Darum gehts
- Iran blockiert seit 28. Februar die Strasse von Hormus
- Tanker zahlen bis zu 2 Mio. Dollar Maut pro Durchfahrt
- 2000 Schiffe warten, Ölpreis steigt, Schweiz spürt höhere Tankpreise
Es war eine andere Welt. Bevor Israel und die USA den Iran am 28. Februar angriffen, fuhren um die 120 Handelsschiffe pro Tag nach Belieben durch die Strasse von Hormus. Rund ein Fünftel der weltweiten Ölmengen gehen hier durch – normalerweise.
Doch seit dem Kriegsbeginn blockiert das Mullah-Regime die für die Golfstaaten so wichtige Meerenge und schüttelt so die Weltwirtschaft durch. Der Ölpreis ist seither stark gestiegen, was man auch in der Schweiz bereits an der Tankstelle spürt. Die Situation spitzt sich zu. Der Shell-Chef Wael Sawan warnt mittlerweile gar vor Versorgungslücken in Europa.
Laut Medienberichten liegen immer noch knapp 2000 Tanker auf beiden Seiten der Passage vor Anker. Allerdings konnten zuletzt wieder einzelne Schiffe die Strasse von Hormus passieren – solche mit Verbindungen zu dem Iran genehmen Staaten wie China oder Indien. In einem Schreiben an die Uno teilte Irans Aussenministerium kürzlich mit, dass die Wasserstrasse für «nicht-feindliche» Schiffe offen sei.
Der Iran stellt eine Mini-Öffnung der Meerenge in Aussicht – nach ihren Bedingungen natürlich. Eine davon: eine Art Mautgebühr, die es in sich hat. Der Mullah-Parlamentsabgeordnete und frühere Vize-Aussenminister Alaeddin Boroujerdi (75) spricht von Abgaben von bis zu zwei Millionen Dollar pro Durchfahrt.
Tanker müssen ihre Routen ändern
Solche Mautabgaben sind nicht per se aussergewöhnlich. So müssen gewisse Supertanker im Suezkanal in Ägypten mit rund einer Million Dollar rechnen. Für die grossen Reedereien lohnt sich das Geschäft trotzdem. Denn in solchen Fällen ist die Ladung um ein Vielfaches wertvoller.
Die Iraner stellen neben der Mega-Maut aber noch andere Bedingungen, wie das Portal lloydslist.com in einem Beitrag schreibt. Die Revolutionsgarden verlangen jede Menge Angaben: etwa zur Ladung, der Besatzung, den Eigentümern und dem Zielort. Und laut Schifffahrtsdaten zwingt Teheran die Reeder, eine andere Route zu fahren. Bislang durchquerten die Tanker die Meerenge in der Mitte, auf der Grenze zwischen dem Iran und dem Oman. Jene Schiffe, die zuletzt die Strasse von Hormus passiert haben, fuhren nun deutlich näher an der Küste Irans entlang – zwischen den Inseln Qeschm und Larak hindurch.
Strasse von Hormus ist Teherans Trumpf
Am Mittwoch verschärfte der Iran seinen Ton. Laut einer Quelle von Tasnim News Agency, einer Nachrichtenagentur im Iran, spielt das iranische Militär mit dem Gedanken, auch die Bab-el-Mandeb-Strasse im Roten Meer zu blockieren – über ihre Huthi-Miliz in Jemen. «Sollten die Amerikaner mit unklugen Aktionen die Strasse von Hormus ins Visier nehmen, könnten sie sich eine weitere strategische Engstelle als Problem schaffen», so die Kriegspropagandisten.
Die Blockade der Strasse von Hormus ist Teherans Ass im Krieg mit den USA und Israel. Das Regime trifft damit US-Präsident Donald Trump (79) an einer empfindlichen Stelle. An den amerikanischen Zapfsäulen sind die Spritpreise besonders stark gestiegen. Gleichzeitig will der Iran die Meerenge zu Geld machen. Um die Sanktionen des Westens zu umgehen, hat sich der Iran eine milliardenschwere Krypto-Industrie aufgebaut. Die Maut-Forderungen in Millionenhöhe sind nun eine zweite mögliche Einnahmequelle, um den Krieg zu finanzieren.
Bloss: Bislang sind die meisten Reedereien keine Maut-Deals mit dem Iran eingegangen. Der Genfer Riese MSC, die grösste Containerreederei der Welt, hat die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus aufgrund der Sicherheitslage eingestellt. Ist das Unternehmen bereit, eine Maut an die Mullahs zu entrichten? Eine Anfrage von Blick blieb unbeantwortet.