Darum gehts
- Iran nutzt Bitcoin-Mining seit 2019, um trotz Sanktionen Einnahmen zu generieren
- 2025 flossen bis zu 3 Milliarden US-Dollar in militärische Projekte
- Mining verbraucht bis zu 2 Gigawatt Strom, verursacht 25 Milliarden US-Dollar Schäden jährlich
Seit bald einem Monat wehrt sich der Iran gegen Angriffe der USA und Israel. Entgegen US-Präsident Donald Trumps (79) Prognose einer «kurzen Reise», die das Regime stürzen, ein iranisches Atomprogramm verhindern und einen westlichen Partner installieren sollte, hat sich wenig verändert. Mit Ausnahme der Tötung von Ayatollah Ali Chamenei (†86) blieb der Erfolg aus. Im Gegenteil: Die Blockade der Strasse von Hormus lähmt den globalen Ölhandel, und das Regime wirkt selbstbewusster denn je – nicht zuletzt durch eine effektive Landesverteidigung.
Doch woher stammt das Geld für Waffen und Verteidigung? Die Rolle von Partnern wie Russland und China ist unklar. Ein zentrales finanzielles Standbein der Islamischen Republik bildet jedoch Kryptowährung. Wir erklären das Geschäftsmodell in fünf Punkten.
Der Sanktions-Schock
Der Iran reagierte 2018 auf die verschärften US-Sanktionen, die Ölexporte blockierten und das Land vom internationalen Swift-Zahlungssystem ausschlossen: Das Regime unter Ali Chamenei legalisierte im Jahr darauf industrielles Bitcoin-Mining. Mit dem Ausschluss aus konventionellen Finanzkanälen und dem starken Wertverlust des Rial – allein 2025 verlor die iranische Währung rund 40 Prozent – suchte Teheran nach alternativen Einnahmequellen. Kryptowährungen boten sich an: Sie lassen sich anonym, grenzüberschreitend und relativ unkontrolliert handeln, selbst unter Sanktionen.
Bereits 2021 erzeugte der Iran nach Angaben der Cambridge University rund 4,5 Prozent des globalen Bitcoin-Angebots, was einem Umsatz von etwa einer Milliarde Dollar entsprach. Inzwischen fliessen die Erlöse zunehmend auch in die Finanzierung militärischer Projekte.
Billiger Strom wird zu harter Währung
Ein entscheidender Vorteil: Der Staat unterstützt private Bitcoin-Miner mit sehr billiger Energie aus nationalen Stromquellen. Gas- und Ölkraftwerke liefern Strom für nur 1 bis 4,5 Rappen pro Kilowattstunde – zum Vergleich: In der Schweiz kostet die Kilowattstunde 27 Rappen. Diese Energie wird von spezialisierten Rechenzentren genutzt, um Bitcoin zu schürfen. Im Gegenzug für die staatliche Unterstützung sind die Mining-Firmen verpflichtet, ihre geschürften Bitcoins an die Zentralbank abzugeben, wie das «Manager Magazin» schreibt.
Die Zentralbank verwendet die Einnahmen etwa für reguläre Importe und die Stabilisierung der nationalen Währung. Es ist aber immer mehr auch eine Geldquelle zur Finanzierung der Revolutionsgarde und von Proxys wie der Hisbollah im Libanon und der palästinensischen Terrororganisation Hamas. Laut «Chainalysis» flossen allein 2025 zwischen 2 und 3 Milliarden Dollar aus Mining und Krypto-Transaktionen direkt in militärische Zwecke – darunter Waffenimporte, Drohnenproduktion und Cyber-Operationen.
Digitalgeld statt Öl
Bitcoin ist für den Iran vor allem ein Mittel, die Sanktionen zu umgehen. Mit Produktionskosten von etwa 1320 Dollar pro Coin – bei einem Marktwert von rund 70'000 Dollar – erzielt das Land enorme Margen. Experten sprechen von «Ölwäsche auf der Blockchain»: Das reichlich vorhandene Öl wird in Kraftwerken zu Strom, der dann Bitcoin-Minen antreibt. So wird Energie in liquide Mittel umgewandelt, die das Regime flexibel für Rüstungsausgaben, die Unterstützung von Verbündeten oder die Stabilisierung des Rial einsetzen kann. Die Kryptowährung dient damit nicht nur als Ersatz für blockierte Devisen, sondern ist auch zu einem strategischen Instrument inmitten des aktuellen Krieges geworden.
Das Problem mit dem Strom
Der Preis für diesen finanziellen Vorteil ist hoch: Das Mining verschlingt bis zu 2 Gigawatt Strom – so viel wie zwei grosse Kernkraftwerke. Dazu kommen die rund 700'000 illegalen Anlagen, die das ohnehin marode Stromnetz weiter belasten, so das «Manager Magazin». Regelmässig kommt es zu Blackouts, die Städte, Industrie und Krankenhäuser betreffen. Der staatliche Energieversorger Tavanir schätzt die jährlichen Schäden auf rund 25 Milliarden Dollar. Während Regime-nahe Mining-Farmen der Revolutionsgarde Vorrang erhalten, leidet die Bevölkerung unter regelmässigen Stromausfällen.
Trumps Drohungen
US-Präsident Donald Trump (79) drohte damit, gezielt iranische Kraftwerke anzugreifen. Ein solcher Schlag hätte erhebliche Folgen für die Bitcoin-Produktion im Land. Denn ohne Strom läuft beim energieintensiven Mining nichts. Die Folge: Die Einnahme aus dem Kryptogeschäft würden wegbrechen. Finanzströme zu regionalen Stellvertretergruppen wie der Hamas könnten eingeschränkt werden. Und der ohnehin schwache Rial geriete weiter unter Druck. Gleichzeitig könnte ein temporärer Rückgang des Bitcoin-Angebots den globalen Preis steigen lassen.
Trump dürfte sich dieser Zusammenhänge bewusst sein. Bislang haben sich die USA jedoch mit direkten Angriffen auf die Energieinfrastruktur zurückgehalten – ob aus strategischen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen, bleibt offen. Für den Iran hätte ein solcher Schritt jedenfalls gravierende wirtschaftliche Konsequenzen, wenn das ohnehin angespannte Stromnetz komplett zusammenbricht. Weil so die milliardenschwere Bitcoin-Quelle versiegt.