«Wir sind fassungslos, ungläubig, traurig und entsetzt»
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Abgeordneter Toni Ricciardi:«Wir sind fassungslos, ungläubig, traurig und entsetzt»

Holprige Ermittlungen zum Inferno von Crans-Montana
Die Fehlerliste der Walliser Staatsanwaltschaft wird immer länger

Nicolas Féraud, Gemeindepräsident von Crans-Montana, gibt im Interview weitere Versäumnisse der Walliser Ermittlungsbehörden zu. Das wirft ein noch schlechteres Licht auf Generalsstaatsanwältin Beatrice Pilloud und ihr Vorgehen. Blick zeigt die bisherigen Fehler auf.
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Die Walliser Staatsanwaltschaft um Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud kommt nicht zur Ruhe. Ihre Fehlerliste wird länger und länger.
Foto: AP

Darum gehts

  • Walliser Ermittlungen um Feuerinferno geraten in Krise, zahlreiche Fehler aufgedeckt
  • Videomaterial gelöscht, Gemeindepräsident Crans-Montana nicht befragt, Obduktionen verspätet
  • 200'000 Franken Kaution für Barbesitzer Moretti nach kurzzeitiger Festnahme
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Martin MeulReporter News

Es wird nicht besser für Beatrice Pilloud (50), die Walliser Generalstaatsanwältin und ihr Team. Die Ermittlungen im Fall des Infernos von Crans-Montana entwickeln sich immer weiter zum Fiasko für Walliser Justiz. Die Liste der Fehler wird immer länger. 

Neuestes Beispiel: Der Umgang mit dem Gemeindepräsidenten Nicolas Féraud (55). Dieser offenbart in einem Interview weitere fragliche Vorgehensweisen der Walliser Staatsanwaltschaft. Sie reihen sich ein in eine lange Liste von Ungereimtheiten. Diese Fehler wurden bislang gemacht:

1

Gemeindepräsident nicht befragt

In einem Interview vom Dienstag erklärt Nicolas Féraud, dass er bislang nicht von der Staatsanwaltschaft befragt worden ist. Das überrascht sehr. Immerhin steht der Verdacht im Raum, dass die Gemeinde bei der Kontrolle der Brandschutzvorschriften in der Inferno-Bar geschlampt haben könnte.

2

Videomaterial nicht gesichert

Wie die NZZ am Dienstag berichtet, fehlen Dutzende Aufnahmen von Videokameras in und um die Bar Le Constellation. Sie wurden gelöscht. Die Staatsanwaltschaft hat es versäumt, die Aufnahmen rechtzeitig zu sichern. Ein gravierender Fehler. 

3

Fragwürdige Gewaltentrennung

Staatsanwältin Pillloud trat bei Pressekonferenzen mit Kantons- und Gemeindevertretern auf und besichtigte gemeinsam mit Gemeindepräsident Féraud den Ort des Infernos. Ein happiger Fehler, denn der Staatsanwältin muss klar sein, dass sowohl Gemeinde wie auch Kanton in ein Strafverfahren involviert sein können. 

4

Die Sache mit der U-Haft

Jacques Moretti (49), Besitzer der Inferno-Bar, blieb tagelang auf freiem Fuss. Die Staatsanwältin sah weder Flucht- noch Kollusionsgefahr. Dann kam der Sinneswandel: Moretti wurde am 9. Januar doch noch festgesetzt. Am Freitag dann kam er wieder frei unter Auflagen und gegen eine Kaution von 200'000 Franken. Kritiker befürchten, dass nun wieder Verdunklungsgefahr besteht. 

5

Das Obduktionsdesaster

Drunter und drüber ging es bei der Obduktion der Opfer des Feuerinfernos. Einige wurden gar nicht obduziert, andere wiederum verspätet. Schlagzeilen machte der Fall von Trystan Pidoux (†17), dessen Beerdigung verschoben werden musste, weil sich die Walliser Behörden letztlich doch noch für eine Untersuchung des Leichnams entschieden hatten. 

6

Rechtliche Fauxpas

Zuerst sollten Opferanwälte von Vernehmungen ausgeschlossen werden – obwohl das Gesetz sie ausdrücklich zulässt. Dann empfahl die Staatsanwaltschaft den Angehörigen der Opfer auch Anwälte, die im Aufsichtsorgan der Walliser Behörde, dem Justizrat, sitzen. Fehler, die die Kompetenz der Ermittler in Frage stellen. 

7

Amateurhafte Kommunikation

Wenige Tage nach der Tragödie erklärte die Walliser Staatsanwaltschaft, dass Medienanfragen nicht mehr beantwortet würden. Man werde nur noch über Mitteilungen kommunizieren. Das trägt wenig zum Vertrauen in die Staatsanwaltschaft bei. Bei einem schwerwiegenden Fall wie diesem muss eine professionelle Kommunikationsstrategie etabliert werden.

8

Sture Behörden

Der vielleicht grösste Fehler der Walliser Behörden liegt aber in ihrer Tendenz zur Abschottung. Trotz massivem internationalem Druck und der anfänglich gemachten Fehler wird die Einsetzung eines ausserordentlichen Staatsanwalts bislang kategorisch abgelehnt. Das birgt nicht nur das Risiko einer fragwürdigen Ermittlungsarbeit, sondern hat auch das Potenzial, dem Wallis und der Schweiz massiv zu schaden.

Mit jedem weiteren Versäumnis wird der Druck aus dem In- und Ausland auf Pilloud und ihr Team weiter zunehmen. Und bisher scheint die Fehlerserie der Walliser Justiz noch lange nicht zu Ende zu sein. 

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