Brisantes Treffen im Wallis
Kanton predigt Brandschutz – und missachtet selbst Regeln

Nach der Tragödie von Crans-Montana traf sich der Kanton mit den Sicherheitsbeauftragten der Gemeinden zum Thema Brandschutz. Doch ausgerechnet bei diesem Treffen sollen zentrale Vorschriften missachtet worden sein.
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Die kantonale Dienststelle für zivile Sicherheit und Militär lud die Sicherheitsbeauftragten der Walliser Gemeinden zu einer Sitzung über Brandschutznormen ein. Im Bild die Inferno-Bar in Crans-Montana VS.
Foto: CYRIL ZINGARO

Darum gehts

  • Brandschutzsitzung mit 90 Teilnehmern am 12. Februar
  • Raum hatte nur einen Notausgang, geforderte Sicherheitsstandards nicht eingehalten
  • 270 Fragen wurden gestellt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Myret Zaki

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS sind die Spannungen bis in die Amtsstuben des Kantons Wallis spürbar. Das zeigte sich am 12. Februar: Die kantonale Dienststelle für zivile Sicherheit und Militär lud die Sicherheitsbeauftragten der Gemeinden zu einer Sitzung ein, um über die Brandschutznormen zu diskutieren.

Ziel des Treffens war es, «einen direkten Austausch und eine Informationsweitergabe» über die Sicherheit von Einrichtungen, die aktuelle Praxis und die Realitäten in den Gemeinden zu ermöglichen. Gleichzeitig sollten die kommunalen Sicherheitsbeauftragten Rückmeldungen zu den Herausforderungen vor Ort geben. Die Erkenntnisse aus dem Austausch sollen dazu beitragen, den Bedarf an Unterstützung zu klären – und den Sicherheitsbeauftragten Instrumente zur Verfügung zu stellen, die sie bei ihren Aufgaben unterstützen. Das Treffen fand an einem öffentlich nicht bekannten Ort statt.

90 Teilnehmer, ein einziges Ergebnis

Doch das Treffen verlief offenbar nicht wie geplant. Wie Blick erfuhr, soll an der Sitzung ein angespanntes Klima geherrscht haben – auch die Organisation an sich sorgte für Unmut. Pikant: Die Durchführung selbst soll laut übereinstimmenden Quellen gegen mehrere Sicherheitsvorschriften verstossen haben.

Demnach waren rund 90 Teilnehmer in einem Raum versammelt, der nur über einen einzigen Notausgang verfügte – obwohl die Normen der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen für Räume mit mehr als 50 Personen zwei Ausgänge vorsehen. Während der Sitzung sei zudem darauf hingewiesen worden, dass die Belegung auf maximal 20 Personen beschränkt werden müsste, wenn ein Raum die vorgeschriebenen Anforderungen nicht erfüllt.

Eine sichtbare Beschilderung eines Notausgangs habe ebenfalls gefehlt, berichten Teilnehmer weiter. Ausserdem habe sich die Tür nicht in Fluchtrichtung geöffnet. Die Teilnehmer seien anschliessend zu einem Apéro in einen Raum im Untergeschoss eingeladen worden – ohne sichtbare Hinweise auf Fluchtwege.

Auch seien nach der Sitzung viele Fragen offengeblieben. Antworten der Kantonsvertreter seien von den kommunalen Sicherheitsbeauftragten als unvollständig oder widersprüchlich eingestuft worden, und die für den Austausch aufgewendete Zeit sei als unzureichend empfunden worden.

Sogar Rücktritte gefordert

Die Sicherheitsbeauftragten der Gemeinden sollen laut Informationen von Blick mit einer kollektiven Kündigung gedroht haben, «wenn keine Klärung oder Entwicklung stattfindet». Zudem sollen einzelne Stimmen den Rücktritt der Chefin der Dienststelle für zivile Sicherheit des Kantons Wallis, Marie-Claude Noth-Ecoeur, sowie des Generalsekretärs des Departements für Sicherheit, Institutionen und Sport, Olivier Beney, gefordert haben.

Noth-Ecoeur nahm gegenüber Blick im Namen beider Stellung: Die erwähnten Kündigungsdrohungen seien «uns in dieser Sitzung nicht mitgeteilt worden», erklärte sie.

«Mit Brandmeldeanlage ausgestattet»

Zu den Sicherheitsstandards, die am Tag der Sitzung nicht eingehalten worden sein sollen, zitiert Noth-Ecoeur die entsprechende Brandschutznorm, die besagt, dass «im Einzelfall statt der vorgeschriebenen Massnahmen andere Brandschutzmassnahmen angewendet werden können, sofern diese für das betreffende Objekt eine gleichwertige Sicherheit bieten». Das fragliche Gebäude sei «mit einer Brandmeldeanlage ausgestattet, die als Ausgleichsmassnahme installiert wurde».

Zudem gab sie an, dass viele Fragen an dieser Sitzung innerhalb der vorgesehenen Zeit beantwortet worden seien: «Die Sicherheitsbeauftragten haben uns 270 Fragen übermittelt. Ein Teil davon bedurfte einer Klärung. Das kantonale Feueramt hat sich verpflichtet, alle Antworten bis Ende des Monats schriftlich zu liefern, wie an der Sitzung angekündigt.»

Zusätzliche Unterstützung durch den Kanton

Noth-Ecoeur und Beney halten in ihrer Stellungnahme weiter fest, sie hätten vollstes Verständnis dafür, dass die Sicherheitsbeauftragten der Gemeinden «sich viele Fragen stellen und im Hinblick auf die Aufgaben und Aufträge, die von ihnen erwartet werden, möglicherweise Bedenken haben». Aus diesem Grund «beabsichtigt das Departement, die Gemeinden im Bereich des Brandschutzes zusätzlich zu unterstützen».

Konkret habe das Departement beschlossen, die Ausbildung der kommunalen Sicherheitsbeauftragten zu verstärken und eine IT-Plattform zu entwickeln, die die Überwachung der von den Gemeinden durchzuführenden Kontrollen erleichtern soll. Parallel dazu soll die im November 2025 eingeleitete Totalrevision des Gesetzes über den Schutz vor Feuer und Naturgefahren die Lehren aus dem Drama aufnehmen und so rasch wie möglich vorangetrieben werden.

Dieser Text erschien zuerst bei Blick.ch/fr und wurde aus dem Französischen übersetzt und gekürzt. 

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