Darum gehts
- Basel überprüft 73 Cliquenkeller auf Brandschutz vor der diesjährigen Fasnacht
- Viele Cliquen kritisieren kurze Fristen und finanzielle Belastungen
- 31 Fasnachtscliquen fordern mehr Dialog und Augenmass von der Regierung
In Basel steigt die Vorfreude auf «die drey scheenschte Dääg». Doch besonders bei den Cliquenkellern dürfte sich die Freude in Grenzen halten. Nach der Katastrophe von Crans-Montana VS hat der Kanton den Brandschutz besonders genau unter die Lupe genommen. 73 Keller wurden in den letzten Wochen überprüft. Bei der grossen Mehrheit zeigte sich Anpassungsbedarf.
Die Regeln zu den Kontrollen selbst bestehen seit langem, erklärt Veronika Röthlisberger, Direktorin der Gebäudeversicherung Basel-Stadt. Neu sei, dass diese im Hinblick auf die Fasnacht 2026 breiter und intensiver überprüft werden. Bisher seien diese bei Cliquenkellern insbesondere im Rahmen von Bewilligungsverfahren, bei baulichen Veränderungen oder Nutzungsänderungen erfolgt.
«Crans-Montana hat gezeigt, wie wichtig der konsequente Vollzug des Brandschutzes ist», so Röthlisberger. Die Gebäudeversicherung Basel-Stadt sei vom Kanton beauftragt, den Brandschutz risikobasiert zu vollziehen. Die Tragödie habe den Blick auf die Risikoeinschätzung verändert, auch wenn diese Risiken schon vorher bestanden hätten.
Viel Kritik seitens der Fasnächtler
Die Clique «Schnurepfluderi» gehört zu den Leidtragenden. Der Keller bleibt geschlossen – zumindest für die diesjährige Fasnacht. «Wir können in einer derart kurzen Zeit nicht alle Forderungen umsetzen», sagt die Clique auf Anfrage. Da es sich um eine vergleichsweise kleine Clique mit einem grossen Keller handle, fehle ihnen das Personal, um alle Vorgaben rechtzeitig zu erfüllen. «Es ist übertrieben, was da abgeht. Natürlich existiert das Brandschutzgesetz, aber über Jahrzehnte hinweg hat sich niemand wirklich darum gekümmert.» Besonders ärgerlich seien die finanziellen Auswirkungen. So habe man alle Reservationen absagen müssen. Das entspreche einem Umsatz in Höhe einer Jahresmiete, der ins Wasser fiele. Das Geld fehle nun, was insbesondere für eine kleine Clique erheblich sei.
Ein offener Brief an die Basler Regierung, unterzeichnet von 31 Fasnachtscliquen, bestätigt die Unzufriedenheit vieler weiterer Betroffener. Die Basler Cliquen seien bemüht, die notwendigen Sicherheitsmassnahmen einzuhalten, heisst es im Schreiben. Dafür brauche es aber einen transparenten Dialog und Lösungsbereitschaft auch seitens der Verwaltung. Verschiedene Massnahmen würden das nötige Augenmass vermissen lassen. Auch die kurzen Fristen werden kritisiert. Dass die Entscheide zu den Kellerschliessungen und Obergrenzen zwei Wochen vor dem Morgenstraich gefällt und kommuniziert worden seien, sei für die Cliquen sehr schwierig.