Darum gehts
- Brandkatastrophe in Crans-Montana forderte 40 Tote, Ermittlungen laufen auf Hochtouren.
- Katastrophen-Bar wurde mit Schwarzarbeiter umgebaut
- Morettis hinterlegten je 200’000 Franken Kaution – Inferno-Wirtin ohne elektronische Fussfessel.
Die Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana VS laufen auf Hochtouren. Diese Woche verhörte die Walliser Staatsanwaltschaft erneut die Barbetreiber Jacques Moretti (49) und seine Ehefrau Jessica (40). Mehr als zehn Stunden lang mussten die beiden Fragen zum Inferno in der Silvesternacht beantworten, bei dem 40 Menschen ums Leben kamen.
Im Zentrum der Ermittlungen steht auch ein Umbau der Bar Le Constellation im Jahr 2015. Damals liess das Ehepaar Moretti die hochentzündliche Deckenverkleidung einbauen, die bei der Tragödie in der Silvesternacht in Brand geriet. Gleichzeitig wurde die Treppe verschmälert, die für die Flüchtenden zur Todesfalle wurde. Bilder des Umbaus auf Facebook sind kurz nach der Katastrophe klammheimlich gelöscht worden.
Letzte Woche berichtete die «NZZ am Sonntag», dass Jacques Moretti wegen Schwarzarbeit vorbestraft ist. Ermittlungsakten, die Blick vorliegen, zeigen jetzt, dass Moretti diese Straftat beim fragwürdigen Umbau der Bar Le Constellation begangen hat.
Moretti kannte Schwarzarbeiter von früher
In einem Verhör fragten die Ermittler Moretti, ob er in der Schweiz jemals verurteilt worden sei. Er antwortete: «Ja, während der Arbeiten am Constellation im Jahr 2015.» Während der Renovierung der Bar sei es zu «Kontrollen» gekommen. Durch wen genau, bleibt unerwähnt. Moretti musste dann aber eine Geldstrafe bezahlen, weil er einen Arbeiter schwarz beschäftigt hatte.
Auf Nachfrage eines Opferanwalts, wer genau bei den Renovierungsarbeiten geholfen habe, präzisiert Moretti im Verhör: «Es handelt sich um einen Rumänen.» Schon früher hätten sie zusammengearbeitet, zwischen 2008 und 2010 an einem Haus auf Korsika. Dann will der Opferanwalt weiter erfahren, wie sich der Rumäne kontaktieren lasse. Doch Moretti blockt ab: «Um ihn zu schützen, möchte ich diese Information nicht preisgeben.»
Ob die Staatsanwaltschaft den Rumänen vernommen hat oder dies noch vorhat, ist nicht klar. Als Zeuge könnte der Schwarzarbeiter für die Strafuntersuchung relevant werden.
In den Ermittlungsakten heisst es: «Die Geschwindigkeit der Brandausbreitung lässt vermuten, dass die Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten wurden.» Die Walliser Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem deshalb gegen die Morettis wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Darauf steht eine Maximalstrafe von drei Jahren Haft. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Betreiberpaar bereits beim Einbau des Schaumstoffs wusste, wie leicht entzündlich das Material war, und die Gefahr in Kauf nahm, stünde ein anderer Vorwurf im Raum: Eventualvorsatz. Ein juristischer Fachbegriff mit drastischen Konsequenzen. Das Strafmass beträgt in diesem Fall bis zu 20 Jahre Freiheitsentzug. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.
Morettis Vorstrafen werfen auch Fragen zu seiner Geschäftstätigkeit auf. Wer im Kanton Wallis eine Bar betreiben will, muss grundsätzlich einen einwandfreien Leumund vorweisen. Moretti aber konnte mehrere Lokale in Crans-Montana und in Lens eröffnen. Wie das möglich war, ist bislang ungeklärt. Die Anwälte der Morettis sagten vergangene Woche an einem Medienanlass: «Das ist Teil der Ermittlungen, zu denen wir uns jetzt nicht äussern dürfen.»
Sicherheitsmängel nicht behoben
Offen ist auch, weshalb die Morettis mehrere Brandschutzvorgaben nicht umgesetzt haben. Bei einer Kontrolle durch die Gemeinde im Jahr 2018 stellte der damalige Sicherheitsbeauftragte zahlreiche Mängel fest, wie eine Recherche von RTS gezeigt hat. Der Brandschutzexperte forderte das Betreiberpaar auf, die maximale Belegung pro Etage auf 100 Personen zu beschränken. Zudem hätten sie den Standort der Feuerlöscher klar kennzeichnen müssen, Evakuationspläne erstellen und das Personal entsprechend schulen sollen. Doch es geschah nichts. Ein Jahr später stellten die Gemeinde-Kontrolleure dieselben Mängel fest.
Nach 2019 gab es dann keine Kontrollen mehr in der Bar Le Constellation, was kein gutes Licht auf die Gemeinde wirft. Ebenso, dass die Behörden einem Vorbestraften mehrere Betriebsbewilligungen erteilt haben. In den vergangenen Tagen haben denn auch mehrere Opferanwälte öffentlich gefordert, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf die Gemeinde-Verantwortlichen ausweitet.
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Am Freitag wurde Jacques Moretti nach zwei Wochen aus der Haft entlassen, was vor allem in Italien für heftige Kritik sorgte. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) zeigte sich empört: «Ich halte dies für eine Beleidigung des Andenkens an die Opfer der Neujahrstragödie.»
Bei Jessica Moretti verzichtete die Justiz von Beginn weg auf U-Haft, obwohl auch bei ihr Fluchtgefahr besteht. Im Gegensatz zu ihrem Mann sei sie aber stärker in der Gemeinde verwurzelt. Eine entscheidende Rolle dürfte zudem gespielt haben, dass sie sich um die zwei kleinen Kinder kümmern muss.
Keine Fussfessel für Moretti
Anstelle der U-Haft beantragte die Walliser Staatsanwaltschaft Ersatzmassnahmen: Jessica Moretti erhielt die Anweisung, sich täglich bei der Polizei zu melden. Ihr Pass wurde eingezogen und auch sie muss wie ihr Ehemann eine Kaution in Höhe von 200’000 Franken hinterlegen.
Viele Medien berichteten fälschlicherweise, dass Jessica Moretti eine elektronische Fussfessel tragen muss. Richtig ist: Die zuständige Staatsanwältin beantragte diese Massnahme, doch das Walliser Zwangsmassnahmengericht lehnte sie ab.
Blick liegt der Entscheid vom 12. Januar vor. Darin argumentiert das Gericht, eine Fussfessel eigne sich nicht als wirksame Zwangsmassnahme. Mit dem Gerät könne eine Flucht oft lediglich im Nachhinein festgestellt werden. Zudem lasse sich die Fussfessel «leicht ausser Kraft setzen».
Tatsächlich vermitteln elektronische Fussfesseln eine trügerische Sicherheit. In vielen Kantonen, darunter im Wallis, werden sie nur während der Bürozeiten überwacht. Flieht eine Person, bleibt die Alarmmeldung an Wochenenden und nachts unbemerkt.
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