«Kurz davor, unsere Ziele zu erreichen»
Trump zählt US-Erfolge im Iran-Krieg auf – ein Faktencheck

US-Präsident Donald Trump spricht von einem baldigen Ende des Iran-Kriegs und brüstet sich mit zahlreichen Erfolgen. Doch wie viel steckt wirklich hinter der «vollständigen» Zerstörung der iranischen Militär- und Nuklearstärke? Blick macht den Faktencheck.
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US-Präsident Donald Trump zählt die Erfolge der USA im Iran-Krieg auf. Doch wie erfolgreich sind die USA wirklich?
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trump nennt fünf Erfolge im Iran-Konflikt, doch Zweifel bleiben bestehen
  • Iran demonstriert mit 4000-km-Raketenreichweite unerwartetes Bedrohungspotenzial
  • Schahed-Drohnen kosten unter 20'000 Franken, US-Patriot-Raketen über drei Millionen
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

«Wir stehen kurz davor, unsere Ziele zu erreichen, während wir erwägen, unsere umfangreichen militärischen Bemühungen im Nahen Osten in Bezug auf das terroristische Regime im Iran zurückzufahren», schrieb US-Präsident Donald Trump (79) am Samstag auf seiner Plattform Truth Social. Darunter zählte Trump fünf Erfolge auf, die die USA im Iran-Krieg nun bald erreicht haben wollen.

Doch was ist wirklich dran an den vermeintlichen Erfolgen? Und wie passt Trumps Erfolgsliste mit seinen anderen Aussagen zusammen? Blick macht den Faktencheck. 

1

Die Zerstörung der iranischen Raketenfähigkeiten

Als ersten Erfolg listet Trump die Zerstörung der iranischen Raketenfähigkeiten. Bloss: Erst am Freitagmorgen bewies der Iran, dass seine Raketenreichweite bislang offenbar unterschätzt wurde.

Mit zwei Mittelstreckenraketen griff der Iran die britisch-amerikanische Militärbasis Diego Garcia im Indischen Ozean an – knapp 4000 Kilometer vom Iran entfernt. Bis vor kurzem versicherten iranische Verantwortliche noch, die eigene Raketenreichweite sei bei rund 2000 Kilometern gedeckelt. Doch der neue Angriff zeigt nun: Rein technisch liegen für den Iran auch Ziele in Europa, einschliesslich der Schweiz, in Reichweite

Vor gut eineinhalb Wochen berichteten die Nachbarstaaten des Iran, dass die iranischen Angriffe bereits um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen seien. Der Iran schiesst dennoch weiterhin regelmässig mit Drohnen und Raketen – von einer «vollständigen» Zerstörung, wie Trump sie bezeichnet, kann also keine Rede sein. 

2

Die Ausschaltung der iranischen Rüstungsindustrie

Trump brüstete sich zudem mit der Ausschaltung der iranischen Rüstungsindustrie. Nur: Die iranischen Schahed-Drohnen lassen sich nicht nur extrem günstig produzieren (Preis pro Stück unter 20'000 Franken), sie sind auch von überall einsetzbar und schnell verlegt. Im Vergleich dazu ist die US-Flugabwehr deutlich teurer. Flugabwehrraketen für Systeme wie das US-amerikanische Patriot kosten pro Stück mehr als drei Millionen Franken. 

Genaue Zahlen zur aktuellen iranischen Rüstungsindustrie gibt es nicht, doch aufgrund der niedrigen Produktionskosten für Schahed-Drohnen dürfte sich eine «vollständige» Zerstörung, wie Trump sie angab, komplex gestalten. 

3

Die Ausschaltung von Marine und Luftwaffe

In Bezug auf die Luftwaffe und Marine erscheint der Iran aufgrund veralteter Ausrüstung der US-Militärmacht deutlich unterlegen. Doch die iranische Marine hat einen Trumpf in der Hand: die Strasse von Hormus. Auch wenn Donald Trump am Freitag noch von einer baldigen Ausschaltung von Marine und Luftwaffe sprach, zeigte seine Drohung in der Nacht auf Sonntag: So sicher scheint das Ende dieser Mullah-Streitkräfte doch nicht zu sein. 

Trump hat dem Iran ein Ultimatum gesetzt. Sollte das Land die Strasse von Hormus nicht innert 48 Stunden freigeben, werde er Irans Kraftwerke zerstören. «Er hat die Kontrolle über den Krieg verloren und gerät in Panik», schrieb der demokratische US-Senator Chris Murphy (52) auf X zu Trumps Drohung. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) drohten umgehend zurück: Sollten die USA – wie angedroht – iranische Energieanlagen angreifen, werde die wichtige Seestrasse von Hormus vollständig geschlossen.

Ohne Seestreitkräfte dürfte sich eine Sperre der Meerenge schwierig gestalten. Aktuell sieht es aber nicht danach aus, dass die Mullahs diesbezüglich Probleme hätten, auch wenn die wenigen grossen Kriegsschiffe von den USA zerstört wurden.

4

Die Verhinderung eines Atomprogramms

Dieses Ziel wurde von den USA immer wieder als Ursache für den Angriff auf den Iran Ende Februar angegeben. Doch auch bei diesem Erfolg kommen Zweifel auf. «Den Iran niemals auch nur annähernd an nukleare Fähigkeiten herankommen zu lassen», schrieb Donald Trump – dieses Vorhaben erinnert dabei an eine Aussage Trumps aus dem vergangenen Sommer. 

Trump erklärte damals, dass bei der US-Operation «Midnight Hammer» die drei wichtigsten iranischen Atomanlagen Fordo, Natans und Isfahan «vollständig und total zerstört worden» seien. Doch Anfang März wurde die Nuklearanlage Natans wieder zum Ziel von Luftangriffen der USA und Israels. Am Samstag meldete der Iran erneute Angriffe auf Natans.

Nachdem Trump die Anlage nach den Angriffen im vergangenen Sommer bereits als «vollständig zerstört» deklariert hatte, bleibt unklar, inwieweit die USA eine Verhinderung des iranischen Atomprogramms tatsächlich garantieren können. Zudem reichen Luftangriffe allein nicht aus, Irans Vorräte an hoch angereichertem Uran zu sichern. Denn ohne Kontrolle vor Ort ist unklar, wo sich das Material befindet – und wer Zugriff darauf hat

5

Der Schutz von Verbündeten

Der Iran greift gezielt US-Basen und Einrichtungen in den Nachbarstaaten an. Trump sprach davon, die Verbündeten auf «höchstem Niveau» zu schützen. Im nächsten Satz schob er jedoch die Verantwortung an die anderen Länder ab: «Die Strasse von Hormus muss bei Bedarf von anderen Nationen, die sie nutzen, bewacht und kontrolliert werden – die Vereinigten Staaten tun dies nicht!» 

Sobald die Bedrohung durch den Iran beseitigt sei, werde das «eine einfache militärische Operation für sie» sein, so der US-Präsident weiter. Das nun angekündigte Ultimatum an den Iran und die Gegendrohung aus Teheran zeigen jedoch: So «einfach» scheint der Schutz der Verbündeten im Nahen Osten und in der wichtigen Meerpassage offenbar nicht zu sein.

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