Darum gehts
- Zwei Club-Infernos in Kochani und Crans-Montana forderten viele junge Opfer
- In Nordmazedonien starben 63, im Wallis 40 zumeist junge Leute
- In Nordmazedonien 35 Personen und drei Firmen angeklagt, viele in Haft
- Im Wallis keine Verdächtigen in Polizeigewahrsam
Ein Vergleich zwischen den Club-Infernos in der nordmazedonischen Stadt Kochani und in Crans-Montana VS drängt sich auf. Beide Tragödien ereigneten sich nach Mitternacht in überfüllten Nachtlokalen mit jungen Opfern und wurden durch Pyrotechnik oder ähnliche Funkenquellen ausgelöst. Kochani forderte 63 Tote, darunter sechs Minderjährige. Im Wallis war die Hälfte der Toten unter 18. Bei beiden Tragödien starben die Menschen durch Feuer, Rauchvergiftung und Panik.
Während die juristische Aufarbeitung in der Schweiz eben erst angelaufen ist, begann der Prozess in Nordmazedonien Mitte November, acht Monate nach dem Inferno. In Nordmazedonien war es kurz nach der Katastrophe zu einer Vielzahl von Verhaftungen gekommen. Mehr als ein Dutzend Personen kam zunächst in Haft bzw. polizeilichem Gewahrsam.
Nicht so in der Schweiz. Der Hauptverdächtige, Barbetreiber Jacques Moretti, wurde drei Wochen nach dem Unglück gegen Kaution aus U-Haft entlassen – als einziger Verdächtiger war er kurz in Haft. Seine Frau Jessica Moretti, Mitbetreiberin des Inferno-Lokals «Le Constellation», blieb immer auf freiem Fuss.
Angeklagte in Haft
In Nordmazedonien wurden 35 Personen sowie drei Unternehmen angeklagt – und nicht alle kamen bis Prozessbeginn frei. Angeklagte – darunter der Clubbesitzer – wurden am 19. November mit Handschellen aus dem Idrizovo-Gefängnis zum Prozessbeginn in Skopje eskortiert, wie die BBC berichtete.
Unter den Angeklagten, denen schwere Verbrechen gegen die allgemeine Sicherheit vorgeworfen werden, befinden sich drei ehemalige Bürgermeister von Kochani, der Besitzer des Nachtclubs sowie Inspektoren, Sicherheitspersonal und Regierungsbeamte.
Weitere Festnahmen
Kurz nach Prozessbeginn wurden zudem Dutzende Mitarbeiter der örtlichen Steuerbehörde im Zusammenhang mit dem Kochani-Brand festgenommen, mit Verdacht auf Amtsmissbrauch und Bestechung, wie die nordmazedonische Agentur MNA berichtet. Häuser und Büros wurden durchsucht.
Der Club «Pulse» in Kochani war illegal ohne gültige Betriebsgenehmigung betrieben worden. Er fehlte in der offiziellen Lizenzdatenbank. Eine gefälschte Genehmigung war offenbar durch Korruption und Bestechung erlangt worden. Die Crans-Montana-Bar «Le Constellation» hatte Genehmigungen und Kontrollen, trotz bekannter Mängel.
Bis heute wurden beim Prozess in Skopje noch keine rechtskräftigen Urteile gefällt. Der Prozess könnte Jahre dauern. Einige der Angeklagten sind auf freiem Fuss, während sie auf Verhandlungen warten.
Premier: Keine politische Einmischung
Nach dem Inferno hatte die nordmazedonische Regierung eine siebentägige Staatstrauer ausgerufen und Schwerverletzte mit EU-Hilfe ins Ausland evakuiert, darunter nach Bulgarien, Serbien und Griechenland.
Landesweit gab es Massenproteste gegen Korruption und Behördenversagen. Demonstranten hielten Mahnwachen und kritisierten jahrelange Missachtung von Sicherheitsvorschriften.
Ministerpräsident Hristijan Mickoski (48) versprach schnelle Aufklärung und Unterstützung für Opferfamilien. Zum Prozessauftakt versicherte er, dass die Regierung keinerlei politische Einmischung in den Prozess ausübt.