Darum gehts
- Grab von Trystan Pidoux (†17) in Pully ist nicht für die Ewigkeit.
- Auf dem Friedhof kam es zu wilden Szenen.
- Die Behörden bleiben stur, Umzonung ist nicht möglich.
Skurrile Szenen auf dem Friedhof von Pully VD am Mittwochmorgen um 8 Uhr. Polizisten sind vor Ort, es herrscht viel Betrieb. «Es ist eine Sauerrei, was da passiert», sagt Christian Pidoux zu Blick. Sein Sohn Trystan (†17) ist eines der Opfer vom Inferno von Crans-Montana. «Mein Kind wird wie ein Sack Müll behandelt.»
Der Grund für Pidoux's Zorn: Das Grab seines Sohnes muss wieder geöffnet werden.
Grabgebühren nicht bezahlt?
Was genau sich auf dem Friedhof abgespielt hat, kann Pidoux nicht sagen, er war nicht vor Ort. «Sohn soll umgebettet werden, wohin weiss ich nicht», sagt er am Telefon.
Der Grund für die Aufregung: Trystans Mutter Vinciane Stucky hat am Morgen direkt vor der Grabstelle ein frisches Grab entdeckt.
Später wird klar: Trystan hat seine letzte Ruhestätte noch nicht gefunden. «Er liegt in einem sogenannten Reihengrab, einem System, bei dem die Leichen nacheinander ohne reservierten Platz und nur für eine begrenzte Dauer beigesetzt werden», sagt Pidoux.
Niemand habe ihn oder seine Ex-Frau darüber informiert. «Wir wären bereit für das Grab zu bezahlen, doch das geht offenbar nicht», so der Vater. Trystan müsse exhumiert und umgebettet werden. «Das ist vollkommen inakzeptabel», so Pidoux.
Ein Schock für die Mutter
Am Mittwoch wollten die Angehörigen von Trystan mit den Behörden über eine Lösung sprechen. So auch die Mutter von Trystan, Vinciane Stucky. Für sie ist die Exhumierung und Umbettung ihres toten Sohnes ein Schock. Ein Video zeigt die Frau im Gespräch mit Polizisten. «Bis jetzt lag Trystan wenigsten in einem Sarg, nun müssen wir ihn in einem dieser kleinen Gräbern beerdigen», sagt die Frau mit tränenerstickter Stimme.
Trystan solle aber dort liegen bleiben, wo er nun begraben sei. «Der Ort ist zu einer Gedenkstätte geworden», so Christian Pidoux.
Es seien «Scheiss Gesetze» so die Mutter weiter. «Manchmal braucht es ein gewisses Augenmass», sagt Stucky weiter. «Es gibt nicht einen Tag in meinem Leben, an dem ich schlafen kann, nicht eine Minute der Ruhe.» Sie habe gehofft, eines Tages neben ihrem Sohn beerdigt zu werden.
Allerdings bliebt die Stadt Pully hart. Die Nutzung der Gräber ist auf eine maximale Dauer von 25 Jahren festgelegt. Wer ein längerfristiges Grab möchte, dessen Leiche muss andernorts begraben werden.
Weiteres Kapitel
Es ist nicht das erste Mal, dass der Umgang der Behörden mit Trystans Leichnam für Schlagzeilen sorgt. So hatten die Walliser Behörden ihn für die Beerdigung freigegeben, der Teenager lag bereits aufgebahrt in der Kapelle von Saint-Roch in Lausanne. Doch am Tag davor wurde Trystans Leiche wieder abgeholt. Für eine Autopsie.
Die Angehörigen waren fassungslos. Es war ein schwerer Schlag für Vinciane Stucky. «Wir hatten alles organisiert», sagte sie im Januar zu Blick. Die Blumen, den Pfarrer – Stucky musste alles verschieben. «Die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, war extrem brutal!»