Darum gehts
- Opfer-Angehörige haben um 18 Uhr eine Demonstration vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft in Sitten geplant
- Befragung des Betreiberpaars Moretti endete jedoch unerwartet früh um 17 Uhr
- Angehörige sind über das frühzeitige Ende enttäuscht, sie hatten das Betreiber-Paar stellen wollen
Angehörige der Opfer des Bar-Infernos in Crans-Montana haben sich am Donnerstagabend vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft in Sitten versammelt. Enttäuschung, Empörung und Wut vereinen die Menge. In den sozialen Medien war zu einer Demonstration um 18 Uhr aufgerufen worden. Denn am Donnerstag wurde das Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti erneut befragt. Die Opfer-Angehörigen wollten die Morettis nach dem Befragungsende stellen. Doch die Befragung endete bereits frühzeitig um 17 Uhr – von den Morettis keine Spur.
Bereits am Donnerstagmorgen war es vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft zu tumultartigen Szenen gekommen. Angehörige der Brandopfer hatten Jacques und Jessica Moretti konfrontiert. Das vorzeitige Ende der Moretti-Befragung verärgert nun die Angehörigen von Brandopfer Trystan (†17).
Opfer-Angehörige sind enttäuscht
Christian Pidoux, Vater des verstorbenen Trystan, wartet seit dem Donnerstagmorgen auf die Morettis. Gegenüber Blick zeigt sich Pidoux fassungslos über das vorzeitige Ende der Befragung. «Heute haben wir gesehen, wie das schweizerische Gesetz funktioniert», sagt Pidoux. «Man schützt die Schuldigen. Opfer in der Schweiz, in Italien und Frankreich fragen die Staatsanwaltschaft warum?» Er vermutet ein gezieltes Manöver, damit die Morettis nicht ein weiteres Mal durch die Menge der Angehörigen hätten laufen müssen.
Auch eine Freundin von Christian Pidoux, Samhare Saleh, hält das frühe Ende der Befragung vor der geplanten Demonstration für seltsam. Was dahinter stecke, sei abzuwarten, meint sie gegenüber Blick. «Wir wissen es nicht, wir warten auf Antworten. Wir schauen, wie es weitergeht», sagt sie.
Angehörige haben das Vertrauen in die Justiz verloren
Um 18 Uhr haben sich die Angehörigen nun in der Cafeteria der Hochschule versammelt. Sie fordern Gerechtigkeit nach der Brand-Katastrophe in der Silvesternacht. «Die Justiz muss nun die Arbeit für die Opfer und Verletzten machen, die noch immer in den Spitälern leiden», sagt eine Angehörige gegenüber der Medien. Das Vertrauen in die Schweizer Justiz sei jedoch mittlerweile verloren gegangen, zeigt sie sich weiter enttäuscht. «Die Verantwortlichen für den Tod vieler junger Menschen müssen zur Rechenschaft gezogen werden» – diese Forderung verbindet die Angehörigen.
Auch die Familie eines jungen Brandopfers ist vor Ort. «Um 1.15 Uhr war sie in der Bar, und um 1.30 Uhr war sie tot», schildert eine Angehörige. «Wir haben ihr Nachrichten geschickt, aber es kam keine Antwort. Alle haben sie angerufen, aber sie war nicht mehr da.» Auch sie fordern Gerechtigkeit: «Wir wollen, dass Gerechtigkeit geübt wird. Alle sagen, der Besitzer des Lokals ist verantwortlich.» Die Verzweiflung und Wut sind gross. Eine Angehörige bricht in Tränen der Empörung über Jacques Moretti aus: «Warum sagt er, dass er nichts getan hat? Er trägt die Verantwortung!»