der wichtigsten Mafiajäger Italiens profiliert und trug zur Verurteilung Hunderter Mafiabosse bei, darunter eines langjährigen Oberhaupts eines Cosa-Nostra-Clans. Er arbeitete eng mit den legendären Richtern Giovanni Falcone (1939–1992) und Paolo Borsellino (1940–1992) zusammen – beide kamen bei Attentaten der Cosa Nostra ums Leben und wurden zu Symbolfiguren des Kampfes gegen die organisierte Kriminalität.

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Ermittlungen gegen die Regierung

Lo Voi gilt als unparteiisch, ein Mann der Kompromisse. Es heisst, er sei ein stiller Schaffer, der sich aus öffentlichen Diskussionen heraushält. 

Trotzdem ist er mit Meloni nicht zum ersten Mal in Konflikt geraten. Lo Voi war auch der Mann, der gegen den früheren Innenminister Matteo Salvini (52) ermittelte. Dieser wurde vor Gericht gestellt, weil er einem Rettungsschiff mit fast 150 Menschen an Bord die Einfahrt in einen italienischen Hafen verwehrt hatte. Der Prozess endete mit einem Freispruch – und Lo Voi fiel bei Italiens Rechten in Ungnade. 

Das beeindruckte ihn offenbar wenig. Neben Meloni knöpfte er sich vergangenes Jahr weitere Teile der Regierung vor. Die Ermittlungen gegen Meloni wurden mittlerweile eingestellt, weil sie wohl nicht im Voraus informiert gewesen sei.

Treffen in Bern angesetzt

Die Bruchlinie zwischen Lo Voi und Meloni zeigt exemplarisch, wie sich Regierung und Justiz in Italien seit Jahren bekriegen. Nun erlebt die Schweiz gewissermassen selbst, wie es ist, wenn man ins Visier der Regierung in Rom gerät.

Die Schweiz ist auf das Rechtshilfegesuch aus Italien eingegangen. Kommenden Donnerstag wird in Bern das erste «technische Treffen» zwischen der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis und der Staatsanwaltschaft Rom stattfinden. Das Bundesamt für Justiz wird das Treffen begleiten, wie es auf Anfrage bestätigt.

Das Treffen hat zum Ziel, die Details der Zusammenarbeit der beiden Staatsanwaltschaften zu klären und die Strafverfahren beider Länder zu koordinieren. Im Rahmen dieses Treffens wird auch die Möglichkeit einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe besprochen. An diese konkrete Bedingung hat Meloni die Rückkehr des italienischen Botschafters in die Schweiz geknüpft.

Bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana ziehen Meloni und Lo Voi also ausnahmsweise am selben Strang.

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