Hier erscheint Jessica Moretti zur nächsten Anhörung
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Inferno-Wirtin Crans-Montana:Hier erscheint Jessica Moretti zur nächsten Anhörung

Morettis verstricken sich bei Verhören in Widersprüche
Verschlossene Türe war offenbar doch ein Notausgang

Eine verriegelte Tür in der Inferno-Bar in Crans-Montana war laut Akten ein Notausgang. Betreiber Jacques und Jessica Moretti schieben die Schuld auf einen Mitarbeiter – doch Polizeiakten widersprechen. Die Morettis verstricken sich in Widersprüche.
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Jacques und Jessica Moretti – bisherige Darstellungen der Betreiber geraten zunehmend ins Wanken.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Tödlicher Brand in Crans-Montana VS, eine verriegelte Notausgangstür verhindert Flucht
  • Betreiber beschuldigen Saisonarbeiter, widersprüchliche Aussagen zur Türverriegelung bekannt
  • Mindestens eine Person starb, Brandschutzkontrollen beanstandeten keine Mängel
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Mehr als drei Wochen nach dem tödlichen Brand in Crans-Montana VS geraten die bisherigen Aussagen der Betreiber Jacques und Jessica Moretti zunehmend ins Wanken. Recherchen zeigen, dass eine Tür im Erdgeschoss der Bar – hinter der mehrere bewusstlose Gäste gefunden wurden – kein harmloser Hintereingang, sondern ein geplanter Notausgang war. Genau diese Tür war jedoch verriegelt. Mindestens eine Person starb hinter der verschlossenen Tür.

Aus den Untersuchungsakten der Walliser Staatsanwaltschaft geht hervor, dass der Seitenausgang bei der Baubewilligung klar als Notausgang vorgesehen war. Entsprechend hätte er beschildert und jederzeit zugänglich sein müssen, berichtet die «NZZ am Sonntag». Trotzdem war die Tür im Brandfall nicht zu öffnen.

Widersprüchliche Aussagen

Wie RTS berichtet, beschuldigen Jacques und Jessica Moretti einen Saisonarbeiter. Dieser habe kurz nach 1 Uhr nachts die Tür abgeschlossen und sei anschliessend «eilig» nach Frankreich «geflohen». Jessica Moretti erfuhr es von einer Angestellten, der sich der Täter anvertraut hatte. Jacques Moretti soll dem Mann daraufhin noch eine Nachricht geschickt haben, in der er ihn aufgefordert habe, nicht zu fliehen, sondern Verantwortung zu übernehmen.

Diese Darstellung steht jedoch im direkten Widerspruch zu den Aussagen des Kellners gegenüber der Polizei. Der Mann wurde am Morgen des 1. Januar befragt und gab an, die Tür sei bereits verriegelt gewesen, als er eintraf. Er wisse nicht, wer sie abgeschlossen habe. Damit stehen sich zwei Versionen unvereinbar gegenüber. Zudem spricht die zeitnahe polizeiliche Befragung gegen eine tatsächliche Flucht.

Unabhängig davon bestreitet Jacques Moretti weiterhin, dass es sich bei der Tür um einen Notausgang gehandelt habe. Er spricht von einer reinen «Servicetür». Die Aktenlage widerspricht dieser Darstellung jedoch. Unklar bleibt, ob der Betreiber selbst über die Notausgänge seiner Bar informiert war – oder ob ihm die entsprechenden Unterlagen gar nicht vorlagen.

Schaumstoff von Hornbach

Brisant ist auch ein weiterer Punkt: Bei einer Brandschutzkontrolle wurde der fehlende Notausgang nicht beanstandet, wie aus dem Kontrollprotokoll hervorgeht. Damit rückt auch die Rolle der Gemeinde Crans-Montana in den Fokus. Weder die Gemeinde noch die Anwälte der Morettis wollten Stellung nehmen. Laut RTS bestritten Jacques und Jessica Moretti in stundenlangen Verhören jede Schuld.

Zusätzliche Fragen wirft die Innenausstattung mit dem hochbrennbaren Schaumstoff an der Decke der Bar auf. RTS zufolge erklärten die Betreiber, die Baumarktkette Hornbach habe sie beraten, jedoch nicht auf mögliche Risiken hingewiesen. Jacques Moretti schilderte, ein einfacher Test an einem Schaumstoffstück habe ihn wegen geringer Flammenbildung beruhigt – trotz starken Rauchs und intensiven Geruchs.

Ein Provisorium statt Brandschutz. Eine verriegelte Tür statt Fluchtweg. Und Kontrollen, die nichts beanstandeten. Je mehr Details bekanntwerden, desto drängender wird die zentrale Frage dieses Infernos: Ob es kein tragischer Unfall war – sondern eine Kette von Ignoranz, Wegschauen und falschen Annahmen.

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