Darum gehts
- Iran erwägt Gebühren für Unterseekabel in der Strasse von Hormus
- Essenzielle Kabel transportieren globalen Internet- und Finanzverkehr zwischen Kontinenten
- Über 90 % der weltweiten Kommunikation laufen durch Glasfaserkabel
Der Rohstoffhandel durch die Strasse von Hormus ist seit Beginn des Irankrieges fast vollständig zum Erliegen gekommen. Während dieser sichtbare Transport von Gütern stillsteht, läuft ein anderer, unsichtbarer Transport unterhalb der Meerenge jedoch weiter. Durch die Strasse von Hormus verlaufen nämlich einige wenige, aber essenzielle Unterseekabel, die der Iran nun als neues Druckmittel in Betracht zieht.
Wie CNN berichtet, diskutiert Teheran aktuell Pläne, Gebühren für Unterseekabel zu verlangen. Staatsnahe Medien drohen derweil mit Sabotageakten, sollten Unternehmen oder Betreiber nicht kooperieren.
«Digitale Katastrophe»
Die Unterseekabel in der Strasse von Hormus transportieren einen Grossteil des globalen Internet- und Finanzverkehrs zwischen Europa und Asien. Sollte der Iran die Leitungen beschädigen und diesen Transport unterbrechen, hätte das weitreichende Folgen. Experten sprechen bei CNN von einer «digitalen Katastrophe» über mehrere Kontinente. Betroffen wären Grosskonzerne wie Google, Microsoft und Amazon.
Genau diese Grosskonzerne möchte Teheran jetzt zur Kasse bitten. Das Mullah-Regime hatte zuletzt auch angekündigt, für den Rohstoffhandel in der Strasse von Hormus Gebühren pro Frachtschiff verlangen zu wollen.
Unklar ist jedoch, wie Teheran diese Monetarisierung der Unterseekabel praktisch durchsetzen will. Wegen der US-Sanktionen dürfen viele westliche Unternehmen sowieso keine Zahlungen an den Iran leisten. Auch verläuft ein Grossteil der Unterseekabel in der Strasse von Hormus ausserhalb iranischer Gewässer.
Russische Sabotage vermutet
Die Leitungen in den Weltmeeren werden international zu einem immer wichtigeren Druckmittel. Fast die gesamte weltweite Kommunikation wandert heutzutage durch solche Glasfaserkabel. Auch Russland wird beispielsweise verdächtigt, hinter strategischen Sabotageakten an dieser digitalen Infrastruktur zu stecken.
Seit dem Herbst 2023 wurden mehrmals Datenkabel in der Ostsee gekappt oder beschädigt. Internationale Ermittler vermuten laut dem Deutschlandfunk, dass Schiffe der russischen Schattenflotte für die Schäden an den Leitungen verantwortlich sind. Neben digitalen Unterseeleitungen wurden beispielsweise auch Stromkabel beschädigt.
In einem Fall setzten finnische Behörden den Öltanker «Eagle S» fest, der in St. Petersburg gestartet war und mutmasslich zur Schattenflotte gehört. Das Schiff wird verdächtigt, seinen Anker absichtlich über den Meeresboden geschleift zu haben, um Unterseekabel zu beschädigen.
Auch Schäden vor Taiwan gemeldet
Auch im ewigen Konflikt zwischen China und Taiwan gewinnen die Leitungen am Meeresgrund an Bedeutung. Die selbstverwaltete Insel meldete in den letzten Jahren regelmässig Schäden an ihrer digitalen Infrastruktur. Taiwan macht dabei Peking für diese Sabotage verantwortlich.
Wie die BBC berichtet, wurde im Juni 2025 etwa ein chinesischer Staatsbürger in Taiwan zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, im Auftrag der chinesischen Regierung mit seinem Schiff ein Unterseekabel beschädigt zu haben, das für den taiwanesischen Datenverkehr eine essenzielle Rolle spielt. Peking hatte jedoch jegliche Beteiligung bestritten und die Vorfälle als «gewöhnliche Schiffsunfälle» bezeichnet.