Trystan (†17) genoss mit seinen Freunden das Leben
1:00
Video zeigt ihn beim Tanzen:Trystan (†17) genoss mit seinen Freunden das Leben

Vinciane Stucky sitzt am Vorabend der Beerdigung in Kapelle neben Leichnam ihres Sohnes
«Die Rechtsmediziner platzten rein und entrissen mir meinen Trystan»

Trystan Pidoux (†17) sollte am Mittwoch beerdigt werden. Doch am Vorabend heisst es plötzlich: Das Opfer der Brand-Katastrophe in Crans-Montana VS muss in die Obduktion! Eine solche versäumten die Walliser Behörden zwei Wochen lang. Seine Mutter ist fassungslos.
Kommentieren
1/20
In der Bar Le Constellation brach ein Feuer aus. 40 Menschen starben in Folge der Tragödie.
Foto: Screenshot
Blick_Portrait_2537.JPG
Nicolas LuratiReporter News

Vinciane Stucky aus Pully sitzt alleine in der Kapelle von Saint-Roch in Lausanne. Es ist Dienstagabend. Im selben Raum ist der Leichnam ihres Sohnes Trystan Pidoux (†17) aufgebahrt. Seit dem Inferno von Crans-Montana sind fast zwei Wochen vergangen. Stucky stehen die wohl schwersten Stunden ihres Lebens bevor: Sie muss sich endgültig von ihrem Sohn verabschieden. Am Tag darauf ist nämlich die Beerdigung. «Ich weiss nicht, ob ich sein Begräbnis überleben werde», hatte die Frau gesagt, als Blick sie am Montag für eine Reportage getroffen hatte.

Stucky ist lange im Raum. «Trystans Sarg war offen», erzählt die trauernde Mutter am Donnerstagnachmittag Blick am Telefon. «Ich wollte so viel Zeit wie möglich mit ihm verbringen.» Die Andacht der trauernden Mutter mit ihrem verstorbenen Sohn wird aber jäh unterbrochen.

Denn plötzlich klingelt das Telefon von Stucky. «Mir wurde gesagt, dass die Rechtsmediziner Trystan gleich abholen werden, um noch eine Autopsie durchzuführen. Und zwar in den kommenden Stunden», erzählt die fassungslose Mutter am Donnerstagnachmittag Blick am Telefon. «Am Tag darauf, also am Mittwoch, hätte die Beerdigung stattgefunden. Es war schrecklich, dass sie uns das am Tag davor mitgeteilt haben.» Die Familie muss schnell reagieren. Und die Bestattung verschieben. Stucky sagt: «Der Pfarrer und die Blumenbouquets waren schon organisiert.»

Pfarrer und Blumen waren schon bestellt

Kurze Zeit nach dem Anruf erscheinen die Rechtsmediziner im Raum der Andacht. «Sie platzten rein und entrissen mir meinen Trystan», sagt Stucky. «Die Autopsie fand dann am Mittwochmorgen statt», erklärt Stucky.

Der Schock am Vorabend der geplanten Beerdigung ist ein weiteres Kapitel in einer Chaos-Chronologie, die die Eltern von Trystan über sich ergehen lassen mussten. Am 3. Januar erhält die Mutter von Trystan von der Walliser Kantonspolizei die Todesnachricht. Stucky: «Wir wollten, dass sein Körper in die Kapelle von Saint-Roch nach Lausanne gebracht wird. Wir wollten ihn bei uns in der Nähe haben.» Für die Überführung des Leichnams fragen die Eltern bei der Polizei an. «Das Bestattungsinstitut brachte seinen Leichnam dann am fünften Januar in die Kapelle.»

Derweil reicht die Anwältin von Vinciane Stucky Klage ein – unter anderem gegen das Barbetreiber-Paar Moretti. Und die Anwältin verlangt bei der Staatsanwaltschaft Informationen über den Stand der Ermittlungen. Am 7. Januar fragt sie, ob die Autopsie von Trystan durchgeführt wurde oder nicht. Eine Antwort kommt nicht.

Staatsanwaltschaft wacht in letzter Minute auf

Am Sonntag, 11. Januar, findet in der St-François-Kirche in Lausanne die Trauerfeier für Trystan Pidoux statt. Heisst also: Sein Sarg wird von der Kapelle in die Kirche gebracht – und wieder zurück.

Am Tag darauf teilt die Anwältin von Trystans Mutter der Staatsanwaltschaft mit, dass die Beerdigung am Mittwoch, 14. Januar, stattfinden wird. Sie fragt nochmals nach, ob eine Autopsie durchgeführt wurde. Falls nicht, müsse diese unverzüglich erfolgen.

Offenbar wachen die Walliser Behörden dann auf. Und ordnen die Autopsie an. Vinciane Stucky erfährt nur Stunden vor der Beerdigung davon. Die Autopsie findet dann auch tatsächlich statt – am Mittwochmorgen. Die Bestattung findet jetzt neu am Freitag, 16. Januar, statt.

Rein inhaltlich ist Stucky froh um die Autopsie. «Ich finde es gut, dass sie ihn obduziert haben.» Denn: «Ich möchte die ganze Geschichte erfahren. Ich will wissen, wie mein Trystan gestorben ist», sagt die Mutter. «Aber die Art und Weise, wie das abgelaufen ist, war extrem brutal. Das hat alles durcheinandergebracht, auch emotional.»

Auf eine Blick-Anfrage am Donnerstag reagierte die Walliser Staatsanwaltschaft nicht.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen