Trystan (†17) genoss mit seinen Freunden das Leben
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Video zeigt ihn beim Tanzen:Trystan (†17) genoss mit seinen Freunden das Leben

Trystan Pidoux (†17) wurde am Abend vor der Beerdigung von der Gerichtsmedizin wieder abgeholt
Totales Obduktions-Chaos bei Crans-Montana-Opfern!

Die Staatsanwaltschaft Wallis hat überraschend die Obduktion von Trystan Pidoux (†17) aus Pully VD angeordnet – kurz vor seiner Beerdigung, zwei Wochen nach der Brand-Katastrophe. Zuvor hatte die Behörde bei einem Opfer die Autopsie verweigert – was zu Kritik führte.
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Trystan Pidoux (†17) ist am Abend vor seiner Beerdigung zur Autopsie abgeholt worden.
Foto: Zvg

Darum gehts

  • Walliser Staatsanwaltschaft verweigerte zwei Wochen lang Obduktionen
  • Trystan Pidoux (†17) direkt vor Beerdigung obduziert, Familie schwer belastet
  • Rund 40 Tote, Italien ordnete eigene Obduktionen für sechs Opfer an
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Chaos bei den Ermittlungen zur Brandkatastrophe von Crans-Montana VS! Zwei Wochen lang sah die Staatsanwaltschaft Wallis von einer Autopsie von Trystan Pidoux (†17) aus Pully VD ab. Dann machte sie eine Kehrtwende: Der Teenager lag bereits aufgebahrt in der Kapelle von Saint-Roch in Lausanne. Seine Beerdigung sollte am Mittwoch stattfinden. Doch dann holen sich Rechtsmediziner am Dienstagabend den Leichnam, um diesen doch noch zu obduzieren. 

Seine Mutter Vinciane Stucky sagt zu Blick: «Wir hatten alles organisiert.» Die Blumen, den Pfarrer – Stucky musste alles verschieben. «Die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, war extrem brutal!» Trystan Pidoux ist das erste Opfer, von dem bekannt ist, dass eine Autopsie durchgeführt wurde.

Wenige Tage zuvor sorgte die zuständige Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang für Kritik: Sie gab etwa einem Autopsie-Antrag nicht statt, den die Familie des italienischen Golfspielers Emanuele Galeppini (†16) gestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft Rom nahm die Sache daraufhin selbst in die Hand – und ordnete Obduktionen an den sechs italienischen Opfern an. Der Italiener Giovanni Tamburi (†16) musste dafür gar exhumiert werden.

Trystan (†17) genoss mit seinen Freunden das Leben
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Video zeigt ihn beim Tanzen:Trystan (†17) genoss mit seinen Freunden das Leben

Autopsien eigentlich üblich

Auch in der Schweiz wirft das Vorgehen Fragen auf: Mehreren Opfer-Anwälten und Kliniken in der unmittelbaren Umgebung – so etwa dem Spital in Sitten und dem Universitätsspital Lausanne – sind keine Autopsien an Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana bekannt. Dies berichtete die «NZZ» unter Berufung auf mehrere Quellen.

Dass die Walliser Staatsanwaltschaft zunächst keine Obduktionen durchführte, stösst auch in der Fachwelt auf Unverständnis. Etwa bei Ulrich Zollinger, Professor für Rechtsmedizin und ehemaliger Co-Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universität Bern. Er sagt gegenüber der «NZZ», erfahrungsgemäss wollten die meisten Angehörigen wissen, wie und woran die Opfer genau gestorben seien.

Die Staatsanwaltschaft Wallis hüllt sich indes in Schweigen. Auf Medienanfragen reagiert sie nicht mehr.

Verzicht auf Obduktion

Laut Schweizer Prozessrecht kann nur die Staatsanwaltschaft eine Obduktion veranlassen. Etwa, um die Todesursache zu klären. «Die Ergebnisse einer Autopsie – beziehungsweise das Kennen der genauen Todesursache – sind für eine Strafuntersuchung enorm wichtig», erklärt der deutsche Forensiker Dirk Labudde gegenüber Blick.

Zunächst erfolge aber eine äussere Leichenschau. Dabei wird der Körper der verstorbenen Person auf Verletzungen untersucht. «Manchmal sind tödliche Verbrennungen schon äusserlich sichtbar», so Labudde. «Die Staatsanwaltschaft kann in solchen Fällen auf eine Obduktion verzichten, weil die Todesursache bereits feststeht.»

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Schnell breitet sich das Feuer aus: Gäste versuchen vergeblich, die Flammen mit einem Tuch zu ersticken.
Foto: Screenshot X

Bei manchen Crans-Montana-Opfern mag das so zutreffen. Golfspieler Emanuele Galeppini hatte laut seiner Familie aber gar keine äusseren Verletzungen. Dennoch befand die Walliser Staatsanwaltschaft eine Obduktion für unnötig, da die Todesursache «eindeutig» sei.

Seine Familie fragt sich indes, ob Galeppini totgetrampelt wurde oder an einer Rauchgasvergiftung gestorben ist. Forensiker Dirk Labudde erklärt, bei der äusseren Leichenschau liesse sich mehr als nur Brandwunden feststellen. «Auch Anzeichen von Ersticken können von aussen erkennbar sein», so der Experte.

Obduktion sollte schnell erfolgen

Wenn nach der äusseren Leichenschau Zweifel an der Todesursache bestünden, werde obduziert. Und zwar möglichst schnell. Denn: «Wenn eine Leiche nicht richtig gekühlt und gelagert wird, zersetzt sich das Gewebe, was die Obduktion erschwert», sagt Labudde. Das dürfte bei manchen Opfern von Crans-Montana nun der Fall sein.

Das Obduktionsresultat von Trystan Pidoux liegt inzwischen vor: Der 17-Jährige starb an einer Rauchvergiftung. Seine Beerdigung ist auf Freitag angesetzt.

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